Vielfalt am Arbeitsplatz

Die Entwicklung der Grenzgängerströme hat in der Großregion SaarLorLux zu einer vielfältigen Arbeitswelt geführt, in der unterschiedliche Berufsausbildungen, Sprachen und Mentalitäten aufeinander treffen: „Das fängt an mit Sprachproblemen, aber auch mit unterschiedlichen Vorstellungen von Autorität. Der Deutsche nervt den Vorgesetzten, weil er immer diskutieren und strukturieren will und der Franzose schwätzt und schwätzt und man weiß nie, worum es denn eigentlich geht“, so der Pflegedienstleiter einer luxemburgischen Altenbetreuung. Solche und weitere Problemstellungen werden im grenzüberschreitenden Arbeitsalltag ganz konkret: Etwa dann, wenn „… vier von 15 Teammitgliedern nur Französisch sprechen, drei deutschsprachig sind und die anderen Luxemburger. Da sagen die Deutschen etwas, die Franzosen verstehen kein Wort und kommen dann zum Luxemburger und fragen nach. Da entstehen viele Übersetzungsgespräche und zum Teil Informationsverlust, was die Arbeit schwierig macht.“ Auch die sprachliche Ausgrenzung ist für viele problematisch wie ein Lothringer bestätigt: „Ceux qui parlent l'allemand, français, anglais et le luxembourgeois restent ensemble – chaqu’un dans son coin. Nous [les Français], on se sent à l'écart."

Zwischen den Welten

Neben Sprachproblemen spielen für viele Grenzgänger oft unterschiedliche Arbeitsstile eine Rolle. "Je trouve que les Allemands sont très rigoureux. Je ne sais pas comment expliquer ça, mais les Allemands et les Néerlandais... c'est presque une rigidité. C'est droit, c'est carré, c'est du pragmatisme. Alors que les autres [les Français et les Belges], c'est plus empathique, on a plus ce côté méditerranéen prononcé." In dieser Vielfalt sehen einige Grenzgänger aber auch eine Chance. So meint ein deutscher Grenzgänger zur 'französischen Arbeitsweise': „Das führt manchmal zu etwas kurzfristigen Entscheidungen und auch zu leicht chaotischen Zuständen. Davon kann man aber als Deutscher mit einer typisch deutschen Mentalität – wenn es die denn gibt – auch lernen.“ Grenzgänger müssen auch außerhalb des Arbeitsplatzes den Spagat zwischen zwei Regionen bewältigen. Aussagen wie „Je connais une seule personne de là-bas.“ oder „Nee, mit Luxemburgern habe ich eigentlich keinen Kontakt.“ [nach zehn Jahren Grenzgänger-Beschäftigung] bestätigen, dass am Arbeitsort oftmals nur spärliche soziale Kontakte bestehen. Gleichzeitig ergeben sich „zu Hause“ neue Probleme wie etwa „Kommt man dann wieder auf die deutsche Seite, ist man dort auch nicht wirklich zu Hause.“

Atypische Grenzgänger

In den 1970 Jahren stieg die Zahl der ins Saarland einpendelnden Lothringer rapide an - bedingt durch das Arbeitsplatzangebot und die D-Mark an der Saar. Heute (2008) kommen immer noch 20.000 Grenzgänger aus der benachbarten französischen Region, darunter befinden sich ca. 30 Prozent Deutsche. Das Im-Ausland-Wohnen und Im-eigenen-Land-Arbeiten beschränkt sich nicht nur auf die saarländisch-lothringische Grenze, überzogene Immobilienpreise und hohe Lebenshaltungskosten veranlassen immer mehr Luxemburger zu einem Umzug ins angrenzende Belgien, Frankreich oder Deutschland. Bereits seit den 1960er Jahren sind in der Großregion SaarLorLux Spuren des atypischen Grenzgängerwesens auszumachen. Aufgrund günstiger Preise kauften damals z.B. Saarländer Grundstücke und Immobilien im benachbarten Lothringen zur Naherholung. In den 70er Jahren wuchs die Zahl der Freizeittouristen und Deutsche bekamen immer mehr Baugenehmigungen im grenznahen Departement. Die Folge: Saarländer bauten in Lothringen und wohnen hier. Ihre Gründe für den Wohnortwechsel sind unterschiedlich: Bessere Konditionen beim Immobilienkauf, besseres Wohnraumangebot und eine höhere Lebensqualität. Der verstärkte Wohnortwechsel von Luxemburgern setzte spürbar ab Ende der 1990er Jahre ein.