A

Akkomodation

Phase der Aneignung von Kommunikations- und Interaktionskonvention eines bestimmten kulturellen Umfelds, in dem der eigene Lebensmittelpunkt verortet ist. Dazu zählt die Aneignung kulturellen Wissens um Handlungsfähigkeit in einem ‚fremden’ kulturellen Umfeld sicherzustellen. Dies impliziert nicht notwendigerweise, dass die im Rahmen der Primärsozialisation erworbenen Kommunikations- und Interaktionskonventionen abgelegt werden.

Ambiguitätstoleranz

Bezeichnet die Fähigkeit, das Spannungsverhältnis zwischen unvereinbaren Gegensätzen und Mehrdeutigkeiten „aushalten“ und Interaktion dennoch wohlwollend fortführen zu können.

Amtssprache

Als Amtssprache wird die Sprache bezeichnet, in der laut Gesetz sämtliche rechtlich relevanten Texte verfasst werden müssen. Einige Länder besitzen mehrere Amtssprachen, so z.B. die Schweiz oder Luxemburg.

Analytischer vs. interpretativer Forschungsansatz

Studien, die dem analytischen Forschungsansatz verhaftet sind, streben nach der Aufdeckung universaler Gesetzmäßigkeiten. Sie beziehen sich auf eine Gruppe als Untersuchungsobjekt, verwenden standardisierte, kontrollierte Umwelten und quantitative Methoden. Dabei nimmt der Forscher eine Außenperspektive ein, um Einflüsse durch die eigene Person weitgehend auszuschließen. Zentrales Ziel sind allgemeingültige Aussagen, die Verallgemeinerungen auf andere Objekte und Vergleiche mit anderen Forschungsergebnissen zulassen.

Der interpretative Ansatz hingegen ist bemüht, die besonderen Erfahrungen eines Subjekts zu erkennen und zu verstehen. Damit geht es um die Sicht auf die Interpretation der Welt durch die Subjekte. Entsprechende Studien werden mit qualitativen Methoden und eher ethnologischen Instrumenten durchgeführt. Der Forscher nimmt eine Innenperspektive ein, um das Verhalten in seiner Struktur aus Sicht der Beteiligten zu verstehen.

Artefakt

Kommt aus dem Lateinischen und bezeichnet ein vom Menschen geschaffenes Werk bzw. Erzeugnis. In den Kulturwissenschaften werden Artefakte als Sinnrepräsentationen einer Gesellschaft bzw. sozialer Gruppen betrachtet, in denen sich Ergebnisse menschlichen Handelns manifestieren.

Assimilation

Assimilation kommt aus dem Latenischen und bedeutet „ähnlich machen“. Damit wird in den Sozialwissenschaften die Anpassung eines Individuums an eine neue Umgebung unter Veränderung bis hin zur völligen Aufgabe seiner ursprünglichen Identität bezeichnet.

Attribution

Mit Attribution werden Zuschreibungsprozesse bezeichnet wie etwa das Zuschreiben von Eigenschaften hinsichtlich Gegenständen, sozialen Gruppen oder Individuen. Die Untersuchung von Zuschreibungsprozessen kann Aufschluss geben über Formen der Identitätskonstruktion.

Aufgabenorientierung – Personenorientierung

Das Begriffspaar soll eine kulturelle Dimension in Bezug auf die Gestaltung von Beziehung am Arbeitsplatz abbilden. Jedoch sind die Handlungsorientierungen weder an bestimmte kulturelle Kontexte, noch an berufliche Kontexte gebunden. Sie finden sich in allen Lebensbereichen wieder.

In einigen Kulturen wird es als normal betrachtet, wenn Menschen, die miteinander zusammenarbeiten, sich dabei hauptsächlich auf ihre Aufgaben und sachliche Themen konzentrieren. Dabei steuert das Sachthema das Miteinander und die Kommunikation. Menschen, die sich an Aufgaben orientieren, werden oft als distanziert und sachorientiert wahrgenommen.

In einigen Kulturen bildet eine gute Arbeitsbeziehung zwischen Teammitgliedern eine wichtige Voraussetzung, um kommunizieren, Vertrauen aufbauen und kooperieren zu können. Hier ist sozialer Austausch, der auch Privates und Emotionales einschließt, wesentlich. Beziehungsorientierte Personen wirken oft lebhaft und persönlich engagiert, da sie auch in Arbeitsbeziehungen tendenziell einen informellen Kommunikationsstil praktizieren.

B

BAFA

BAFA bezeichnet eine kulturunspezifische Übung im Rahmen interkultureller Trainings, die ursprünglich für amerikanische Streitkräfte entwickelt wurde. Sie beruht auf fiktiven Kulturstandards, nach denen zwei unterschiedliche Gruppen interagieren. Es gilt für die Gruppen, die kulturellen Regeln der jeweils anderen Gruppe im Interaktionsprozess zu ergründen.

Zur Durchführung der Übung sind zwei Räume sowie 2-3 Stunden für Erklärung, Durchführung und Auswertung erforderlich. Die Trainingsgruppe wird zunächst geteilt. Beide Teilnehmergruppen erhalten Namen (bspw. Alpha-Kultur, Beta-Kultur) und bekommen unterschiedliche Instruktionen. Diese umfassen (fiktive) kulturelle Regeln, Standards, Werte, nonverbales Verhalten etc. Die Gruppen schicken jeweils „Abgesandte“ in die jeweils andere Gruppe, um auszuhandeln, wie mit der anderen Gruppe Kontakt aufgenommen werden kann. Die „Erforschung“ der jeweils anderen Gruppe erfolgt in drei Schritten: Im ersten Schritt beobachten die „Abgesandten“ ausschließlich und berichten in ihrer „Heimatkultur“. Nun wird ein zweiter „Abgesandter“ mit entsprechendem Vorwissen in die jeweils andere Kultur geschickt und beobachtet wiederholt. Im dritten Schritt soll ein wiederum anderer „Abgesandter“ Kontakt mit der fremden Kultur aufnehmen und anschließend in der Heimatkultur berichten.

In der explorativen Schlussrunde erhalten die Gruppen ausführliche Informationen über die Kulturstandards der jeweiligen fremden Kultur. Ziel der Schlussrunde ist es, zentrale Themen wie Stereotypisierung, Missverständnisse, „Kulturschock“, In-Out-Group-Gefühle u.Ä. zu thematisieren.

Bedeutungsgewebe

Der Begriff wurde vom Ethnologe Clifford Geert geprägt, der zur Erforschung von Lebenswelten mit geringer kultureller Komplexität ein semiotisches Kulturverständnis zu Grunde legt, das Kultur als einen Komplex von Bedeutungen auffasst: „Der Kulturbegriff, den ich vertrete und dessen Nützlichkeit ich […] zeigen möchte, ist wesentlich ein semiotischer: Ich meine mit Max Weber, daß der Mensch ein Wesen ist, das in selbstgesponnene Bedeutungsgewebe verstrickt ist, wobei ich Kultur als dieses Gewebe ansehe. Ihre Untersuchung ist daher keine experimentelle Wissenschaft, die nach Gesetzen sucht, sondern eine interpretierende, die nach Bedeutungen sucht. Mir geht es um Erläuterungen, um das Deuten gesellschaftlicher Ausdrucksformen, die zunächst rätselhaft erscheinen.“

(Geertz, Clifford: Dichte Beschreibung. Beiträge zum Verstehen kultureller Systeme. (1987) Frankfurt/M., Suhrkamp, 1995, S. 9.)

Berufskultur

Interaktionspartner begegnen sich als Angehörige von verschiedenen Subkulturen. Als solche werden regionale Kulturen, soziale Klassen, Organisationen und u.a. Berufskulturen bezeichnet. Analog zur sozialisatorisch wirkenden Interaktion des Individuums mit seinem sozialen Umfeld erfolgen beim Erwerb und der Ausübung eines Berufs ebenso Sozialisationsprozesse, welche die Herausbildung von gruppen- bzw. berufsspezifischen Konventionen des Bewertens, Handelns, Wahrnehmens usw. bewirken. Diese haben Leit- bzw. Orientierungsfunktion für das berufliche Handeln und sind als ein Bestandteil von Berufsbildern anzusehen. In der internationalen Zusammenarbeit können verschiedene Berufskulturen, die auf unterschiedliche Bildungssysteme oder Karrierewege zurückgehen, zu Missverständnissen führen, jedoch ebenso ‚interkulturelle Synergien’ fördern.

Beziehungsorientiert

siehe Personenorientiert

Binnendifferenzierung

Bezeichnet eine Sichtweise, die einen bestimmten Gegenstand nicht als homogene Einheit in substantialistisch-holitischer Tradition betrachtet, sondern die sich für dessen konstitutive Teilelemente interessiert. In der kulturtheoretischen Debatte und der Kulturanalyse wird bspw. eine Binnendifferenzierung gefordert, die durch den Einbezug der individuellen Dimensionen und der subkulturellen Zugehörigkeit von Subjekten realisiert werden soll. Für den modernen Fremdsprachenunterricht lautet eine Forderung „Binnendifferenzierung in Bezug auf die Lernergruppe“, welche durch ein diversifiziertes Lernangebot umgesetzt werden soll, um unterschiedlichen Lernertypen, Interessen und Progressionen gerecht zu werden.

C

Country-of-Origin-Effekt

Bezeichnet „die Beurteilung der Qualität eines Produktes in Abhängigkeit zu seinem  Ursprungsland, die meist durch das Gütezeichen ‚Made in (...)’ geprägt wird“ (Dmoch 1997:119). In der Werbung wird versucht, solche Effekte zu nutzen bzw. Vorstellung über das Ursprungsland eines Produktes zu erzeugen. Dabei werden innere Bilder geformt, die sich auf „wirtschaftliche und gesellschaftliche Kennzeichen des eigenen oder eines fremden Landes sowie auf seine Institutionen und Einwohner beziehen“ (Dmoch 1997:119). Sie beinhalten tiefe emotionale Eindrücke, z.B. Sinnlichkeit (Italien).

Vgl. Dmoch, Thomas: Interkulturelle Werbung. Verhalteswissenschaftliche Grundlagen für die Standardisierung erlebnisbetonter Werbung. (Berichte aus der Betriebswirtschaft), Aachen, Shaker, 1997.

Critical incident (CI)

siehe Culture Assimilator

Cross-cultural

Verwirrung schafft die im Allgemeinen ungenaue Abgrenzung der Begriffe “interkulturell” bzw. „intercultural“ von „cross-cultural“. Hart (1998) nimmt diesbezüglich folgende Klassifizierung vor: Ausgehend von monokulturellen Studien oder „single cultural studies“, die sich auf die Beschreibung einzelner Kulturen konzentrieren, stellt er „cross-cultural studies“ als Vergleich von zwei oder mehreren Kulturen dar. Interkulturelle Studien hingegen “focus on the interaction [of] two or more cultures and answer the main question of what happens when two or more cultures interact (at the interpersonal level, group-level or international level)”. In der Praxis werden die Begriffe jedoch oft synonym und unsystematisch gebraucht.

Vgl. Hart, William B.: “What is Intercultural Relation? In: The Edge: The E-Journal of Intercultural Relations, 3(1) 1998.

Culture Assimilator

Der aus dem amerikanischen Raum stammende „Culture Assimilator“ (auch “Cultural Sensitizer” genannt) ist eine interkulturelle Trainingstechnik. Sie wurde von Harry Triandis in den frühen 1960er Jahren entwickelt und basiert auf der Vorstellung, dass Missverständnisse nicht auf unterschiedlichen Verhaltensweisen basieren, sondern auf kulturspezifischen Interpretationsmustern. Vor diesem Hintergrund soll der Teilnehmer die Fähigkeit erwerben, fremdkulturelle Attributionsprozesse erkennen und eine adäquate Sinnzuschreibung (isomorphe Attribution) vollziehen zu können. In der Trainingspraxis wird diese Zielsetzung mit Hilfe von problematisierenden Fallbeispielen kultureller Überschneidungssituationen umgesetzt. Zu diesen in Episodenform dargestellten sog. „Critical Incidents“ (CI) werden Deutungs- bzw. Erklärungsansätze gereicht. Somit wird es dem Teilnehmer ermöglicht, sich mit verschiedenen Betrachtungs- und Interpretationsweisen auseinanderzusetzen und den aus ihrer Sicht ‚zutreffenden Erklärungsansatz’ auszuwählen. Im Anschluss erhält der Teilnehmer Rückmeldung in Form von Erläuterungen zur Zielkultur und erfährt, ob der ausgewählte Erklärungsansatz ‚richtig’ oder ‚falsch’ war. Anzumerken ist, dass die Entscheidung der Teilnehmer für einen Erklärungsansatz eine monokausale Erklärbarkeit interkultureller Missverständnisse unterstellt. Ferner ist zu hinterfragen, ob Kontextvariablen bei der schriftlichen Darstellung von CIs ausreichend beschrieben werden können. Ist dies der Fall, so eignet sich der Culture-Assimilator, um die Multidimensionalität von interkulturellen Überschneidungssituationen aufzuzeigen.

Kulturallgemeine Assimilatoren: Kulturallgemeine Assimilatoren ermöglichen die Beschäftigung mit kulturellen Überschneidungssituationen und die Veranschaulichung der Kulturgebundenheit von Denken, Wahrnehmen, Bewerten und Handeln. Thematisch können Ängste, Erwartungen, Unsicherheiten, Stereotypen, Zeit- und Raumempfinden, Umgang mit Ungleichheit sowie gruppendynamische Prozesse behandelt werden. Das Ziel, kulturallgemeine Handlungskompetenz anhand von verschiedenen Einflussfaktoren in kulturellen Überschneidungssituationen zu vermitteln, schließt nicht aus, auch Problemlagen in kulturellen Begegnungssituationen zu betrachten. Zur Durchführung von Culture Assimilator-Übungen werden authentische „critical incidents“ ausgewählt, deren Diskussion jedoch kulturspezifische Phänomene vernachlässigt und allgemeine Aspekt des fremdkulturellen Kontakts hervorhebt.

Kulturspezifische Assimilatoren: Kulturspezifische Assimilatoren basieren auf dem Prinzip kulturallgemeiner Assimilatoren. In Abgrenzung zu letztgenannten sind die Episoden bzw. Erklärungsansätze hier auf eine bestimmte Kultur bezogen, die während der Exploration im Zentrum stehen.

Culture bound vs. culture free (Kontroverse)

Diese gegensätzlichen Positionen bezeichnen einerseits die Annahme, dass Organisationen von Landeskulturen geprägt sind und andererseits, dass Organisationen von landeskulturellen Einflüssen unberührt bleiben. Diesen Sichtweisen gemeinsam ist die Gleichsetzung von Kultur mit einem bestimmten und politisch definierten Gebiet.

Culture-Awareness

Culture-awareness bezeichnet die Bewusstheit um kulturelle Gebundenheit menschlichen Handelns und Denkens. Hierbei steht weniger eine spezifische Kultur im Mittelpunkt, sondern kulturallgemeine Themen. Culture-Awareness stellt in interkulturellen Trainingsmaßnahmen zumeist eine Einführungsphase bzw. eine Vorstufe des interkulturellen Lernprozesses dar. Dazu zählt z.B. der Culture-Awareness Workshops. Diese sehr populäre Trainingsform wird mit Teilnehmern durchgeführt, die nicht oder kaum über Erfahrungen mit fremden Kulturen verfügen. Das Anliegen der entsprechenden Übungen ist die Vermittlung von Kenntnissen über kulturunspezifische Themen wie Kulturdefinitionen, Wahrnehmung, Stereotype oder Kommunikationsstile. Eine beliebte Übung hierfür ist „Ambigious Lady“. Sie thematisiert Wahrnehmungsprozesse mit dem Ziel, den Teilnehmern zu verdeutlichen, dass Wahrnehmung selektiv und subjektiv verläuft. Die Übung kann mit beliebig vielen Teilnehmern durchgeführt werden und dauert ca. 30 Minuten. Grundlage bildet die Abbildung eines gezeichneten Gesichts, in dem zwei Gesichter (einer jungen und einer älteren Frau) erkennbar sind. Den Teilnehmern wird die Abbildung des Gesichts gezeigt mit der Bitte, das „Gesehene“ aufzuschreiben. Anschließend tragen die Teilnehmer ihrer wahrgenommenen Bilder im Plenum zusammen. I.d.R. sehen ein Teil der Gruppe die junge und der andere die ältere Frau. Nun wird das Bild wiederholt gezeigt und diejenigen, die die junge Frau gesehen haben, werden gebeten zu berichten, wie sie das Bild sehen bzw. anhand welcher Merkmale sie eine junge Frau erkennen. Die Bitte richtet sich ebenso an die Teilnehmer, die eine ältere Frau ausmachen. Die Teilnehmer schildern anschließend ihre Empfindungen darüber, wie sie sich fühlen, wenn sie die jeweils andere Frau nicht sehen können. Diese hier zu erarbeitenden Empfindung des „Sich-eingeschränkt-Fühlens“, wird vom Trainer auf fremdkulturelle Überschneidungssituationen projiziert, in denen dieses „Unbehagen“ ebenfalls auftritt. Des Weiteren wird verdeutlicht, dass Wahrnehmung individuell unterschiedlich verläuft. Dementsprechend werden mit dieser Übung Lehrziele sowohl auf affektiver als auch auf kognitiver Ebene realisiert.

D

Deutungsmuster (kulturelles)

Zeigt den Zusammenhang auf zwischen dem in Texten / Interaktionen präsupponierten Wissen und deren Relevanz im Hinblick auf kulturelle Verstehens- und Lernprozesse. Kulturelle Deutungsmuster sind insofern als kollektiv anzusehen, als dass in ihnen gemeinsame Erfahrungen sedimentiert sind, die für die soziale Handlungsorientierung innerhalb einer Sprach- und Kommunikationsgemeinschaft von Bedeutung und öffentlich sind. Das Konzept lässt sich m.H. des „kulturellen Gedächtnis“ nach Assmann präzisieren: Die überindividuelle Gemeinsamkeit der im kulturellen Gedächtnis gespeicherten Wissensbestände besteht nicht darin, dass alle Individuen eines Kollektivs über diese Wissensinhalte verfügen, sondern, dass die Inhalte des kollektiven Gedächtnisses in Form von rituellen Inszenierungen oder in Form verschiedener Speichermedien (Texte) öffentlich zirkulieren, erinnert und verfügbar gehalten werden. Somit sind kulturelle Deutungsmuster Bestandteile des kulturellen Gedächtnisses; in ihnen verfestigen sich die Sedimente gemeinsamer Erinnerung und Erfahrung zu allgemeinen und konstanten Schemata, die in Texten und anderen Speichermedien öffentlich zirkulieren und erinnert werden. Die überindividuelle Gemeinsamkeit der Gedächtnisinhalte besteht in deren Funktionalität hinsichtlich der Konstruktion einer kollektiven Identität und hinsichtlich der sozialen Handlungsorientierung und -koordinierung.

Vgl.: Altmayer, Claus: Kulturelle Deutungsmuster in Texten. Prinzipien und Verfahren einer kulturwissenschaftlichen Textanalyse im Fach Deutsch als Fremdsprache. In: Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht. Jg. 6 (3), 2002.

Diachroner Fehlschluss

siehe Fehlschluss

Differenzierte Werbung

Werden Werbemittel in mehreren Ländern eingesetzt, so wird unterschieden in differenzierte und standardisierte Werbung. Differenzierte Werbung für ein Produkt bezeichnet nationale Unterschiede in Text und Bild; standardisierte Werbung unterscheidet sich im Ländervergleich i.d.R. lediglich hinsichtlich der verwendeten Sprache.

Direktheit - Indirektheit

Mit diesem Begriffspaar werden in der kontrastiven Kulturanalyse – jedoch auch darüber hinaus – Kommunikationsstile beschrieben. Als direkter Kommunikationsstil wird das direkte und deutliche Übermitteln von Informationen ohne unnötige Umschweife oder Lautmalerei verstanden. Der indirekte Kommunikationsstil bezeichnet ein mittelbares Übermitteln von Botschaften, bei denen „weit ausgeholt“  und vieles „durch die Blume“ gesagt wird. Hier  werden vorsichtige Formulierungen verwendet, die einen hohen Spielraum für Interpretationen einräumen.

Distanzminimierung – Distanzdifferenzierung

Hinsichtlich der sozialen Distanzregulation Interaktionen (Proxemik) unterscheidet der Psychologe Alexander Thomas zwischen dem Kulturstandard der Distanzminimierung für Amerikaner und der Distanzdifferenzierung für Deutsche (nach Bekanntheitsgraden usw.).

Weiterführend z.B.: Thomas, Alexander: „Psychologische Wirksamkeit von Kulturstandards im interkulturellen Handeln“. In: ders. (Hg.): Kulturstandards in der internationalen Begegnung. 1991, S. 55-69.

Divergenzhypothese – Konvergenzhypothese

Angesichts fortschreitender Globalisierungsprozesse werden zwei (sich z.T. überlagernde) Entwicklungen angenommen, die jeweils Extrempositionen darstellen: Einerseits wird davon ausgegangen, dass die globale Vernetzung von Kulturen und Nationen zu einer Weltkultur, d.h. zu einer Nivellierung kultureller Unterschiede führt und andererseits wird die Auffassung vertreten, dass die sog. „McDonaldisierung“ der Welt nicht möglich ist. Letztere Position im Sinne der Divergenzhypothese wird von Kulturalisten vertreten, die an der Zunahme und Beständigkeit von kulturellen Unterschieden festhalten. Universalisten sehen eher eine Abnahme bzw. Angleichung kultureller Unterschiede vor dem Hintergrund globaler Entwicklungen voraus (Konvergenzhypothese). Zunehmend setzen sich jedoch Modelle und Theorien durch, die einen Brückenschlag zwischen den genannten Extrempositionen anstreben. (z.B. „Glokalisierung“ oder „Regionalität“).

E

Eigenes

Eine Kultur bzw. Lebenswelt wird dann als „eigene“ und „nicht-fremde“ bezeichnet, wenn die Kontextbedingungen ein alltagsbezogenes Routinehandeln ermöglichen, das für den Handelnden durch Plausibilität bzw. „Normalität“ und Sinnhaftigkeit charakterisiert ist. Ferner ist das „Eigene“ in Opposition zum „Fremden“ als subjektiv konstruiert zu betrachten, wobei die o.g. Kontextbedingungen zugunsten identitätsrelevanter Aspekte an Bedeutung verlieren.

Eisbergmodell

Das zwar vergleichsweise verkürzte jedoch sehr anschauliche Kulturmodell macht deutlich, dass nur ein begrenzter Teil von Kultur sichtbar oder wahrnehmbar ist. Das Wahrnehmbare (Percepta) repräsentiert wiederum „Zeichen“ für zugrunde liegende Werthaltungen bzw. Handlungskonzepte (Concepta). Hinter identisch erscheinenden Zeichen können sich jedoch sehr unterschiedliche Konzepte verbergen. So verweist bspw. die Bezeichnung „Team“ nach  japanischem Verständnis auf eine Gruppengesamtheit, während im Deutschen tendenziell  eine Gruppe als Summe einzelner Individuen gemeint wird. Im Deutschen sind daher individuelle Schuldzuschreibungen trotz Teamarbeit möglich, während nach japanischem Verständnis eher das gesamte Team haften würde.

Emischer vs. etischer Ansatz

Der emische Ansatz kann zur Untersuchung einzelner kultureller Umfelder verwendet werden. Dabei nimmt der Forscher die Perspektive der Angehörigen eines fremdkulturellen Umfelds ein mit dem Ziel, die bestehenden Strukturen und Merkmale aufzudecken und kulturspezifische Logiken zu verstehen. Hierbei ist der Forscher bestrebt universelle und eigenkulturelle Kriterien bzw. Erfassungskategorien auszublenden, um das fremdkulturelle Umfeld „von Innen“ heraus zu verstehen. Methodisch nicht unproblematisch ist der Umstand, dass der Wissenschaftler kulturgebunden ist und somit seine Konstrukte in die Forschung mit hineinträgt (Selbstreferenz des Forschers).

Im Rahmen des etischen Ansatzes nimmt der Forscher einen Standpunkt außerhalb des Untersuchungsobjekts ein und untersucht dieses m.H. von externen Kriterien. Diese Kriterien werden als universal gültige Kategorien angesehen. Der etische Ansatz wird in erster Linie für die Untersuchung mehrerer Kulturen und ihren anschließenden Vergleich eingesetzt.

Empathie

Bezeichnet Einfühlungsvermögen in Bezug auf die Befindlichkeiten und Denkweisen von Interaktionspartnern. Diese Fähigkeit ist eng verknüpft mit der Fähigkeit zur Rollenübernahme.

Ethnorelativistisches Stadium

Siehe Stadien interkulturellen Lernens

Ethnozentrismus

Der Blickwinkel der eigenen Kultur steht im Mittelpunkt bzw. wird als der anderen kulturellen Sichtweisen überlegene angesehen. Ethnozentrismus kann explizit auftreten und im Extremfall xenophobe Formen annehmen. Von implizitem Ethnozentrismus wird gesprochen, wenn die kulturelle Prägung des eigenen Handelns unreflektiert bleibt.

Ethnozentristisches Stadium

siehe Stadien interkulturellen Lernens

Etischer vs. emischer Ansatz

Im Rahmen des etischen Ansatzes nimmt der Forscher einen Standpunkt außerhalb des Untersuchungsobjekts ein und untersucht dieses m.H. von externen Kriterien. Diese Kriterien werden als universal gültige Kategorien angesehen. Der etische Ansatz wird in erster Linie für die Untersuchung mehrerer Kulturen und ihren anschließenden Vergleich eingesetzt.

Der emische Ansatz kann zur Untersuchung einzelner kultureller Umfelder verwendet werden. Dabei nimmt der Forscher die Perspektive der Angehörigen eines fremdkulturellen Umfelds ein mit dem Ziel, die bestehenden Strukturen und Merkmale aufzudecken und kulturspezifische Logiken zu verstehen. Hierbei ist der Forscher bestrebt universelle und eigenkulturelle Kriterien bzw. Erfassungskategorien auszublenden, um das fremdkulturelle Umfeld „von Innen“ heraus zu verstehen. Methodisch nicht unproblematisch ist der Umstand, dass der Wissenschaftler kulturgebunden ist und somit seine Konstrukte in die Forschung mit hineinträgt (Selbstreferenz des Forschers).

Explizit - implizit

Mit den Adjektiven „implizit“ bzw. „explizit“ werden in der kontrastiven Kulturanalyse – und darüber hinaus – unterschiedliche Formen der Informationsübermittlung (Kommunikationsstile) bezeichnet:

In einigen Kulturen wird darauf Wert gelegt, dass alle Informationen in klarer und detaillierter Form vermittelt werden, um Zweideutigkeiten zu vermeiden. Was nicht klar zum Ausdruck gebracht wird, erlangt auch keinen verbindlichen Wert. Für Menschen, die einen solchen expliziten Kommunikationsstil bevorzugen, haben klare Vereinbarungen, schriftliche Fixierungen wie etwa Protokolle oder Verträge einen hohen Stellenwert. Bei expliziter Informationsübermittlung wird der Gesamtzusammenhang (Kontext) weitgehend vernachlässigt und Informationen sowie Wissen, die sich aus der Situation ergeben könnten, werden ausführlich zur Sprache gebracht. Der Vorteil besteht darin, dass hier auch Personen ohne Kontextwissen problemlos am Gespräch teilhaben.

In einigen Kulturen werden viele Informationen durch das „Nicht-Gesagte“ oder „Mit-Gemeinte“ übermittelt. In solchen Fällen werden beim Gesprächspartner Kenntnisse und Informationen, die sich aus dem Gesamtzusammenhang (Kontext) ergeben, als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt. Ohne Einbezug des Kontextes können hier viele Informationen nicht eindeutig identifiziert werden. Es sind also bestimmte Informationen bereits im Gespräch impliziert, die zum Verständnis „mitgedacht“ werden müssen. Das bedeutet: Wissen, das sich aus dem Kontext ergibt, wird als gemeinsam geteiltes Wissen vorausgesetzt und im Gespräch nicht explizit gemacht. Solche gemeinsamen Wissensbestände können die Kenntnis über Status und Biografie des Gesprächspartners, aber auch die Kenntnis über soziale Konventionen umfassen. Demnach ist das, was verstanden wird, auch von den am Kommunikationsprozess beteiligten Personen abhängig. Bei der kontextabhängigen Informationsübermittlung bleibt dem Empfänger ein Deutungs- und Interpretationsspielraum.

Extraverbal

Sprachliche Zeichen oder Signale, die nicht verbal übermittelt werden (z.B. Gestik, Mimik, Proxemik, Körperhaltung)

F

Fehlschluss

In der Kulturanalyse bzw. interkulturellen Forschung – und darüber hinaus – sind oftmals  folgende Fehlschlüsse Gegenstand der kritischen Methodendiskussion:

Kausaler Fehlschluss: Kausale Fehlschlüsse basieren i.d.R. auf der Annahme, dass kulturelle Konventionen als determinierende Handlungssteuerung auf eine Gesamtheit einer kulturellen Gruppe zutreffen. Damit wird Kultur hier auf eine Verhaltensdeterminante verkürzt. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass kulturelle Konventionen handlungsbezogene Orientierungen darstellen, die Abweichungen zulassen.

Diachroner Fehlschluss: Der diachrone Fehlschluss bezeichnet die unzureichende  Berücksichtigung von sozialen Veränderungen sowie von Wertewandel in Gesellschaften im  Rahmen der Kulturanalyse. Die Gefahr des diachronen Fehlschlusses besteht vor allem beim Rückgriff auf ältere Forschungsergebnisse wie z.B. der Studie von Hofstede (1968 / 1972), deren Aktualität neben methodischen Aspekten zu hinterfragen ist.

Ökologischer Fehlschluss: Der ökologische Fehlschluss bezeichnet die Verwendung der auf Populationsebene definierten Merkmale zur Interpretation des Verhaltens von Individuen oder Kleingruppen, ohne deren Individualität oder Abweichung vom Prototyp zu beachten (mangelnde Binnendifferenzierung). Die umgekehrte unzulässige Verallgemeinerung von subjektbezogenen Daten hinsichtlich einer sozialen Gruppe wird als individualistischer Fehlschluss bezeichnet.

Vgl.: Krewer, Bernd: „Kulturstandards als Mittel zur Selbst- und Fremdreflexion“. In: Thomas, Alexander: Psychologie interkulturellen Handelns. Göttigen, Hogrefe, 1996, S. 147-164.

Feminität – Maskulinität

Die Kulturdimension Feminität / Maskulinität soll vereinfachend anzeigen, in welchem Ausmaß die Rollen der Geschlechter einer Gesellschaft klar getrennt sind (Maskulinität) oder sich überschneiden (Feminität). In maskulinen Gesellschaften wird von Männern erwartet, dass sie hart, bestimmt und rational auftreten (Machismus); Frauen sind für emotionale Dinge verantwortlich, legen Wert auf Harmonie, Lebensqualität und sind bescheiden, sensibel (Marianismus). In femininen Gesellschaften verwischen sich diese Sphären. Anhand des Führungsstils können die genannten Orientierungen illustriert werden: Nach Hofstede (1997) wird in maskulinen Gesellschaften ein autoritärer Führungsstil erwartet und praktiziert; in femininen eher ein konsultativer, der sich durch geringe Machtdistanz kennzeichnet. Zu berücksichtigen ist, dass sich diese Kulturdimension nicht ausschließlich auf das Verhalten von Männern und Frauen bezieht, sondern eher die mit den Geschlechtern traditionell verbundenen Verhaltens- und Wertorientierungen begrifflich zu erfassen versucht.

Field trip – Feldaufenthalt

Feldaufenthalte oder „field trips“ werden durchgeführt, um Teilnehmern an interkulturellen Trainings das ‚Fremde’ erfahrbar werden zu lassen. Feldaufenthalte können im Herkunftsland an Orten durchgeführt werden, an denen fremde Kulturen bzw. die Zielkultur manifestiert werden (z.B. Restaurants, Flughäfen, religiöse Stätten). Andererseits können Feldaufenthalte unmittelbar in der Zielkultur durchgeführt werden. Hierbei sollte das Training sorgfältig geplant werden, um die Teilnehmer in vielfältige Interaktionssituationen zu versetzen.

Fremd

„Fern von“, „fort“ und „vorwärts“ sind die Bedeutungen des germanischen Wortstammes „fram-", aus dem sich „fremd“ ableitet. Deutlich ist der Bezug auf den Betrachterstandpunkt, das Eigene, ohne das es Fremdes nicht geben würde. Die Kategorie des „Fremden“ ist an keine territoriale oder kulturelle Einheit gebunden, sondern sie wird subjektiv – also vom Betrachter – konstruiert.

Funktionale Äquivalenz

siehe Gesellschaftsvergleich – Kulturvergleich

G

Gesellschaftsvergleich - Kulturvergleich

Die Aufgabe der vergleichenden und kontrastiven Kulturforschung ist das Herausarbeiten von Gemeinsamkeiten und Unterschieden von kulturellen Systemen. Aspekte und Probleme des Kulturvergleichs sind Äquivalenzbildung, verwendete Forschungsansätze und  Forschungsmethoden sowie Konzepte des Gesellschaftsvergleichs.

Nach Hofstede sollten Forschungsarbeiten, die kulturvergleichende Aussagen über Menschen anderer Gesellschaften treffen, folgende Kriterien erfüllen:  1) Die Information sollte beschreibend und nicht wertend sein. 2) Um eine subjektive Wahrnehmung zu vermeiden, sollten die Informationen durch mehrere unabhängige Quellen verifizierbar sein. 3) Um unzulässige Verallgemeinerungen zu vermeiden, sollten Aussagen auf eine statistische Mehrheit passen. Die Ergebnisse können nicht alle Angehörige einer Gesellschaft betreffen, sondern sich auf eine Gruppe beziehen.

Vergleichende Forschungsansätze versuchen, durch das in Beziehung setzen eines oder mehrer Unersuchungsobjekte Gemeinsamkeiten und Unterschiede systematisch zu erfassen, zu klassifizieren und zu analysieren. Der Kulturvergleich ist erkenntnisgeleitet und übernimmt folgende Funktionen: 1) deskriptiv-klassifikatorische Funktion: Herausarbeiten bestimmter kultureller Merkmale, 2) heuristische Funktion: Illustration von transkulturellen Gesetzmäßigkeiten (anthropologische Grundkonstanten), 3) Kontrollfunktion: diese auf ihre Gültigkeit hin überprüfen.

Ein zentraler Aspekt des Vergleichs ist das Kriterium der Äquivalenz: Das bedeutet, die untersuchten Objekte müssen einige Merkmale gemeinsam haben, welche die Vergleichsgrundlage darstellen. Ein Problem kann darin bestehen, dass kulturelle Praktiken und Begriffe in den verglichenen Gesellschaften unterschiedliche Bedeutungen haben (können); daher müssen die verglichenen Objekte auf ihre funktionale Äquivalenz in den jeweiligen Gesellschaften überprüft werden; das bedeutet: die untersuchten Objekte / Verhaltensweisen müssen funktional identische Merkmale / Sachverhalte aufweisen.

Auch die Betrachtungsebene und -tiefe des Untersuchungsgegenstandes kann zu unterschiedlichen Ergebnisse führen: So kann auf Makro-Ebene eine Konvergenz der deutschen und französischen Wirtschaftsstrukturen festgestellt werden. Wird hingegen die Branchenzusammensetzung auf Mikro-Ebene untersucht, so lassen sich Divergenzen  zwischen den Ländern feststellen. Einige Forschungsansätze verbinden Untersuchungen auf Makro- und Mikroebene miteinander. Der französische Organisationssoziologe Marc Maurice unterscheidet zwischen drei Ansätzen international ausgerichteter komparativer Forschung. Bei diesen Ansätzen kommt dem Vergleich jeweils ein anderer Stellenwert zu.
 
Cross-National Ansatz
Ausgangspunkt:  These der Vergleichbarkeit – Kontinuität des Vergleichs
Ziel: Vergleich zwischen national definierten Gesellschaften mit Ziel, kulturspezifische Manifestation von universeller Dimension zu ermitteln
Äquivalenz der Vergleichsobjekte wird vorausgesetzt
Etisches Vorgehen, bei denen kulturelle Differenzen aufgedeckt werden sollen
Beziehung zwischen Makro- und Mikroebene wird vernachlässigt
Kritik: zumeist quantitative Forschungsmethoden, sagen nichts aus über Qualität der erhobenen Dimension – Vernachlässigung von kulturellen Besonderheiten
Etisches Vorgehen

Cross-Cultural Ansatz
Ausgangspunkt: Antithese der Nichtvergleichbarkeit
Anerkennung von Diskontinuitäten des Vergleichs
Systemtheoretische Überlegungen
Objekte sind jeweils in einzigartige gesellschaftliche Kontexte eingebunden (Nationalkultur); direkter Vergleich nur bedingt möglich
Emisches Vorgehen
Enge Verzahnung zwischen Makro- und Mikroebene; Verbindung dieser Ebenen

Analyse Sociétale Ansatz
Ausgangspunkt: Synthese der Vergleichbarkeit des Unvergleichbaren
Systemtheoretische Überlegungen
Grundsatz: soziale bzw. kulturelle Systeme dürfen nicht isoliert betrachtet werden, sondern integriert in einem Gesamtkontext
Ziel: eingeschränkt vergleichbare Merkmale von gesellschaftskonstituierenden Gruppen/Gemeinschaften zu identifizieren, die in jeder Gesellschaft - jedoch jeweils in einer anderen Manifestation und Kombination - auftreten
Leitfrage: In welcher Beziehung steht das Untersuchungsobjekt zum nationalen Kontext?

Bevor Vergleich vorgenommen werden kann, müssen Interdependenzen und Interaktionen zwischen Makro- und Mikroebene betrachtet werden und zu einem sozialen Konstrukt mit eigener Kohärenz und Logik einer jeden Gesellschaft kombiniert werden. Also: innere Strukturen werden zusammengefügt und als Gesamtheit mit allen Verflechtungen verglichen; so können Elemente identifiziert werden, die teilweise vergleichbar sind, aber in jeder Gesellschaft in einer anderen Kombination auftreten. Gesellschaftliche Kontexte sind aufgrund ihrer (kultur)historisch gewachsenen Institutionen und Beziehungen so unterschiedlich, dass sich einzelne Variablen nicht vergleichen, sondern nur gegenüberstellen lassen. Deshalb werden nicht einzelne Variablen, sondern gesellschaftliche Kontexte in ihrer Gesamtheit verglichen.

Vgl. Barmeyer, Christoph I.: Interkulturelles Management und Lernstile. Studierende und Führungskräfte in Frankreich, Deutschland und Quebec. Frankfurt/M., Campus, 2000, S. 69-79.

Gesprächsorganisation

Die kommunikative Strukturierung von Gesprächssituationen wird oftmals sprach- bzw. kulturspezifisch angenommen. Diskursive Einheiten wie die Sequenzierung einer Sitzung, einzelne Phasen von Besprechungen wie z.B. die einleitende Etablierung eines situationsspezifischen Gesprächsschemas, die Behandlung von Argument/Gegenargument oder die Dauer gesprächsabschließender Formeln können sich unterschiedlich ausprägen. Ebenso sind Überlappungen Teil des Gesprächsmanagements und übernehmen Funktionen, die je nach Situation und Kultur unterschiedlich sein können. Sie werden von den Beteiligten i.d.R. nicht nur akzeptiert, sondern auch eingefordert und reproduziert. Gesprächsorganisation bezeichnet also einen Regelapparat zur Verteilung von Redezügen, die „gemeinsames“ Sprechen, abwechselndes Sprechen oder Unterbrechungen organisiert.

Glokalisierung

siehe Divergenzhypothese – Konvergenzhypothese

Grenzgänger

Es existiert keine einheitliche Definition des „Grenzgängers“, bezieht sich der Begriff doch auf unterschiedliche Realitäten: Ihm wird zum einen eine gemeinschaftliche Bedeutung zugrunde gelegt, die insbesondere im Zusammenhang mit der sozialen Sicherheit zum Ausdruck kommt und zum anderen existieren verschiedene Eingrenzungen in bilateralen Doppelbesteuerungsabkommen, die zur Ermittlung der für die Grenzgänger geltenden steuerrechtlichen Bestimmungen heranzuziehen sind. Nach Gemeinschaftsrecht sind alle Arbeitnehmer und Selbstständige Grenzgänger, die ihre Berufstätigkeit in einem Mitgliedsstaat ausüben und in einem anderen Mitgliedsstaat wohnen, in den sie in der Regel täglich – mindestens aber einmal wöchentlich – zurückkehren (Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 über die soziale Sicherheit für Wanderarbeitnehmer).

H

Helden

Helden sind tote/lebendige, wahre/fiktive Personen mit Eigenschaften, die in einer Kultur geschätzt werden und Vorbildcharakter übernehmen. Alternativ zu Helden: Leitfiguren. (vgl. Hofstede)

Hierarchisch – partizipativ

Es existiert keine Institution, in der alle Mitarbeiter die gleichen Entscheidungsbefugnisse und Verantwortlichkeiten haben. Somit stellt sich das Problem der ungleichen Verteilung von Macht, das in jeder Gesellschaft oder organisatorischen Einheit bewältigt werden muss. Seine Bewältigung bzw. der  Umgang mit Ungleichheit – das heißt das Einsetzen, Rechtfertigen und Erreichen von Macht – kann sich in verschiedenen Kulturen und Gesellschaften unterschiedlich ausprägen. Vor diesem Hintergrund kann unterschieden werden zwischen hierarchisch und partizipativen Organisationskulturen bzw. Kulturen.

In einigen Kulturen sind klare Hierarchien mit bestimmten Rollen verbreitet, auf die Macht und Einfluss ungleich verteilt sind. Oft werden hier Machtpositionen von Personen aus höheren Schichten eingenommen. In solchen hierarchieorientierten Gesellschaften wird Macht und Autorität oftmals nichthinterfragend akzeptiert und als normal in Bezug auf eine bestimmte Position oder hinsichtlich eines erworbenen Titels hingenommen. 

In anderen Kulturen können Hierarchien flacher und Machtunterschiede weniger ersichtlich sein. Hier haben auch Menschen, die hierarchisch niedriger eingestuft sind, je nach Fachkompetenz die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen und an Entscheidungsprozessen aktiv mitzuwirken. Es sind individuelle Leistungen sowie der persönliche Einsatz, die Macht und Einfluss in diesen Zusammenhängen rechtfertigen.

In einer Untersuchung des niederländischen Anthropologen Geert Hofstede (vgl. Hofstede, Geert: Lokales Denken, globales Handeln. München, Beck, 1997, S. 25f.) wurden verschiedene Länder hinsichtlich des Umgangs mit Macht und Einfluss klassifiziert und in eine Rangfolge gebracht. Hofstede ermittelte für jedes Land einen Index, welcher die Machtdistanz des jeweiligen Landes abbildet. Machtdistanz bezeichnet bei ihm: Das Ausmaß, bis zu welchem die weniger mächtigen Mitglieder einer Institution bzw. Organisation eines Landes erwarten und akzeptieren, dass Macht ungleich verteilt ist.

I

Implizit – explizit

Mit den Adjektiven „implizit“ bzw. „explizit“ werden in der kontrastiven Kulturanalyse – und darüber hinaus – unterschiedliche Formen der Informationsübermittlung (Kommunikationsstile) bezeichnet:

In einigen Kulturen wird darauf Wert gelegt, dass alle Informationen in klarer und detaillierter Form vermittelt werden, um Zweideutigkeiten zu vermeiden. Was nicht klar zum Ausdruck gebracht wird, erlangt auch keinen verbindlichen Wert. Für Menschen, die einen solchen expliziten Kommunikationsstil bevorzugen, haben klare Vereinbarungen, schriftliche Fixierungen wie etwa Protokolle oder Verträge einen hohen Stellenwert. Bei expliziter Informationsübermittlung wird der Gesamtzusammenhang (Kontext) weitgehend vernachlässigt und Informationen sowie Wissen, die sich aus der Situation ergeben könnten, werden ausführlich zur Sprache gebracht. Der Vorteil besteht darin, dass hier auch Personen ohne Kontextwissen problemlos am Gespräch teilhaben.

In einigen Kulturen werden viele Informationen durch das „Nicht-Gesagte“ oder „Mit-Gemeinte“ übermittelt. In solchen Fällen werden beim Gesprächspartner Kenntnisse und Informationen, die sich aus dem Gesamtzusammenhang (Kontext) ergeben, als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt. Ohne Einbezug des Kontextes können hier viele Informationen nicht eindeutig identifiziert werden. Es sind also bestimmte Informationen bereits im Gespräch impliziert, die zum Verständnis „mitgedacht“ werden müssen. Das bedeutet: Wissen, das sich aus dem Kontext ergibt, wird als gemeinsam geteiltes Wissen vorausgesetzt und im Gespräch nicht explizit gemacht. Solche gemeinsamen Wissensbestände können die Kenntnis über Status und Biografie des Gesprächspartners, aber auch die Kenntnis über soziale Konventionen umfassen. Demnach ist das, was verstanden wird, auch von den am Kommunikationsprozess beteiligten Personen abhängig. Bei der kontextabhängigen Informationsübermittlung bleibt dem Empfänger ein Deutungs- und Interpretationsspielraum.

Indirektheit - Direktheit

Mit diesem Begriffspaar werden in der kontrastiven Kulturanalyse – jedoch auch darüber hinaus – Kommunikationsstile beschrieben. Als direkter Kommunikationsstil wird das direkte und deutliche Übermitteln von Informationen ohne unnötige Umschweife oder Lautmalerei verstanden. Der indirekte Kommunikationsstil bezeichnet ein mittelbares Übermitteln von Botschaften, bei denen „weit ausgeholt“  und vieles „durch die Blume“ gesagt wird. Hier  werden vorsichtige Formulierungen verwendet, die einen hohen Spielraum für Interpretationen einräumen.

Individualismus – Kollektivismus

Die Dichotomie kollektivistisch-individualistisch bezeichnet das Ausmaß, in dem die Interessen eines Individuums dem einer Gruppe untergeordnet sind (Kollektivismus, Wir-Gruppen Identität/traditionelle Gesellschaften) oder in welchem die Interessen eines Individuums über denen einer Gruppe stehen (Individualismus/Ich-Identität/ Selbstverwirklichung/moderne Gesellschaften). In diesem Zusammenhang führt Hofstede die Familienmodelle Kernfamilie und Großfamilie als prägende Instanz zur Entwicklung der genannten Orientierungen an, die sich in der sozialen Praxis einer Gesellschaft manifestieren.

Individualistischer Fehlschluss

siehe Fehlschluss

Institution – Institutionenbegriff

Als Institution werden in der Alltags- und Wissenschaftssprache verschiedene Phänomene bezeichnet. Der Staat und die Universität gelten als Institution. Die Begrüßung per Handschlag ist eine deutsche Institution und auch mehr oder weniger konkrete Einrichtungen wie Betriebe, öffentliche Anstalten oder die Kirche gelten als Institutionen. Das Gemeinsame dieses Sprachgebrauchs liegt darin, dass etwas institutionalisiert ist, wenn es sich in einer dauerhaften sozialen Ordnung befindet. Das Mittel der Institutionalisierung, die Institution, ist ein für eine soziale Gruppe spezifisches Regel- und Normensystem. Typischerweise stellen Definitionen daher für den Begriff der Institution auf folgende Merkmale ab: Eine Institution ist ein Muster sozialer Beziehungen; sie hat Ordnungs- und Regelungscharakter; sie ist dauerhaft und sie gilt als legitim und wird mit Sanktionen durchgesetzt. In vielen Definitionen wird jedoch nicht klar unterschieden zwischen dem Verhaltensmuster selbst und den es hervorbringenden Regeln.

In den Kulturwissenschaften entsprechen Institutionen (i.S. von Praktiken) Konventionen, die durch standardisiertes und habitualisiertes Verhalten von Mitgliedern einer bestimmten Gruppe zum Ausdruck kommen. Hansen (1993) definiert Institution anhand von vier Kriterien:

Institution ersetzt die innere, individuelle Motivation durch eine Außensteuerung (standardisierte Handlungen erfolgen nicht aus inneren Bedürfnissen und Motivationen heraus, sondern aufgrund einer Sollsuggestion, die von der Institution ausgeht; die Sollsuggestion konstituiert sich aufgrund der Präzision und Geformtheit, die zur Institution gehört und wird durch Gewohnheit verstärkt (permanente Wiederholung der vorgegebenen Form).

Verbindung von Sinn und Gesinnung. Durch ihre Permanenz und Kollektivität suggeriert die Institution, sinnvoll zu sein / sie repräsentiert die Normalität, die nicht hinterfragt wird; somit kann das Individuum die Sinnfrage suspendieren und einer gewissen Selbstverständlichkeit folgen; Institution liefert Gesinnung gleich mit: Gesinnung bildet den  mitverpflichtenden Komplex von Ideen, Gefühlen, Affekten und Verhaltensbereitschaften, die zur jeweiligen Institution gehören; (Einstellungen zu einem bestimmten Ereignis sind demnach vorgefertigt; sie müssen nicht jedes Mal neu gewonnen werden (Tod, Geburtstag)); die Gesinnung wird im Sozialisationsverlauf internalisiert;

Institutionen sichern Soziabilität und Gemeinschaftsgefühl. Eine Sollsuggestion kommt nur über eine Mehrheitsbeteiligung zustande; wenn sich das Individuum in diese Mehrheit einreiht, dann fühlt es sich kollektiv eingegliedert.

Institution schafft Stabilität, Ordnung und Sicherheit und verhindert das Chaos.

Vgl.: Jansen, Dorothea: Der neue Institutionalismus. Antrittsvorlesung im Sommersemester 2000. Speyer, 27. Juni 2000. Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer, Speyerer Vorträge, Heft 57, 2000, S. 5f. Und: Hansen, Klaus P.: „Die Herausforderungen der Landeskunde durch die moderne Kulturtheorie“. In: ders. (Hg.): Kulturbegriff und Methode. Der stille Paradigmawechsel in den Geisteswissenschaften. Eine Passauer Ringvorlesung. Tübingen, 1993, S. 95-114.

Interaktionsorientiert

Ein Begriff aus der Kommunikationswissenschaft. Er wird oft in Opposition zu „transmissionsorientiert“ verwendet. Wird Kommunikation als wechselseitiges Zusammenspiel von Inhalts- und Beziehungsaspekten verstanden und als komplexes Interaktionsgeschehen aufgefasst, in dem sich die Kommunikationspartner aufeinander beziehen, so kann von „interaktionaler Kommunikation“ gesprochen werden.

Vgl. Bolten, Jürgen: „Interkulturelle Wirtschaftskommunikation. Forschungsstand und Perspektiven eines neuen Fachgebietes“. In: Wirtschaftsdeutsch International 2002 (1999), S. 7.

Interkultur / Interkulturalität

Interkulturalität ist laut Hansen das populärste und umstrittenste aller Themen, die mit Kultur zu tun haben (vgl. Hansen: Kultur und Kulturwissenschaft. 2000, S. 317). In zahlreichen Publikationen zur Interkulturellen Kommunikation ist festzustellen, dass häufig unterschiedliche Konzepte von Interkulturalität zu Grunde gelegt werden. Hierbei sind im Allgemeinen zwei Auffassungen auszumachen: 1) Interkulturalität, bei der die an einer Interaktion von verschiedenen Kulturen beteiligten Vertreter betrachtet werden und 2) Interkulturalität, bei der die sich in diesem Prozess bildende Interkultur im Mittelpunkt steht.

Interkulturen entstehen dann, wenn Beteiligte aus unterschiedlichen Lebenswelten (A oder B) interagieren bzw. kommunizieren. Interkulturen existieren somit nur in Abhängigkeit zu den Beteiligten bzw. emergieren im Handeln der Subjekte: sie werden permanent neu erzeugt, und zwar im Sinne eines „Dritten“, einer Zwischen-Welt C, die weder der Lebenswelt A noch der Lebenswelt B vollkommen entspricht. Da es sich um einen Prozess handelt, ist eine Interkultur nicht statisch als Synthese von A und B im Sinne eines 50:50 oder anderswie gewichteten Verhältnisses zu denken. Vielmehr kann in der Begegnung unterschiedlicher Lebenswelten eine vollständig neue Qualität entstehen, die weder A noch B isoliert für sich erzielt hätten (vgl. Bolten, Jürgen: Interkulturelle Kompetenz. Erfurt, Landeszentrale für politische Bildung, 2001, S. 18.).

Die Interferenz verschiedener kultureller Systeme eröffnet also neue Sinnhorizonte, die in einschlägiger Literatur als „Interkultur“, „culture de contact“, „Zwischenwelt“ „intermonde“ oder „third culture“ bezeichnet werden. Trotz der Begriffspluralität bezeichnen die Autoren hiermit lediglich das dynamische Interaktionsverhältnis von Kulturen, das neue interkulturelle ‚Räume’ ermöglicht. Interkultur konstituiert sich durch ein Ordnungssystem, das von den einzelnen Systemen der beteiligten Kulturen nicht beschrieben werden kann. (Vgl.: Müller-Jacquier: Interkulturelle Kommunikation und Fremdsprachendidaktik. 1999, S. 38.) Festzuhalten ist, dass die Qualität der kulturellen Überschneidung durch das Präfix inter verdeutlicht wird; dieses hat semantisch die Bedeutung von zwischen, miteinander, reziprok und setzt voraus, dass die Kontaktkulturen den durch kulturelle Überschneidung erzeugten Orientierungsverlust konstruktiv aufgreifen und als Chance wahrnehmen, um gemeinsam neue Wege zu gehen. Vor diesem Hintergrund ist nicht jede kulturelle Überschneidungssituation als interkulturell aufzufassen, denn ungleiche Kräfteverhältnisse zwischen Interaktionspartnern können Dominanzen erzeugen, die ggf. einen Kulturtransfer bewirken, jedoch keine interkulturellen ‚Räume’ eröffnen.

Interkulturalitätsstrategien

Mit Interkulturalitätsstrategien werden Einstellungen von Interaktionsteilnehmern vor dem fremdkulturellen Kontakt bezeichnet. Sie haben Einfluss darauf, welche Form der interkulturellen Übereinkunft angestrebt wird und was als Problem oder Konflikt bei der Umsetzung von gemeinsamen Zielvorstellungen wahrgenommen wird. Unterschieden werden kann zwischen vier Interkulturalitätsstrategien:

Eroberung: Bei ‚Eroberern’ dient der eigene Standpunkt als Bewertungsgrundlage, der auf den fremdkulturellen Partner übertragen werden soll. Somit wird eine Dominanz bzw. Unterwerfung des Gegenübers angestrebt.

Chamäleon: Dieser Typ geht von der Unvereinbarkeit kultureller Systeme aus und vertritt die Ansicht, dass das Gegenüber nur über eine emische Perspektive unter Berücksichtigung der gültigen Systemregeln erschließbar ist.

Universalisten: ‚Universalisten’ suchen nach Gemeinsamkeiten, da von einer identischen „Basisausstattung“ beider Partner ausgegangen wird, die es im interkulturellen Kontakt zu erschließen gilt. Interkulturalität entsteht hier über die Schnittmenge von Gemeinsamkeiten beider kultureller Systeme.

Synergisten: ‚Synergisten’ suchen neue Wege bzw. nach Lösungen interkultureller Provenienz. Interkulturalität wird als ein dialogisch zu konstruierendes Produkt betrachtet, das erst durch Fremdkontakt entsteht. Dritte Lösungen als Interkultur (Synergie) werden auch durch Verständigung über Gemeinsamkeiten und Unterschiede angestrebt.

Interkulturelle Eignungsdiagnostik

Interkulturelle Eignungsdiagnostik bezeichnet ein Arbeitsfeld des interkulturellen Personalmanagements. Hier wird versucht m.H. von sozialwissenschaftlichen Methoden Kriterien zu ermitteln, anhand welcher geeignetes Personal zur erfolgreichen Erledigung von Aufgaben in anderen Kulturen/Ländern rekrutiert werden kann. (siehe auch interkulturelles Assessment Center).

Interkulturelle Kommunikation

Die kulturelle Wende innerhalb der Gesellschafts- und Sozialwissenschaften hat wesentlich zum Aufschwung des Interkulturellen beigetragen. Umstritten bleibt, ob dieses vergleichsweise junge Forschungsfeld ein eigenes Fach oder eine Forschungsperspektive im Rahmen bestimmter Disziplinen begründet. Im Allgemeinen wird die kommunikative Dimension der Beziehung zwischen Angehörigen unterschiedlicher Kulturen als Interkulturelle Kommunikation bezeichnet. Diese Sichtweise impliziert zunächst ein Kulturverständnis, das auf Differenz und eine bestimmte Zugehörigkeit abhebt. Ihr stehen teilweise Konzepte entgegen, die sich im Umfeld der Interkulturellen Kommunikation und darüber hinaus entwickelten und das betrachtete Forschungsfeld erweiterten. Dabei handelt es sich um nur schwer voneinander abgrenzbare Konzepte wie etwa Transkulturalität, Hybridität, Transdifferenz u.v.m., die im Rahmen interkultureller Forschung weitgehend unter dem Begriff der Interkultur gefasst werden.

Interkulturelle Kompetenz

Forschungen zum Themenfeld ‚Interkulturelle Kompetenz’ sind vielfältig und stützen sich auf ein nahezu unüberschaubares Spektrum an Konzepten. Im Folgenden einige Definitionsversuche:

„Es handelt sich bei interkultureller Kompetenz um die Fähigkeit, sich in einer fremden Kultur erfolgreich verständigen und bewegen zu können, d.h. eine Brücke zu schlagen zwischen seinen eigenen und anderen Denkweisen, Gefühlen, Wertvorstellungen, Ausdrucksformen, Verhaltensmustern und Gewohnheiten.“ (Bergmann, Alexander: Interkulturelle Managemententwicklung. In: Haller, M. (Hg.): Globalisierung der Wirtschaft. Bern, Paul Haupt, 1993, S. 200.)

„Es geht im Wesentlichen um einen Komplex von analytisch-strategischen Fähigkeiten, die das Interpretations- und Handlungsspektrum des betreffenden Individuums in interpersonaler Interaktion mit Mitgliedern anderer Kulturen erweitern. In diese analytisch-strategischen Fähigkeiten sind Wissen über andere Kulturen generell, die Veränderung von Einstellungen und eine Sensibilität (awareness) gegenüber kulturbedingter Andersartigkeit integriert. (Knapp/Knapp-Potthoff: Interkulturelle Kommunikation. In: Zeitschrift für Fremdsprachenforschung. 1/1990, S. 83.)

„Interkulturelle Kompetenz ist eine Qualifikation, die einen Menschen zur konstruktiven Anpassung, zum sachgerechten Entscheiden und zum effektiven Handeln unter fremdkulturellen Bedingungen und in kulturellen Überschneidungssituationen befähigt“ (Thomas/Hagemann: Training interkultureller Kompetenz. In: Interkulturelles Management. Heidelberg, Physica-Verlag, 1996, S. 174.)

„Interkulturelle Kompetenz ist die Fähigkeit, geglückte Interaktion bzw. Kommunikation zwischen Mitgliedern unterschiedlicher Kulturen zu gewährleisten“ (Knapp-Potthoff: Interkulturelle Kommunikationsfähigkeit als Lernziel. In: Knapp-Potthoff/Liedtke (Hg.): Aspekte interkultureller Kommunikationsfähigkeit. München, Inducium, 1997, S. 198.)

Interkulturelle Kompetenz ist die dauerhafte Fähigkeit, mit Angehörigen anderer Kulturen erfolgreich und kultursensibel interagieren zu können. (vgl. Leenen/Grosch 1998)

In Fachkreisen bleibt es umstritten, ob es sich bei „Interkultureller Kompetenz“ um ein eigenes Konzept handelt oder über welche Teilkompetenzen verfügt werden muss, um über „interkulturelle (Handlungs)Kompetenz zu verfügen. Jedoch hat sich eine Konzeptualisierung des Konstrukts „Interkulturelle Kompetenz“ durchgesetzt, die unterschiedet zwischen einer affektiven, kognitiven und verhaltensorientierten (konativen) Ebene.

Auf der kognitven Ebene sind Wissensbestände anzusiedeln. Dieses Wissen speist sich im Allgemeinen aus den Bereichen der Landeskunde sowie Kommunikation / Interaktion und Kultur.

Auf der affektiven Ebene ist emotionale Betroffenheit, Interesse, Entwicklung von Respekt und Wertschätzung sowie die Entwicklung von Anpassungsbereitschaft zu verorten (vgl. Bloom, Barbara: Taxonomie von Lernzielen im kognitiven Bereich. Weinheim, 1972, S. 21.)

Die Verhaltensebene (konativ) ist als Erweiterung bzw. Synthese der affektiven und kognitiven Ebene zu betrachten. Denn hier sind Strategien anzusiedeln, die es ermöglichen, Einstellungen und Wissen adäquat in Verhalten und Handlungen umzusetzen.

Interkulturelle Lernbereitschaft

Bereitschaft, interkulturelle Situationen als Lernsituationen und nicht als Bedrohung oder notwendiges Übel betrachten. Dies sollte verknüpft sein mit einer Neugierde auf Fremdes.

Interkulturelle Trainings und Übungen

Interkulturelle Lernangebote sind heute in nahezu allen Gesellschaftsbereichen auszumachen, insbesondere in der Wirtschaft. Viele der eingesetzten Trainingstypen und -module stammen aus den USA, wo sie in den 60er und 70er Jahren nicht primär zum Zweck der Auslandsvorbereitung entwickelt wurden, sondern um Lösungen der Multikulturalitäts-Problematik in den USA zu schaffen. In Deutschland befasst man sich erst seit den achtziger Jahren intensiver mit der Konzeption interkultureller Lernprogramme. Die Zahl der ausgebildeten Trainer ist in den letzten Jahren stark gestiegen, was neben entsprechenden Qualifizierungs- bzw. Weiterbildungsangeboten auf zahlreiche interkulturell ausgerichtete Studiengänge zurückgeführt werden kann, die in Deutschland ab den späten achtziger Jahren eingerichtet wurden.

Interkulturelles Lernen

Wird davon ausgegangen, dass Lernen eine Veränderung im Erleben und Verhalten darstellt, die durch die Interaktion zwischen Individuum und Umwelt hervorgerufen wird, so bezieht sich interkulturelles Lernen auf den Austausch mit einer anderen Kultur. Jedoch ist unklar, was mit Interkulturellem Lernen, Interkultureller Bildung oder Interkultureller Erziehung gemeint ist, referieren die Begriffe doch sowohl auf den Lernprozess als auch auf das Lernergebnis. Das zentrale Lernziel „Interkulturelle Kompetenz“ ist auf der Ergebnisebene zu verorten. Jedoch ist umstritten, über welche Teilkompetenzen für die Lernzielerreichung verfügt werden muss bzw. ob Interkulturelle Kompetenz überhaupt ein eigenständiges Konzept darstellt. Ungeachtet dieser Diskussion ist festzuhalten, dass Interkulturelle Kompetenz durch interkulturelles Lernen erreicht werden soll, wobei interkulturelles Lernen für den Prozess steht, der ausgehend von einer kulturellen Begegnungssituation oder von einem Lehr-Lern-Arrangement zu interkultureller Kompetenz führen soll. Somit schließt interkulturelles Lernen sowohl institutionalisierte als auch informelle Lernprozesse ein.

Institutionalisierte Momente des interkulturellen Lernens stellen vor allem interkulturelle Trainings bzw. Maßnahmen der interkulturellen Fort- und Weiterbildung dar. Zur Optimierung des interkulturellen Lernprozesses wurden zahlreiche Forschungen durchgeführt; ein allgemeingültiges interkulturelles Lernmodell existiert bislang aber nicht. Jedoch wurde  herausgearbeitet, dass die Lernziele „Kulturbewusstheit“, „Perspektivübernahme“, „Fremd- und Differenzwahrnehmung“ usw. zentrale Momente darstellen, wobei interkulturelle Lernprozesse i.d.R. bei der „generellen Einsicht um die Kulturgebundenheit des menschlichen Verhaltens“ ansetzen und die Zielrichtung „Überwindung des ethnozentristischen Weltbildes“ anstreben.

Angesichts der wachsenden Bedeutung von interkulturellem Lernen in Schule und Beruf haben sich in den 1990er Jahren im Weiterbildungsbereich unterschiedliche Ansätze des institutionalisierten interkulturellen Lernens herausgebildet, mit denen z.B. auf Auslandseinsätze von Mitarbeitern vorbereitet werden soll. Sie können nach unterschiedlichen Gesichtspunkten typologisiert werden: Nach inhaltlichen Kriterien wird unterschieden zwischen kulturspezifischen und kulturallgemeinen Ansätzen, nach Lernzielen zwischen kognitiven, affektiven und verhaltensbezogenen (konativen) Trainingsmaßnahmen. Hinsichtlich der Methodik wird differenziert in didaktische (oder kontrastive, trainerorientierte) Trainings und in interaktive (oder handlungs- / erfahrungsorientierte) Trainings. Die Typologie nach den Kriterien „Trainings off the job“ und „Trainings on the Job“ schließt die o.g. Trainingstypen ein und erweitert sie um interkulturelles Coaching, Mediation und Teambuilding.

Internationale Werbung

Internationale Werbung ist eine Strategie des internationalen Marketings, die auf die Vereinheitlichung von Werbemitteln abzielt. Wenn Werbemittel in mehreren Ländern eingesetzt werden, dann wird unterschieden in differenzierte Werbung (Werbemittel für ein Produkt unterscheiden sich in Text und Bild) und standardisierte Werbung (Werbemittel für ein Produkt unterscheiden sich nicht (lediglich in der Sprache (Text)).

Interpretativer vs. analytischer Forschungsansatz

Der interpretative Ansatz ist bemüht, die besonderen Erfahrungen eines Subjekts zu erkennen und zu verstehen. Damit geht es um die Sicht auf die Interpretation der Welt durch die Subjekte. Entsprechende Studien werden mit qualitativen Methoden und eher ethnologischen Instrumenten durchgeführt. Der Forscher nimmt eine Innenperspektive ein, um das Verhalten in seiner Struktur aus Sicht der Beteiligten zu verstehen.

Studien, die dem analytischen Forschungsansatz verhaftet sind, streben nach der Aufdeckung universaler Gesetzmäßigkeiten. Sie beziehen sich auf eine Gruppe als Untersuchungsobjekt, verwenden standardisierte, kontrollierte Umwelten und quantitative Methoden. Dabei nimmt der Forscher eine Außenperspektive ein, um Einflüsse durch die eigene Person weitgehend auszuschließen. Zentrales Ziel sind allgemeingültige Aussagen, die Verallgemeinerungen auf andere Objekte und Vergleiche mit anderen Forschungsergebnissen zulassen.

Intrakulturell

Im Gegensatz zu „inter-„ verweist die Vorsilbe „intra-" nicht auf ein drittes „Dazwischen“, sondern auf ein „Innerhalb“. Im Sinne des weiten Kulturbegriffs ist damit folglich die Interaktion zwischen Angehörigen von Subkulturen innerhalb eines Lebenswelt-Netzwerkes als intrakulturell zu bezeichnen. Diese Differenzierung ist allerdings notwendig unscharf und muss es auch bleiben, weil die Grenzen zwischen Inter- und Intrakulturalität fließend sind. Erklärbar wird aber, dass und warum z.B. oberflächenstrukturell ein deutscher und ein chilenischer Bäcker mehr Gemeinsamkeiten aufweisen und sich eventuell besser verstehen als der gleiche deutsche Bäcker mit seinem Nachbarn, einem deutschen Mathematiker. (vgl. Bolten, Jürgen: Interkulturelle Kompetenz. Erfurt, Landeszentrale für politische Bildung, 2001, S. 19.).

Involvement

Ein zentraler Begriff der Werbeforschung ist das Involvement. Es handelt sich dabei um das „Engagement, mit dem sich jemand einem Gegenstand oder einer Aktivität zuwendet“ (Kroeber-Riel/Esch 2000:133). Man spricht in der Werbung von geringem und starkem Involvement.

Vgl. Kroeber-Riel, Werner / Esch, Fraz Rudolf: Strategie und Technik der Werbung. Verhaltenswissen­schaftliche Ansätze. Stuttgart/Berlin/Köln, Kohlhammer, 2000.

K

Kanaldivergenz

Kanaldivergenz bezeichnet in den Kommunikationswissenschaften die Nicht-Überseinstimmung von semantischen Einheiten, die gleichzeitig (zur Verstärkung, zur Abtönung) über verschiedene Kommunikationskanäle (Gestik, Mimik, Proxemik, verbal etc.) übermittelt werden. (Bsp.: In Deutschland „Ja“ sagen aber mit dem Kopf schütteln).

Kausaler Fehlschluss

Siehe Fehlschluss

Kollektivismus – Individualismus

Die Dichotomie kollektivistisch-individualistisch bezeichnet das Ausmaß, in dem die Interessen eines Individuums dem einer Gruppe untergeordnet sind (Kollektivismus, Wir-Gruppen Identität/traditionelle Gesellschaften) oder in welchem die Interessen eines Individuums über denen einer Gruppe stehen (Individualismus/Ich-Identität/ Selbstverwirklichung/moderne Gesellschaften). In diesem Zusammenhang führt Hofstede die Familienmodelle Kernfamilie und Großfamilie als prägende Instanz zur Entwicklung der genannten Orientierungen an, die sich in der sozialen Praxis einer Gesellschaft manifestieren.

Kommunikation

Überall im Alltag findet Kommunikation statt: Sei es das Gespräch am Frühstückstisch, das Lesen der Zeitung oder die rote Verkehrsampel, die auf dem Weg zur Arbeit zum Anhalten auffordert. Auch das lachende Gesicht des Kollegen oder das Wartenlassen vorm Büro des Chefs übermitteln eine Botschaft. D.h., wir empfangen ständig Signale und Zeichen, die uns etwas mitteilen und oft unsere Handlungen leiten und bestimmen. Doch sind wir nicht nur Empfänger von Signalen, auch wir selbst senden ständig Signale und Botschaften aus, oftmals auch unbewusst.

Die Signale oder Zeichen, mit denen Botschaften vermittelt werden, sind unterschiedlicher Natur: Wie die kurze Darstellung oben zeigt, können wir uns durch Sprache mitteilen (sei es in mündlicher oder schriftlicher Form) (Bsp. Gespräch, Zeitung); aber auch Verhalten (Lachen, Wartenlassen) ist ein Zeichen, das uns etwas „sagt“. Eine weitere Art von Zeichen sind Symbole, die sehr unterschiedliche Ausprägungen annehmen können, z.B. Verkehrsschilder und Hinweistafeln, ebenso fallen Kleidung und Frisur darunter.

Was wollen wir mit dem Senden von Signalen jedoch erreichen? Wissenschaftliche Forschungen haben ergeben, dass Kommunikation vor allem vier verschiedenen Funktionen dient.

Sachinformation übermitteln (Ein bestimmter Sachverhalt wird dargestellt und vermittelt; Worum geht es?)

Selbstdarstellung (Der Sender sagt etwas über sich selbst aus; Wie stellt sich der Sender dar?)

Beziehungsaufbau, -deutung (Kommunikation ist eine soziale Aktion. Sie setzt Menschen in Verbindung, oder eine bereits bestehende Beziehung wird durch die ausgetauschten Botschaften dargestellt und/oder beeinflusst; Was sagt die Botschaft über die Beziehung zwischen Sender und Empfänger aus?)

Reaktion auslösen (Jede Botschaft verfolgt eine bestimmte Absicht, eine Intention. Der Empfänger soll die Botschaft interpretieren und der Absicht/der Intention entsprechend reagieren; Was soll mit der Botschaft erreicht werden?)
 
Oft kommt es allerdings vor, dass eine Botschaft mehrere dieser dargestellten Funktionen beinhalten kann oder es nicht eindeutig ist, was der Sender möchte oder warum er diese Botschaft sendet. So kann z.B. die Aussage „Ich habe so viel zu tun! Ich weiß nicht, wie ich das alles schaffen soll!“ zum einen eine rein faktische Aussage über den Arbeitsumfang sein und über die Schwierigkeit, diesen zu erledigen. Andererseits kann diese Aussage aber auch verstanden werden als Ausdruck des Gefühls der Überforderung, d.h. darüber, wie die betroffene Person sich fühlt. Außerdem kann die Aussage als Hilfeaufruf verstanden werden, mit dem die Person um Unterstützung bei der Erledigung ihrer Arbeit bittet.

Kommunikationsfähigkeit

Bezeichnet das Vermögen, initiativ auf andere zuzugehen und Kommunikationsnetzwerke etablieren zu können. Dies gilt vor allem dann, wenn Situationen problematisch erscheinen und man sich vorzugsweise zurückziehen möchte.

Kommunikationsstil

Kommunikationsstil bezeichnet die Art und Weise, wie Informationen übermittelt werden, wie Argumentationen erfolgen oder Informationen graphisch dargeboten bzw. aufbereitet werden. Kommunikationsstil kann unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet werden. Im Bereich der mündlichen und z.T. auch der schriftlichen Kommunikation wird im interkulturellen Kontext häufig unterschieden zwischen:

Direkter Kommunikationsstil: bezeichnet ein direktes und deutliches Übermitteln von Informationen ohne unnötige Umschweife oder Lautmalerei. Dem Gegenüber wird „klipp und klar“ mitgeteilt, was „Sache ist“.

Indirekter Kommunikationsstil: bezeichnet ein indirektes Übermitteln von Botschaften, bei denen gerne „weit ausgeholt“  und vieles „durch die Blume“ gesagt wird. Es werden vorsichtige Formulierungen verwendet, die einen hohen Spielraum für Interpretationen ermöglichen.

Vgl. auch impliziter und expliziter Kommunikationsstil

Konsens

Das Ziel interkulturellen Handelns ist nicht vorrangig, einen Konsens ‚um jeden Preis’ zu finden. Diese häufig vertretende Meinung kann dazu führen, dass sich mindestens einer der Beteiligten in ein ‚fremdkulturelles Korsett’ gezwängt fühlt und sich damit seiner Identität beraubt fühlt. Vielmehr ist es sinnvoll, zwar im Sinne von communicare „gemeinschaftlich zu handeln“, dabei aber kulturelle Differenzen durchaus bewusst zu halten und sich darüber explizit zu verständigen.

Kontakthypothese

Die Kontakthypothese geht davon aus, dass die Interaktion zwischen Angehörigen verschiedener Kulturen zu vermehrten und differenzierten Kenntnissen über die jeweils andere Kultur führt. Dies erhöht die erlebte Ähnlichkeit und intensiviert Gefühle gegenseitiger Sympathie, die wiederum den Abbau bestehender Vorurteile ermöglichen  Sie wurde zahlreichen feldexperimentellen Überprüfungen unterzogen. Es stellte sich heraus, dass nicht nur durch die Kontaktaufnahme Vorurteile abgebaut und Kenntnisse über die andere Kultur vermehrt erworben werden, sondern hieran bestimmte Bedingungen gekoppelt sind. Demzufolge kann ein Intergruppenkontakt auch zur Verstärkung und Festigung von Vorurteilen führen, was die Ausbildung einer positiven Grundhaltung und eine differenzierte Sicht gegenüber der Kontaktkultur verhindert.

Vgl. weiterführend: Thomas: „Können interkulturelle Begegnungen Vorurteile verstärken?“. In: ders.: Psychologie und multikulturelle Gesellschaft. 1994, S. 227-238. Und: Bahr, Andreas / Schröder, Hartmut: „Sprache, Grenze, Grenzregion“. In: Stöber, Georg / Maier, Robert (Hg.): Grenzen und Grenzräume in der deutschen und polnischen Geschichte. Scheidelinie oder Begegnungsraum? Hannover, Hahn, 2000, S. 127-141.

Kontextorientierung – Regelorientierung

In der Arbeitswelt muss auf verschiedene Situationen mit Regelungen und Vereinbarungen reagiert werden, um das Risiko des Unvorhergesehenen beherrschen zu können. Andererseits müssen Unternehmen flexibel und anpassungsfähig bleiben, um in unvorhergesehenen Situationen angemessen reagieren zu können. Wie auf diese Herausforderungen in der Arbeitswelt und darüber hinaus reagiert wird, ist tendenziell abhängig von gemeinschaftlichen  Konventionen und kulturellen Prägungen.

In einigen Kulturen wird versucht, klare Regeln aufzustellen und Verantwortung bzw. klar definierte Aufgabenbereiche abzustecken, um sich „im Schutz einer sicheren Mauer von Vereinbarungen und Regeln in Sicherheit vor Unvorhergesehenem zu wiegen“. In anderen Kulturen hingegen wird ein Korsett von formalisierten Arbeitsabläufen eher als einschränkend und hinderlich empfunden. Unvorhersehbare Situationen werden hier nicht als bedrohlich, sondern eher als Anreiz zur Entfaltung spontaner Kreativität betrachtet. Die Orientierung an der jeweiligen Aufgabe – also nicht an formalisierten Regeln – zur Bewältigung derselben – wird hier als motivierende Herausforderung wahrgenommen.

Unvorhersehbare Situationen erreichen uns oftmals plötzlich und wir müssen schnell reagieren. Es ist spannend zu beobachten, ob das schnelle und angemessene Reagieren in der jeweiligen Situation gelingt. Spannend bedeutet aber auch Unsicherheit. Das heißt: Es schwingt jedes Mal Unsicherheit mit, wenn man plötzlich mit einer unvorhergesehenen Situation konfrontiert wird, die es zu bewältigen gilt. Deshalb sind wir bestrebt, unvorhergesehene Situationen mit Hilfe von Reglementierungen bereits im Vorfeld zu strukturieren, um „drohende“ Unsicherheit zu reduzieren. Unsicherheit soll i.d.R. vermieden werden. Der niederländische Anthropologe Geert Hofstede hat diese Zusammenhänge im Rahmen einer Untersuchung in über 100 Ländern aufgedeckt und die sog.  Unsicherheitsvermeidung ‚gemessen’. Unsicherheitsvermeidung definiert er als: Grad, in dem sich die Mitglieder einer Kultur durch ungewisse oder unbekannte Situationen bedroht fühlen.

Vgl. weiterführend Hofstede, Geert: Lokales Denken, globales Handeln. München, Beck, 1997, S. 71f.

Kontrastiver Ansatz

Bei interkulturellen Trainings mit kontrastiver Methode wird der Schwerpunkt auf das Aufzeigen von Unterschieden zwischen eigener und fremder Kultur gelegt. Eigene und fremde Werte, Normen und Kulturstandards bzw. Unterschiede werden gegenübergestellt, ohne die Dynamik und Implikationen kultureller Überschneidungssituationen zu thematisieren. Da i.d.R. die eigene Kultur als Orientierungssystem zu Grunde gelegt wird, besteht die Gefahr, dass ethnozentristischer Sichtweisen gefördert werden.

Konvergenzhypothese – Divergenzhypothese

Angesichts fortschreitender Globalisierungsprozesse werden zwei (sich z.T. überlagernde) Entwicklungen angenommen, die jeweils Extrempositionen darstellen: Einerseits wird davon ausgegangen, dass die globale Vernetzung von Kulturen und Nationen zu einer Weltkultur, d.h. zu einer Nivellierung kultureller Unterschiede führt und andererseits wird die Auffassung vertreten, dass die sog. „McDonaldisierung“ der Welt nicht möglich ist. Letztere Position im Sinne der Divergenzhypothese wird von Kulturalisten vertreten, die an der Zunahme und Beständigkeit von kulturellen Unterschieden festhalten. Universalisten sehen eher eine Abnahme bzw. Angleichung kultureller Unterschiede vor dem Hintergrund globaler Entwicklungen voraus (Konvergenzhypothese). Zunehmend setzen sich jedoch Modelle und Theorien durch, die einen Brückenschlag zwischen den genannten Extrempositionen anstreben. (z.B. „Glokalisierung“ oder „Regionalität“).

Kultur

Definitionen des Kulturbegriffs sind so zahlreich und vielfältig, dass man schon aus diesem Grund Erwartungen an eine verbindliche und „richtige“ Bedeutungsregelung enttäuschen muss. Amerikanische Forscher haben in den 1960er Jahren bereits über 250 unterschiedliche Bedeutungen von ‚Kultur’ zusammengestellt. In Deutschland hat der Duden etwa zur gleichen Zeit vor dieser Bedeutungsvielfalt kapituliert: Waren bis zur 15.Auflage (1961) unter dem Stichwort „Kultur“ noch Eintragungen wie „Gesamtheit der geistigen und der künstlerischen Lebensäußerungen“, „verfeinerte Lebensweise“, „Zucht von Bakterien“, „Pflege und Bebauung des Bodens“ oder „junge Bestände“ (Forstwirtschaft) notiert, so wurde in den nachfolgenden Auflagen auf Definitionen gänzlich verzichtet. Stattdessen ist die Liste entsprechender Wortzusammensetzungen und -ableitungen erheblich umfangreicher geworden. Sie gibt vier Bedeutungen des lateinischen Verbs „colere“ zu erkennen, aus dem über die Vermittlung des französischen „cultiver“ die deutschen Zusammensetzungen mit „kult-„ abgeleitet worden sind. Es handelt sich hierbei um

(be-)wohnen, ansässig sein
pflegen, schmücken, ausbilden, wahren, veredeln
bebauen, Ackerbau treiben
verehren, anbeten, feiern.

Während die Bedeutungszuweisung im letzten Fall eindeutig in Verbindungen mit dem Grund- oder Bestimmungswort „kult-“ realisiert ist (Kult, Starkult, Kultfilm, Kultfigur, kultig), werden die drei erstgenannten Bedeutungen im Deutschen undifferenziert mit dem Wort „Kultur“ belegt. Dass „Bakterienkultur“, „Kulturrevolution“ und „Kulturtasche“ jedoch nicht unbedingt in einem Sinnzusammenhang stehen, liegt auf der Hand und führt die Problematik des Kulturbegriffs vor Augen.

‚Kultur’ wird heute vielfach noch als Repräsentant des Schönen, Wahren und Guten verstanden. Der Begriff ist damit eingeengt und fokussiert auf die zweite Bedeutung von „cultura“: auf Kunst und Geisteskultur. Ein solcher enger Kulturbegriff beinhaltet immer auch das Bemühen um Abgrenzung gegenüber allem „Nicht-Kultivierten“, wozu nicht zuletzt auch die „Massen-/Mainstreamkultur“ zählt. Dass gerade mit diesen Argumenten immer noch soziale und politische Machtverhältnisse begründet werden, zeigt die politische Tagesaktualität. Das enge Kulturverständnis spielt in der Kulturwissenschaft jedoch kaum noch eine Rolle.

Im Gegensatz zum auf „Geisteskultur“ eingegrenzten Kulturbegriff bezieht sich der weite Kulturbegriff eher auf die Bedeutung von „colere“ („wohnen“/„ansässig sein“). Gemeint ist damit die Lebenswelt, in der wir uns bewegen, die wir uns durch unser Zusammenleben geschaffen haben und ständig neu hervorbringen. Sie basiert nicht in erster Linie auf dem Schönen, Guten und Wahren, sondern umfasst alle Lebensäußerungen wie etwa Religion, Ethik, Recht, Technik, Bildungssysteme bzw. materielle und immaterielle Produkte. Dies soll verdeutlichen, dass die spätestens seit der griechischen Antike immer wieder diskutierte Dichotomie von Natur und Kultur nicht im Sinne eines Antagonismus verstanden werden kann: Kultur – auch als Lebenswelt – zeichnet sich dadurch aus, dass sie nicht „natürlich“ vorfindbar ist, sondern geschaffen wurde und sich durch eine gewisse Organisiertheit auszeichnet. Festzuhalten ist, dass der lebensweltlich verfasste Kulturbegriff im Gegensatz zum engen Kulturbegriff nicht ausgrenzt, sondern integriert, dass ihm keine zeitlos-statische sondern eine historisch-dynamische Bedeutung eigen ist und dass er sich Wertungsbemühungen weitgehend entzieht.

Der erweiterte-lebensweltliche Kulturbegriff soll möglichst viele und unterschiedliche Aspekte der menschlichen Lebenswelt unter einem Begriff subsumieren, ohne andererseits die Beziehungen und Interdependenzen dieser einzelnen Aspekte untereinander erklären zu müssen. Der genannten Platzhalterfunktion kann jedoch entgegengewirkt werden durch unterschiedliche Betrachtungsweisen des erweiterten Kulturbegriffs. Hierbei handelt es sich um drei methodologische Richtungen, die als materiale, mentalistische und funktionalistische bezeichnet werden können.

Materiale Ansätze orientieren sich an der Gesamtheit von Artefakten als hervorgebrachte sinnrepräsentierende Leistungen einer Gesellschaft. Unter Artefakten werden bestimmte Formen der Kleiderordnung, Arbeits- und Kommunikationsstile, Denkmäler, administrative Strukturen sowie Strukturen von Bildungssystemen, Formen der Wirtschaftsförderung oder Gesetze verstanden. Demnach handelt es sich bei Artefakten um Elemente einer Kultur, die perzipiert, also wahrgenommen, werden können. Die genannten Identifikationsmerkmale werden daher als kulturelle Perceptas bezeichnet.

Mentalistische Ansätze fassen Kultur immateriell auf. Im Fokus stehen weniger kulturelle Perceptas, sondern kulturelle Conceptas, die kollektiv geteilte Werte, Einstellungen und Normen umfassen und als Handlungs- und Verhaltensursachen nicht unmittelbar beschrieben werden können. Conceptas und Perceptas sind eng miteinander verknüpft, da über die beobachtete Realität (Perceptas) auf handlungsleitende Motive (Conceptas) zurückgeschlossen werden kann.

Funktionalistische Ansätze rücken handlungstheoretische Aspekte von Kultur in den Mittelpunkt. Kultur wird hier als Orientierungssystem verstanden, das für die soziale Praxis einer Gesellschaft, Organisation oder (Berufs-)Gruppe notwendig ist. Kultur in funktionalistischer Perspektive stellt ein Regelwerk von Konventionen und Interaktionsmustern dar, das kollektiv geteilt wird und an dem die Mitglieder einer Gruppe ihr alltagsweltliches Handeln nicht hinterfragend ausrichten.

In der Forschungspraxis wird eine integrierende Betrachtung des erweiterten Kulturbegriffs bevorzugt, derzufolge Kultur als Orientierungssystem verstanden wird, das über Perceptas beschreibbar und über Conceptas erklärbar ist. Dennoch wird Kultur je nach Forschungsdisziplin und Erkenntnisinteresse unterschiedlich perspektivisiert.

Die aktuelle kulturtheoretische Debatte versucht das Verständnis von Kultur als Nationalkultur zu überwinden, bezieht sich verstärkt auf räumliche Aspekte des Kulturellen (spatial turn), fokussiert stärker auf Momente des Trans-/Interkulturellen und rückt subjektorientierte Perspektiven ins Zentrum. Einen entsprechenden Überblick gibt: Reckwitz (2006).

Verwendete Literatur
Bolten, Jürgen: „Interkulturelle Wirtschaftskommunikation“. In: Walter, Rolf (Hg.): Wirtschaftswissenschaften. Eine Einführung. Paderborn, Verlag Ferdinand Schöningh (UTB), 1997, S. 467-497.
Bolten, Jürgen: Interkulturelle Kompetenz. Erfurt, Landeszentrale für politische Bildung, 2001.
Bolten, Jürgen: „Interkulturelle Wirtschaftskommunikation“. In: Walter, Rolf (Hg.): Wirtschaftswissenschaften. Eine Einführung. Paderborn, Verlag Ferdinand Schöningh (UTB), 1997, S. 467-497.
Ehlich, Konrad: „Interkulturelle Kommunikation“. In: Goebl, Hans / Nelde, Peter, H. / Stary, Zdenk / Wölck, Wolfgang (Hg.): Kontaktlinguistik. Ein internationales Handbuch zeitgenössischer Forschung. (1. Halbband), Berlin / New York, de Gruyter, 1996, S. 920-931.
Reckwitz, Andreas: Die Transformation der Kulturtheorien. Zur Entwicklung eines Theorieprogramms. Weilerwist, Velbrück Wissenschaft, 2006.

Kulturalisierung

Kulturalisierung bezeichnet die Überbetonung des Faktors Kultur unter Ausblendung individueller Persönlichkeitsmerkmale, was zu stereotypen Sichtweisen führen kann.

Kulturdimension

Maßgebliche zur Erforschung zentraler Kulturvariablen bzw. -dimensionen einschließlich ihrer kulturspezifischen Ausprägungen beigetragen haben: Edward T. Hall (1959/1966), Geert Hofstede (1968 und 1972) und Alexander Thomas (1991) bzw. Trompenaars (1993).

Hierzu zählt u.a. die von Hofstede zwischen 1968 und 1972 in 53 Ländern unter 116.000 Mitarbeitern des Unternehmens IBM durchgeführte Studie. Hofstede ging davon aus, dass alle Gesellschaften mit den gleichen Grundproblemen konfrontiert seien, nur die Antworten, die sie auf diese Probleme geben, unterschiedlich seien. Zu diesen Grundproblemen zählt Hofstede das Verhältnis zu Autorität, das Selbstverständnis von Individuum-Gesellschaft und Maskulinität-Feminität, die Art und Weise, mit Konflikten umzugehen sowie die Dominanz langfristiger bzw. kurzfristiger Handlungsorientierungen. Hieraus leitet er fünf Dimensionen kulturellen Denkens ab, an denen er seine empirische Befragung orientiert. Die Ergebnisse wurden für alle Länder in Punktwerte überführt und graphisch dargestellt, so dass verschiedene Länder hinsichtlich eines Aspekts verglichen werden können (vgl. Hofstede, Geert: Interkulturelle Zusammenarbeit. Kulturen-Organisationen-Management. Wiesbaden, Gabler, 1993).

Hall und Hall erarbeiten zum Kulturvergleich raum- und zeitbezogene (Polychronie/Monochronie) sowie kommunikationsbezogene (explizit/implizit) Variablen (vgl. Hall, Edward T. / Hall, Mildred Reed: Understanding Cultural Differences: Germans, French and Americans. Yarmouth, Intercultural Press, 1990, S. 6ff.)

Trompenaars erweitert die Liste der o.g. Grundprobleme um folgende Dimensionen: Umgang mit Problemsituationen (Universalismus/Partikularismus), Berücksichtigung sozialer Bindungen (neutral/emotional), Trennung zwischen Dienstlichem und Privatem (speziell-diffus), Umgang mit Statusfragen (Leistung/Zuschreibung), Einstellungen zur Zeit (Vergangenheits-, Gegenwarts- und Zukunftsorientierung) sowie um die Einstellung zur (sozialen) Umwelt (Kontrolle/Einklang), (vgl. Trompenaars, Fons: Handbuch globales Management. Düsseldorf, Econ, 1993). Obwohl Trompenaars Forschungsergebnisse durch Hofstede hinsichtlich methodischer und konzeptioneller Schwächen kritisiert wurden, ist die Studie dennoch eine häufig zitierte Referenz.

Die im Jahr 2004 erschienene GLOBE-Studie erweitert die genannte Liste der Grundprobleme und aktualisiert teilweise die Ergebnisse bereits untersuchter Kulturdimensionen. (Robert J. House, Paul J. Hanges, Mansour Javidan: Culture, Leadership, and Organizations: The Globe Study of 62 Societies. 2004.)

Kulturelle Blindheit

Kulturelle Blindheit bzw. cultural blindness bezeichnet die Vernachlässigung bzw. das Ausklammern des Faktors Kultur und seines Einflusses auf menschliches Verhalten. Dies kann in der Kulturbegegnung zu Fehlattributionen führen, was Missverständnisse hervorruft und eine interkulturelle Sensibilisierung der Interaktionspartner erforderlich macht.

Kulturelles Gedächtnis

Unter dem Begriff des kulturellen Gedächtnisses werden den jeder Gesellschaft und jeder Epoche eigentümliche Bestand an Wiedergebrauchstexten, -bildern und -riten zusammengefasst, in deren Pflege sie ihr Selbstbild stabilisiert und vermittelt. Es handelt sich überwiegend um kollektiv geteiltes Wissen über die Vergangenheit, auf das eine Gruppe ihr Bewusstsein von Einheit und von Eigenart stützt (vgl. weiterführend Assmann, J.).

Kulturerfassungsansatz

Kulturerfassungsansätze haben die Aufgabe kulturelle Variablen zu identifizieren, zu erfassen und zu erläutern. Sie stellen Modelle dar, die anhand von Kriterien entwickelt werden, mit denen Kulturen analysiert und hinsichtlich ihrer Unterschiede und Gemeinsamkeiten beschrieben und verglichen werden können. Solche Kriterien sind zum Beispiel kulturelle Dimensionen oder Kulturstandards wie sie von Hofstede, Hall, Trompenaars oder Thomas entwickelt. Kulturerfassungsansätze werden in etische und emische Ansätze unterschieden.

Kulturkorridor

Das Modell des Kulturkorridors geht auf Edgar H. Schein zurück, der eine Stratifizierung von Kultur in die Ebenen (basale) Grundannahme, Werte (= Concepta) und Artefakte (= Percepta) vornimmt. (Weiterführend: Schein, Edgar H.: Organizational Culture and Leadership. A Dynamic View. San Francisco, 1985.)

Kulturschock

bezeichnet eine Fremdheitserfahrung, die zu erheblichen Handlungshemmungen führt. Ein solcher ‚Kulturschock’ muss aber nicht zwangsläufig auftreten, wenn man für einen längeren Zeitraum im Ausland lebt und in seine Heimat zurückkehrt. Der Anthropologe Kalvero Oberg hat bereits 1960 verschiedene Phasen des Kulturschocks beschrieben, die sich idealtypisch in einem U-förmigen Verlauf anordnen lassen. Sie lassen sich wie folgt beschreiben:

Euphorie: Man freut sich auf das Neue und reagiert anfangs überschwänglich, weil man nur das (positiv) Erwartete wahrnimmt.

Missverständnisse: Man erkennt die Normalitätsregeln der Zielkultur teilweise nicht und erzeugt Missverständnisse, weist sich aber als Neuankömmling die Schuld selbst zu.

Kollisionen: Die Ursachen der Missverständnisse bleiben einem verborgen, man weist den anderen die Schuld zu, resigniert teilweise und neigt zu einer starken Aufwertung der eigenen Kultur.

Akzeptanz: Unterschiede werden akzeptiert und Widersprüche ausgehalten; man bemüht sich um ein Verstehen.

Akkulturation: Man versteht die Unterschiede weitgehend und tendiert zur Übernahme fremdkulturspezifischer Verhaltensmerkmale.

Kulturspezifisch

Auf eine bestimmte Kultur bezogen; einer bestimmten Kultur eigen; Antonym zu kulturallgemein

Kulturstandard

Kulturstandards bezeichnen „[…] alle Arten des Wahrnehmens, Denkens, Wertens und Handelns […], die von der Mehrzahl der Mitglieder einer bestimmten Kultur für sich persönlich und andere als normal, selbstverständlich, typisch und verbindlich angesehen werden. Eigenes und fremdes Handeln wird auf der Grundlage dieser Kulturstandards beurteilt und reguliert“ (Thomas, Alexander: „Analyse der Handlungswirksamkeit von Kulturstandards“. In: ders (Hg.): Psychologie interkulturellen Handelns. 1996, S. 107-135, hier S. 112.)

Kulturtransfer

Prozesse des Kulturtransfers umfassen die Übertragung und Vermittlung von Artefakten zwischen kulturellen Systemen, die in drei strukturelle Komponenten unterschieden werden können: Selektionsprozesse, Vermittlungsprozesse und Rezeptionsprozesse. Anhand von Selektionsprozessen wird untersucht, welche Praktiken, Artefakte, Stile von einer Kultur in eine andere übertragen und inwiefern diese übernommen werden. Die Übernahme fremdkultureller Ausdrucksformen kann durch die Untersuchung der Werke eines Sprach- und Kulturraums ermittelt werden, die in eine andere Kultur übersetzt werden, durch die Untersuchung von kommunikativen, intellektuellen und ästhetischen Stilen sowie Ausdrucksformen, die in verschiedenen Kulturen praktiziert bzw. imitiert werden. Nicht zuletzt gewinnt die Betrachtung von Selektionsprozessen aufgrund der fortschreitenden Globalisierung an Bedeutung wie kulturelle Praktiken (bspw. „Fast Food“) zeigen, die im Spannungsfeld zwischen „global“ und „lokal“ hybride Formen annehmen.

Einen zentralen Aspekt des Kulturtransfers stellen die jeweiligen Vermittlungsinstanzen bzw. -prozesse dar. Die Typologie interkultureller Vermittler unterscheidet zwischen individuellen Vermittlern (Touristen, Austauschschüler, Entwicklungshelfer), professionellen Vermittlern (Übersetzer, Fremdsprachenlehrer, Auslandskorrespondenten) institutionellen Vermittlern (Kulturinstitute der auswärtigen Kulturarbeit, Auslandsabteilungen der Kommunen, Regierungen und Medien) und interkulturellen Vermittlungssituationen, in denen formelle oder informelle Kontakte zwischen den jeweiligen Kulturen entstehen.

Eng verbunden mit Selektionsprozessen sind Rezeptionsprozesse. Rezeption beschränkt sich hier nicht auf die Wahrnehmung, Aufnahme fremdkultureller Phänomene, sondern schließt deren (innovative) Aneignung ein. Somit rücken Rezeptionsformen in den Blick, die sowohl in der intellektuell-literarischen Kultur als auch in der Konsumwelt ihren Ausdruck finden. Während literarische Werke sehr textnah übersetzt aber z.T. auch politischen Neu-Interpretationen unterliegen, stellt sich im internationalen Marketing die Frage nach der globalen Vereinheitlichung von Werbemitteln. Wie Untersuchungen zeigen, erfordert weltweite Wirtschaftstätigkeit ein Umdenken von standardisierten Marketingkonzepten hin zu differenzierter Werbung, womit sich innerhalb der Markt- und Werbeforschung zunehmend eine interkulturelle Ausrichtung etabliert.

Kulturunspezifisch

Antonym zu „kulturspezifisch“, Synonym zu „kulturallgemein“

Kulturunterschiede (interkulturelle Werbung)

Versuche zahlreicher Unternehmen, Produkte oder Produktwerbung weltweit anzugleichen, scheitern häufig daran, dass kulturspezifische Gewohnheiten, Geschmäcker und Wahrnehmungsformen nicht hinreichend berücksichtigt werden. So sind heute selbst Weltmarken keine „Welt“marken im Sinne einer universalen Standardisierung: Eine „Marlboro“ in Polen liegt bezogen auf den Teer- und Nikotingehalt über dem Niveau ihres US-amerikanischen Gegenstücks, ein Weichspülmittel enthält länderspezifisch unterschiedliche Geruchsstoffe und der „Nescafé“ in Italien ist schärfer gebrannt als der in England. Derartige Unterschiede bestehen vor allem deshalb, weil sich in verschiedenen Kulturen über Jahrhunderte hinweg unterschiedliche Erfahrungs- und Wahrnehmungswelten herausgebildet haben, die noch heute in der einen Kultur als „normal“ erscheinen lassen, was in einer anderen Kultur unakzeptabel wäre. Ursachen hierfür sind z.B. spezifische klimatische Verhältnisse, besondere Technologien oder auch systemische Eigenarten von Sprachen.

Kulturvergleich

Siehe Gesellschaftsvergleich – Kulturvergleich

Kulturwissen

Kulturwissen bezeichnet Wissen, welches nicht primär über kulturelle Fakten und Normen Auskunft gibt, sondern über deren Hintergründe und Systemzusammenhänge.

L

Langfristige vs. kurzfristige Zeitorientierung

Kurzfristige vs. langfristige Zeitorientierung bezeichnet das Ausmaß, in welchem sich Angehörige von Gesellschaften an zukunftsorientierten Perspektiven (langfristig) oder eher an gegenwarts- und vergangenheitsbezogenen Perspektiven (kurzfristig) orientieren. Diese „anthropologische Grundkonstante“ fügte Hofstede seinen Dimensionen später als fünfte Kulturdimension hinzu.

Lebensweltmodell

Das Lebensweltmodell geht auf Jürgen Habermas (Theorie des kommunikativen Handelns (1981)) zurück. Lebenswelt bezeichnet bei ihm die alltäglichen und selbstreproduzierenden Wirklichkeitsbereiche des Menschen: die Interaktionen zwischen Menschen bilden ein Netz kommunikativer Alltagspraxis, das als Medium fungiert, um Person, Gesellschaft und Kultur zu reproduzieren.

Lingua franca

Lingua franca ist die Bezeichnung für eine Sprache, die Sprechern mit verschiedenen Muttersprachen als Kommunikationsmittel dient (z.B. zur Erleichterung des Handelsverkehrs) (Synonym zu Verkehrssprache).

M

Machtdistanz

Machtdistanz bezeichnet nach Hofstede das Ausmaß, in dem weniger mächtige Angehörige einer Institution bzw. einer Organisation erwarten und akzeptieren, dass Macht ungleich verteilt ist. Er unterscheidet in Kulturen mit hoher und niedriger Machtdistanz. Angehörige von Gesellschaften mit niedriger Machtdistanz wirken den Mächtigen in einer Gesellschaft nicht entgegen, jedoch ist die ‚gefühlte’ Distanz zwischen Mächtigen und weniger Mächtigen hier geringer (und in Gesellschaften mit hoher Machtdistanz entsprechend größer). Hofstede expliziert dieses Verhältnis in den gesellschaftlichen Kontexten Familie (Eltern-Kind), Schule (Lehrer-Schüler), Arbeitsplatz/Beruf (Vorgesetzter-Mitarbeiter) und Staat (Bürger-Staat).

Maskulinität – Feminität

Die Kulturdimension Feminität / Maskulinität soll vereinfachend anzeigen, in welchem Ausmaß die Rollen der Geschlechter einer Gesellschaft klar getrennt sind (Maskulinität) oder sich überschneiden (Feminität). In maskulinen Gesellschaften wird von Männern erwartet, dass sie hart, bestimmt und rational auftreten (Machismus); Frauen sind für emotionale Dinge verantwortlich, legen Wert auf Harmonie, Lebensqualität und sind bescheiden, sensibel (Marianismus). In femininen Gesellschaften verwischen sich diese Sphären. Anhand des Führungsstils können die genannten Orientierungen illustriert werden: Nach Hofstede (1997) wird in maskulinen Gesellschaften ein autoritärer Führungsstil erwartet und praktiziert; in femininen eher ein konsultativer, der sich durch geringe Machtdistanz kennzeichnet. Zu berücksichtigen ist, dass sich diese Kulturdimension nicht ausschließlich auf das Verhalten von Männern und Frauen bezieht, sondern eher die mit den Geschlechtern traditionell verbundenen Verhaltens- und Wertorientierungen begrifflich zu erfassen versucht.

Mentalität

Als Leitkategorie für eine Verbindung von Kultur- und Sozialgeschichte wird in einigen  Arbeiten von Historikern auf das Konzept der Mentalität verwiesen. Mentalität bedeutet Geisteshaltung, Einstellung des Denkens eines Menschen oder einer Gruppe von Menschen. Traditionell gehört die Mentalitätsforschung der Ideengeschichte an. Die französische Historikerschule der Annales (Bloch, Febvre) hat jedoch der Mentalitätsgeschichtsschreibung einen erweiterten Gegenstandsbereich zugeordnet. Man bezieht hier die dem lateinischen Begriff mens eigenen Bedeutungsfelder mit ein: Geist und Verstand, Gefühl und Leidenschaft, Haltung und Verhalten. Mentalitäten als kollektive geistige Dispositionen werden als historisch und sozial bestimmte Dispositionen des Bewusstseins aufgefasst, die sich in sozialen Gruppen zeigen. Dabei interessieren Formen des Alltagswissens ebenso wie die dem Bewusstsein entzogenen, aber tatsächlich wirksamen Denkmuster. Mentalitäten sind die lebensweltlich vermittelten Kollektivideen, die nur in einem sozialen Zusammenhang zu typischen Mentalitätsthemen werden. Als solche sind sie aus sozialen Praktiken abzulesen. Quelle: Röseberg, Dorothee: Kulturwissenschaft Frankreich. Klett, Stuttgart, 2001, S. 16.

Metabild

Unsere Wahrnehmung von Eigenem und Fremden ist über das direkte Wechselspiel von Selbst- und Fremdverständnis hinaus auch wesentlich dadurch geprägt, was wir annehmen bzw. vermuten, was andere von uns denken und erwarten. Man spricht in diesem Zusammenhang von „Metabildern“. Wenn ich z.B. vermute, dass der Andere von mir erwartet, dass ich in einer bestimmten Kleidung zu einer Veranstaltung gehe, die er auch besucht, so kann diese Vermutung bzw. dieses Metabild für mich handlungsleitend sein und mich zur Wahl entsprechender Kleidungsstücke motivieren. Hieraus folgt: Wenn wir Fremdes (und Eigenes) wahrnehmen und verstehen, dann geschieht dies immer auf der Grundlage des wechselseitigen Zusammenhangs von Selbst-, Fremd- und Metabildern.

Metakommunikation

Fähigkeit, über Kommunikationsprozesse zu kommunizieren: Probleme, die im interkulturellen Handeln auftreten, mit den Beteiligten thematisieren zu können.

Mischsprache

Mischsprachen sind Sprachen, die aus mehreren Sprachen entstanden sind, z.B. Englisch aus Keltisch, Angel-Sächsisch, Normannisch (bzw. Französisch) und Latein.

Missverständnisse, interkulturelle

Interkulturelle Missverständnisse und Probleme resultieren oftmals daraus, dass man sich der Kulturgebundenheit der eigenen und der spezifischen Wahrnehmungsweise eines fremdkulturellen Partners nicht hinreichend bewusst ist. So werden Sachverhalte unhinterfragt als ‚normal’ angesehen, die für die Wahrnehmungsgewohnheiten des Gegenübers keineswegs plausibel sind. Wird dieser Plausibilitätsmangel nicht thematisiert oder wird der Sachverhalt solange „um-interpretiert“, bis er aus der eigenen Sichtweise heraus plausibel scheint, bauen die weiteren Interaktionen auf der trügerischen Annahme auf, man hätte z.B. eine gemeinsame Argumentationsbasis. Faktisch argumentiert man jedoch auf ganz unterschiedlichen Ebenen (ohne es zunächst zu merken). Wenn das gegenseitige Missverstehen dann offenkundig wird, ist die eigentliche Ursache meistens gar nicht mehr bekannt, womit es dann umso schwieriger wird, eine neutrale Beziehungsebene zurückzuerlangen.

Moderne (Erste und Zweite Moderne)

Zur Definition von „Moderne“ kann zunächst festgehalten werden: „„Moderne“ bezieht sich auf Arten des sozialen Lebens oder der sozialen Organisation, die in Europa etwa seit dem siebzehnten Jahrhundert zum Vorschein gekommen sind und deren Einfluss seither mehr oder weniger weltweite Verbreitung gefunden hat“ (Giddens, Anthony: Konsequenzen der Moderne. Frankfurt/m., Suhrkamp, 1996, S. 9.). Seit dem ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert wird eine Vielfalt von Begriffen vorgeschlagen, die versucht, den Beginn einer neuen Epoche zu bezeichnen wie z.B. „Informationsgesellschaft“ oder „Konsumgesellschaft“. Andere Begrifflichkeiten deuten das Ende der vorangegangenen Epoche an: „Postmoderne“, „Postkapitalismus“ oder postindustrielle Gesellschaft. (vgl. Giddens 1996, S. 9.). Die von Beck vorgenommene Differenzierung in „Erste und Zweite Moderne“ bezeichnet eine nationalstaatlich geprägte Epoche (Erste Moderne) und eine sich ihr anschließende, die den Blick auf das Globalisierungsgeschehen einschließlich seiner Auswirkungen auf nationalstaatliche Gebilde lenkt (Zweite Moderne). Diese Unterscheidung hat in den vergangenen Jahren zu zahlreichen Kontroversen über Merkmale und Auswirkungen des Globalisierungsprozesses geführt.

Die Ursprünge des Denkmodells einer nationalstaatlich geordneten Weltordnung gehen auf die Entstehungsphase des Nationalstaates im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts zurück, das die Herausbildung des nationalstaatlichen Gesellschaftsmodells bewirkte. Beck spricht in diesem Zusammenhang von einer Container-Theorie der Gesellschaft (vgl. Beck 1999, S. 49.): Moderne Gesellschaften sind „im Machtraum der Nationalstaaten wie in einem Container aufgehoben.“ (Beck, 1999, S. 50.). Hieraus leitet sich zum einen die Konsequenz ab, dass Gesellschaften nach außen klar und gegeneinander abgrenzbar werden, zum anderen wirkt dieses Ordnungsschema nach innen. Der Innenraum untergliedert sich in innere Totalitäten, die als „kollektive Identitäten“ (Subkulturen) betrachtet und als „soziale Systeme“ getrennt in die gesellschaftlichen Bereiche wie Wirtschaft, Politik, Wissenschaft oder Familie einschließlich ihrer kulturellen Codes zugeordnet werden können. Die unterstellte innere Homogenität ist das Produkt nationalstaatlicher Normierung und der Begrenzung von sozialen  Praktiken.

Das Denken und Forschen in nationalstaatlich getrennten Gesellschaftskategorien i.S.d. ersten Moderne schließt alles aus, was zwischen diesen Ordnungskategorien liegt. Beck zeigt anhand von Globalisierungsdynamiken auf, dass transnationale soziale Räume als Phänomen der Globalisierung nicht mehr ignoriert werden können und das Modell der nationalstaatlichen Axiomik hier an seine Grenzen gerät. Die Theorie der zweiten Moderne greift die Idee des „Zwischenkategorialen“ sowie der „Ortsungebundenheit“ auf und bricht durchgängig mit der Vorstellung, in geschlossenen und gegeneinander abgrenzbaren Räumen wie etwa Nationalstaaten bzw. Nationalgesellschaften zu leben und zu  handeln. Globalisierung der zweiten Moderne bezeichnet „das erfahrbare Grenzenloswerden alltäglichen Handelns in den verschiedenen Dimensionen der Wirtschaft, der Information, der Ökologie, der Technik, der transkulturellen Konflikte und Zivilgesellschaft […]“. (Beck 1997, S. 44.) Sie generiert also eine Vielfalt an Verbindungen und Querverbindungen zwischen Staaten und Gesellschaften, welche die Einheit von Gesellschaft und Nationalstaat aufhebt und zu neuen Macht- und Konkurrenzverhältnissen, Konflikten und Überschneidungen zwischen nationalstaatlichen Einheiten und Akteuren einerseits, transnationalen Akteuren, Identitäten, sozialen Räumen und Prozessen andererseits führt. (Beck 1999, S. 47.) „Der Übergang von der Ersten zur Zweiten Moderne ist auch der Übergang von der Ortsmonogamie zur Ortspolygamie der Lebensformen.“ (Beck 1999, S. 131.)

Monochron – polychron

In einigen Kulturen wird Zeit als ein wertvolles Gut betrachtet, das nicht verschwendet werden darf. Dementsprechend wird hier die Strukturierung von Zeit und Pünktlichkeit sehr hoch bewertet („Zeit ist Geld“). Menschen solcher Kulturen bevorzugen eine sequentielle Aufgabenerledigung („Eins nach dem anderen“). Verspätungen und nicht eingehaltene Fristen werden schell negativ bewertet. Diese Form des Umgangs mit Zeit wird als monochrone Zeitorientierung bezeichnet.

In anderen Kulturen neigen Menschen dazu, Zeit als ein ausreichend verfügbares Gut zu betrachten. Pünktlichkeit genießt hier einen relativen Stellenwert und Menschen bzw. Mitarbeiter stören sich nicht daran, gleichzeitig in verschiedene Aktivitäten eingebunden zu sein. Dementsprechend sind sog. polychron orientierte Menschen sehr flexibel bei der Verwaltung ihrer Zeit.

Weiterführend : Hall, Edward T.: La danse de la vie. Temps culturel, temps vécu. Paris, Seuil, 1984.

Multikulturalität

Während sich „Interkulturalität“ auf den Prozess und die Dynamik des Zusammenlebens bezieht, wird mit „Multikulturalität“ in erster Linie eine soziale Organisationsstruktur des Nebeneinanders verschiedener Kulturen bzw. sozialer Gruppen bezeichnet.

N

Netiquette

Kunstwort aus „Net“ (engl. Netz) und „Etikette“ und bezeichnet allgemein akzeptierte Spielregeln für die Nutzung von Internet-Ressourcen und den Umgang zwischen Netzbenutzern.

Nonverbal – nonverbale Faktoren

Neben dem Gesagten kommt dem „Nicht-Gesagten“ ein hoher Anteil bei der Bedeutungsübermittlung zu. Der Zeichencharakter nonverbaler Äußerungsformen kann von Kultur zu Kultur unterschiedlich sein. Zu nonverbalen Faktoren zählen z.B. Mimik, Gestik, Proxemik, Blickkontakt, Kleidung. Nonverbale Ausdrucksmomente verleihen den verbalen oft letztlich die gemeinte Bedeutung, z.T. bei deutlicher Modifikation der verbalen Aussage („Das hast du ja wieder prima gemacht“). Nonverbale Elemente der Äußerung werden nicht als Begleitphänomene des Dialogs angesehen, sondern als Kommunikationselemente, die mit den sprachlichen Elementen eng zusammenwirken, um ein „Gesamtereignis“ hervorzubringen. Eine voneinander isolierte Analyse von verbalen und nonverbalen Elementen wird zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Beide Momente der Kommunikation sind zwar gleichberechtigt in ihrer Funktion, jedoch anteilsmäßig unterschiedlich: Ihr Einsatz und ihre Wechselwirkung können im Kommunikationsakt unterschiedlich ausfallen. So denke man an politische Reden, die sehr stark von nonverbalen Elementen leben. Dies kann nur durch konventionalisierte Zeichen entstehen, die im kulturellen Vergleich unterschiedlich sein können.

Weiterführend: Müller-Jacquier, Bernd: Interkulturelle Kommunikation und Fremdsprachendidaktik. Studienbrief Kulturwissenschaft. (Studienbrief- und Materialienreihe: Fremdsprachen in Grund- und Hauptschulen), Universität Koblenz-Landau, Abt. Landau, 1999, S. 55-96 (nicht veröffentlicht).

Norm

„Normen sind […] sind verbindliche Forderungen eines bestimmten Verhaltens in spezifischen Situationen. Während Werte den Charakter innerer Orientierungspunkte haben, haben Normen den Charakter sozialer Konventionen“ (vgl. Stüdlein, Yvonne 1997, 27). „Ein Wert ist eine Auffassung von Wünschenswertem, die explizit oder implizit für einen Einzelnen oder für eine Gruppe kennzeichnend ist und welche die Auswahl der zugänglichen Weisen, Mittel und Ziele des Handelns beeinflusst“ (vgl. Kluckhohn 1961, 395). Werte können bewusst oder unbewusst sein und sind generelle, dauerhafte Überzeugungen über das, was richtig / falsch, normal / anormal, etc. ist, und welcher Zustand oder welche Handlung anzustreben ist. (Vgl. Köppel, Petra: Kulturerfassungsansätze und ihre Integration in interkulturelle Trainings. Norderstedt, Fokus Kultur (Reihe Fokus Kultur, Bd. 2), 2002, S. 24f.)

O

Oberflächen- / Tiefenstrukturen

Kulturen verfügen über eine sog. Oberflächenstruktur, die wahrnehmbar ist, wie etwa Gebäude, Riten oder auch die Sprache (Percepta). Die Tiefenstruktur liefert das Konzept, die in dieser Kultur bekannten Bedeutungen und Interpretationen des Wahrnehmbaren (Wertesystem/Concepta).

siehe auch Eisbergmodell

Organisation / Organisationskulturen

Eine Organisation wird zur Erreichung eines bestimmten Ziels von einer oder mehreren Personen gegründet. Im speziellen Fall der Unternehmen ist dieses Ziel die Gewinnerzielung, wofür von den jeweiligen Gründern bestimmte Strukturen und Strategien (also ein formales System) entwickelt werden. Da weitere Person an der Unternehmung direkt oder indirekt beteiligt sind, die z.T. ganz andere Ziele als die Gründer verfolgen, wird zusätzlich ein informelles System geschaffen, das dem ersterem zuweilen widerspricht. Diese beiden Elemente konstituieren die Organisationskultur, die sich, so Schein (1985), in die drei Ebenen Basisannahmen, Werte/Normen und Artefakte untergliedern.

Aufgrund der Vielzahl wissenschaftlicher Disziplinen und theoretischen Positionen existiert innerhalb der Organisationskulturforschung kein allgemeingültiges bzw. verbindliches Organisationskulturkonzept. Grundsätzlich können jedoch sämtliche Kulturkonzepte in zwei Kategorien eingeteilt werden, die dem analytischen und interpretativen Forschungsansatz entsprechen. Einerseits wird Organisationskultur definiert als Muster von Werturteilen, Denkhaltungen und Verhaltensannahmen, die von führenden Personen in den Unternehmen entwickelt wurden, sich bewährt haben und deshalb alle neuen Mitglieder einer Unternehmung entsprechend sozialisiert werden sollen. Eine solche Sichtweise geht davon aus, dass eine Organisation eine Kultur hat und dass Organisationskultur eine Variable neben vielen anderen darstellt, die vom Management als Instrument zur Effizienzsteigerung genutzt werden (können). Organisationskultur in diesem Sinne ist ein wahrnehmbares Objekt, das mit  quantitativen Methoden ‚gemessen’ werden kann.

Demgegenüber steht das subjektivistisch-interpretative Kulturkonzept, an das in erster Linie Ethnologen anknüpfen. Organisationskultur wird hier als „root metaphor“ betrachtet und sehr weit definiert als „ein implizites Phänomen; in ihm bündeln sich die Denkfiguren, Hintergrundüberzeugungen, Wertvorstellungen, Handlungsmuster usw., die sich im Laufe der Zeit im Umgang mit Problemen aus der Umwelt und der internen Koordination herausgebildet haben und bewusst oder unbewusst kultiviert und weitergegeben werden“ (Schreyögg 1999, S. 380). Hinter diesem Konzept steht die Auffassung, dass die Organisation eine Kultur sei. Dabei wird herausgestellt, dass eine Organisationskultur ein soziales Konstrukt darstellt, das durch die Interaktion seiner Teilnehmer immer wieder neu hervorgebracht und durch Einflüsse aus der Umwelt geprägt wird. Somit entzieht es sich der direkten Erfassung und Messung. Nur durch die Einnahme der Perspektive der an der Organisation Beteiligten kann Organisationskultur in ihrer Struktur und Funktion verstanden werden. (Vgl.: Köppel, Petra: Kulturerfassungsansätze und ihre Integration in interkulturelle Trainings. Norderstedt, Fokus Kultur (Reihe Fokus Kultur, Bd. 2), 2002, S. 34f.)

Ö

Ökologischer Fehlschluss

siehe Fehlschluss

P

Paraverbal – paraverbale Faktoren

Paraverbale Faktoren umfassen sprachliche Komponenten wie Lautstärke, Intonation, Tonhöhe und -modulation (Sprechmelodie), Pausen, Sprechrhythmus, Sprechtempo. Diese Komponenten können in faco-to-face Situationen folgende Befindlichkeiten zum Ausdruck bringen: Un-/Freundlichkeit, Un-/Bestimmtheit, Unsicherheit/Überzeugungskraft, Trauer/Glück, Männlichkeit/Weiblichkeit usw.

Interaktionspartner sind oft dazu geneigt, paraverbalen Faktoren psychologische Attribute zuzuschreiben, obwohl dies – vor allem in interkulturellen Situationen – zu Verzerrungen führen kann. So z.B.:

Spanier: hohe Lautstärke (aus französischer Sicht: unhöflich, dominant, schlechte Manieren)

Im Französischen meistens am Ende einer Äußerung Hebung der Stimmlage (aus deutscher Sicht: eher „weiblich“, setzt bei Männern ggf. Glaubwürdigkeit/Ernsthaftigkeit herab)

Längere Pausen werden in Deutschland als Unsicherheit interpretiert; werden als peinlich empfunden; werden vermieden. (aus französischer Sicht eher „retardierendes Moment“)

Paraverbale Phänomene sind keine Einzelkomponenten des sprachlichen Handelns, sondern sie sind miteinander verbunden und erzielen eine Gesamtwirkung beim Co-Sprecher: An der Lautstärke wird die Schallintensität festgemacht. Eine leicht über dem Durchschnitt liegende Lautstärke wird in Europa positiv gewertet und mit Attributen wie Durchsetzungsvermögen, Willenskraft, Überzeugung u. ä. verbunden (v.a. für männliche Gesellschaftsmitglieder). Im asiatischen Kulturkreis hingegen sind die Mächtigsten diejenigen, die nach westlichen Normen die unauffälligsten Redebeiträge äußern (leise, ohne Akzentuierung und Tonhöhenmodulierung).

Sprechmelodie: Die Sprechmelodie ist stimmlich in dem Bereich anzusiedeln, der sich für eine bestimmte Sprache oder Sprechergruppe durchschnittlich zwischen der höchsten und niedrigsten Frequenz bewegt. Sowohl im Französischen als auch im Englischen sind größere Tonhöhenmodulationen festzustellen als im Deutschen. (besonders bei „emotionaler Rede“).
Tonhöhe: Unterschiede in der Modulation der Tonhöhe werden oft nicht auf die Ausgangssprache zurückgeführt, sondern auf die besondere individuelle oder situative Einstellung oder auf das thematische und situative Engagement einer Person.
Pausen: Die Art und Weise, wie Menschen in Interaktion ihre Pausen gestalten, zeigt, wie sie ihre Sprechinteraktion strukturieren. In einigen sprachlichen Regelsystemen streben die Sprecher nach einem Überbrücken von Pausen. In anderen sprachlichen Regelsystemen werden Pausen als gemeinsam geteiltes Phänomen angesehen (bspw. in asiatischen Kulturen). In Interaktionen werden Pausen dann relevant, wenn sie redezugintern (im Finnischen) oder alternativ als Redeübergabezeichen gelten.

Weiterführend:
Müller-Jacquier, Bernd: Interkulturelle Kommunikation und Fremdsprachendidaktik. Studienbrief Kulturwissenschaft. (Studienbrief- und Materialienreihe: Fremdsprachen in Grund- und Hauptschulen), Universität Koblenz-Landau, Abt. Landau, 1999, S. 55-96 (nicht veröffentlicht). Und: Müller-Jacquier, Bernd: “Linguistic Awareness of Cultures. Grundlagen eines Trainingsmoduls“. In: Bolten, Jürgen (Hg.): Studien zur internationalen Unternehmenskommunikation. Mit Häufigkeitsvariablen des deutschen Unternehmenswortschatzes. Waldsteinberg, Heidrun Popp, 2000, S. 20-39.

Partizipativ – hierarchisch

Es existiert keine Institution, in der alle Mitarbeiter die gleichen Entscheidungsbefugnisse und Verantwortlichkeiten haben. Somit stellt sich das Problem der ungleichen Verteilung von Macht, das in jeder Gesellschaft oder organisatorischen Einheit bewältigt werden muss. Seine Bewältigung bzw. der  Umgang mit Ungleichheit – das heißt das Einsetzen, Rechtfertigen und Erreichen von Macht – kann sich in verschiedenen Kulturen und Gesellschaften unterschiedlich ausprägen. Vor diesem Hintergrund kann unterschieden werden zwischen hierarchisch und partizipativen Organisationskulturen bzw. Kulturen.

In einigen Kulturen sind klare Hierarchien mit bestimmten Rollen verbreitet, auf die Macht und Einfluss ungleich verteilt sind. Oft werden hier Machtpositionen von Personen aus höheren Schichten eingenommen. In solchen hierarchieorientierten Gesellschaften wird Macht und Autorität oftmals nichthinterfragend akzeptiert und als normal in Bezug auf eine bestimmte Position oder hinsichtlich eines erworbenen Titels hingenommen. 

In anderen Kulturen können Hierarchien flacher und Machtunterschiede weniger ersichtlich sein. Hier haben auch Menschen, die hierarchisch niedriger eingestuft sind, je nach Fachkompetenz die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen und an Entscheidungsprozessen aktiv mitzuwirken. Es sind individuelle Leistungen sowie der persönliche Einsatz, die Macht und Einfluss in diesen Zusammenhängen rechtfertigen.

In einer Untersuchung des niederländischen Anthropologen Geert Hofstede (vgl. Hofstede, Geert: Lokales Denken, globales Handeln. München, Beck, 1997, S. 25f.) wurden verschiedene Länder hinsichtlich des Umgangs mit Macht und Einfluss klassifiziert und in eine Rangfolge gebracht. Hofstede ermittelte für jedes Land einen Index, welcher die Machtdistanz des jeweiligen Landes abbildet. Machtdistanz bezeichnet bei ihm: Das Ausmaß, bis zu welchem die weniger mächtigen Mitglieder einer Institution bzw. Organisation eines Landes erwarten und akzeptieren, dass Macht ungleich verteilt ist.

Percepta

siehe Eisbergmodell und Oberflächen- / Tiefenstrukturen

Persönlichkeit

„Als Persönlichkeit wird das spezifische Gefüge von Merkmalen, Eigenschaften, Einstellungen und Handlungskompetenzen bezeichnet, das einen einzelnen Menschen kennzeichnet. Entstanden ist dieses organisierte Gefüge auf der biologischen Lebensgrundlage des Menschen durch die Erfahrungen, die der Einzelne im Laufe seiner Lebensgeschichte gemacht hat.“ (Hurrelmann, Klaus: Einführung in die Sozialisationstheorie. Weinheim, Basel, 1986, S. 14. Zitiert in: Popp, U./Tillmann, K.-J.: Sozialisation – Eine Einführung. FernUniversität, Hagen, 1996, hier S. 24.)

Polychron – monochron

In einigen Kulturen wird Zeit als ein wertvolles Gut betrachtet, das nicht verschwendet werden darf. Dementsprechend wird hier die Strukturierung von Zeit und Pünktlichkeit sehr hoch bewertet („Zeit ist Geld“). Menschen solcher Kulturen bevorzugen eine sequentielle Aufgabenerledigung („Eins nach dem anderen“). Verspätungen und nicht eingehaltene Fristen werden schell negativ bewertet. Diese Form des Umgangs mit Zeit wird als monochrone Zeitorientierung bezeichnet.

In anderen Kulturen neigen Menschen dazu, Zeit als ein ausreichend verfügbares Gut zu betrachten. Pünktlichkeit genießt hier einen relativen Stellenwert und Menschen bzw. Mitarbeiter stören sich nicht daran, gleichzeitig in verschiedene Aktivitäten eingebunden zu sein. Dementsprechend sind sog. polychron orientierte Menschen sehr flexibel bei der Verwaltung ihrer Zeit.

Weiterführend: Hall, Edward T.: La danse de la vie. Temps culturel, temps vécu. Paris, Seuil, 1984.

Polyzentrismus

Polyzentrismus bezeichnet den Versuch, interkulturelle Handlungszusammenhänge nicht vor dem Hintergrund der eigenkulturellen Erfahrungen zu interpretieren; Anerkennen der Eigenständigkeit anderer Kulturen; Bereitschaft, kulturspezifische Wertungen zu relativieren. Antonym zu Ethnozentrismus.

Praktiken

siehe Zwiebelmodell

R

Regelorientierung – Kontextorientierung

In der Arbeitswelt muss auf verschiedene Situationen mit Regelungen und Vereinbarungen reagiert werden, um das Risiko des Unvorhergesehenen beherrschen zu können. Andererseits müssen Unternehmen flexibel und anpassungsfähig bleiben, um in unvorhergesehenen Situationen angemessen reagieren zu können. Wie auf diese Herausforderungen in der Arbeitswelt und darüber hinaus reagiert wird, ist tendenziell abhängig von gemeinschaftlichen  Konventionen und kulturellen Prägungen.

In einigen Kulturen wird versucht, klare Regeln aufzustellen und Verantwortung bzw. klar definierte Aufgabenbereiche abzustecken, um sich „im Schutz einer sicheren Mauer von Vereinbarungen und Regeln in Sicherheit vor Unvorhergesehenem zu wiegen“. In anderen Kulturen hingegen wird ein Korsett von formalisierten Arbeitsabläufen eher als einschränkend und hinderlich empfunden. Unvorhersehbare Situationen werden hier nicht als bedrohlich, sondern eher als Anreiz zur Entfaltung spontaner Kreativität betrachtet. Die Orientierung an der jeweiligen Aufgabe – also nicht an formalisierten Regeln – zur Bewältigung derselben – wird hier als motivierende Herausforderung wahrgenommen.

Unvorhersehbare Situationen erreichen uns oftmals plötzlich und wir müssen schnell reagieren. Es ist spannend zu beobachten, ob das schnelle und angemessene Reagieren in der jeweiligen Situation gelingt. Spannend bedeutet aber auch Unsicherheit. Das heißt: Es schwingt jedes Mal Unsicherheit mit, wenn man plötzlich mit einer unvorhergesehenen Situation konfrontiert wird, die es zu bewältigen gilt. Deshalb sind wir bestrebt, unvorhergesehene Situationen mit Hilfe von Reglementierungen bereits im Vorfeld zu strukturieren, um „drohende“ Unsicherheit zu reduzieren. Unsicherheit soll i.d.R. vermieden werden. Der niederländische Anthropologe Geert Hofstede hat diese Zusammenhänge im Rahmen einer Untersuchung in über 100 Ländern aufgedeckt und die sog.  Unsicherheitsvermeidung ‚gemessen’. Unsicherheitsvermeidung definiert er als: Grad, in dem sich die Mitglieder einer Kultur durch ungewisse oder unbekannte Situationen bedroht fühlen.

Vgl. weiterführend Hofstede, Geert: Lokales Denken, globales Handeln. München, Beck, 1997, S. 71f.

Register – Registereinflussfaktoren

Das Register stellt eine komplizierte Kategorie in der Interaktion in fremdkulturellen Situationen dar. Mit Register sind funktionale Sprachvarianten gemeint, also Formulierungsalternativen, die Interaktionspartner in Abhängigkeit zu folgenden Aspekte verwenden:

Register-Einflussfaktoren: Situation (ritualisiert/informell), Alter der Anwesenden, Status des Gegenübers, Machtposition des Gegenübers, Geschlecht der Anwesenden, gewählten Register-/Sprachebene der Co-Participants (formell – informell)

Anhand dieser sechs Registermerkmale bemühen sich i.d.R. alle Beteiligten, Äußerungen zu formulieren, um durch die Registerwahl eine angemessene Situation zu konstituieren, Beziehungen zu definieren und zu bestätigen. Situativ können einzelne Faktoren die Wahl eines bestimmten Registers stärker determinieren als andere; dies ist kulturell ritualisiert. In Deutschland haben bspw. Alter und Geschlecht, so Müller-Jacquier, einen geringen Einfluss auf die Wahl des Registers.

Weiterführend:
Müller-Jacquier, Bernd: Interkulturelle Kommunikation und Fremdsprachendidaktik. Studienbrief Kulturwissenschaft. (Studienbrief- und Materialienreihe: Fremdsprachen in Grund- und Hauptschulen), Universität Koblenz-Landau, Abt. Landau, 1999, S. 55-96 (nicht veröffentlicht). Und: Müller-Jacquier, Bernd: “Linguistic Awareness of Cultures. Grundlagen eines Trainingsmoduls“. In: Bolten, Jürgen (Hg.): Studien zur internationalen Unternehmenskommunikation. Mit Häufigkeitsvariablen des deutschen Unternehmenswortschatzes. Waldsteinberg, Heidrun Popp, 2000, S. 20-39.

Ritual

Rituale sind kollektive Tätigkeiten, die zur Erreichung eines Ziels kaum von Bedeutung sind, jedoch als sozial notwendig gelten.

Rollenspiel

siehe Simulation

Rollenübernahmefähigkeit

siehe Empathie

S

Sachorientiert

siehe aufgabenorientiert

Schema

Kognitive Struktur, die Wahrnehmungen bzw. Wissen organisiert. Vermutlich sind Schemata als Cluster organisiert. Man kann dies am Beispiel von Assoziationsketten verdeutlichen: Z.B. werden Assoziationen zum Begriff „Einsamkeit“ kulturell sehr unterschiedlich ausfallen und auch zu sehr unterschiedlichen Assoziationsnetzwerken weiterleiten. Je differenzierter derartige Schemata ausgeprägt sind, desto geringer ist die Gefahr einer stereotypengeprägten Weltsicht.

siehe auch Deutungsmuster

Selbsttest

Bei Trainingstechniken zur Selbsteinschätzung wird das Bewusstsein des Teilnehmers hinsichtlich der eigenen Person, der Wirkung auf andere Personen und möglicher Sichtweisen anderer Menschen (in kulturellen Überschneidungssituationen) geschärft. Die Teilnehmer lernen, persönliche Einstellung, Kommunikations- und Verhaltensweisen bewusst wahrzunehmen und kritisch zu würdigen. Als hierfür geeignet erweisen sich Fragebögen (Checklisten / Selbsttests), die Themen wie Ambiguitätstoleranz, (nonverbale) Kommunikationsfähigkeit, Stereotypisierung oder Rollenübernahmefähigkeit u.v.m. behandeln. Selbsttests sollen persönliche Präferenzen hinsichtlich bestimmter Themen zum Vorschein bringen. Beispielsweise kann die persönliche Einstellung hinsichtlich hierarchisch höher eingestufter Personen bzw. der Umgang und die Akzeptanz von Macht ermittelt werden. Hierfür bieten sich Items an, die konträre Aussagen hinsichtlich eines Aspektes repräsentieren. Der Teilnehmer ordnet den Items jeweils Punkte zu, die nach der Bearbeitung aller Aspekte eines Themas addiert werden und eine tendenzielle Orientierung ergeben.

Selektive Wahrnehmung

Gmäeß eneir Sutide eneir elgnihcesn Uvinisterät, ist es nchit witihcg in
wlecehr Rneflogheie die Bstachuebn in eneim Wrot snid, das ezniige was
wcthiig ist, ist daß der estre und der leztte Bstabchue an der ritihcegn
Pstoiion snid. Der Rset knan ein ttoaelr Bsinöldn sien, tedztorm knan
man ihn onhe Pemoblre lseen. Das ist so, wiel wir nciht jeedn Bstachuebn
enzelin leesn, snderon das Wrot als gseatems.

Sender

siehe Kommunikation

Simulation

Simulationen sind interaktive Trainingstechniken, die Teilnehmer dazu veranlassen, Situationen bzw. Interaktionen nachzustellen und kulturelle Spezifika verschiedener Kulturkreise zu thematisieren. Simulationen sind zumeist so konzipiert, dass typische Kulturstandards verschiedener Kulturen aufeinandertreffen und die Teilnehmer somit in Konfliktsituationen geraten.

Ebenso erweisen sich fiktive Kulturstandards als sehr hilfreich, um Bewusstwerdungsprozesse zu aktivieren. Ein Beispiel für eine solche kulturunspezifische Simulation stellt die beliebte Übung Bafa Bafa dar (vgl. Pusch, Margaret: Multicultural Education. A cross cultural training approach. La Grange Park, 1979, S. 175. und Wirth, E.: Mitarbeiter im Auslandseinsatz. Planung und Gestaltung. Wiesbaden 1992, S. 184.) Zielsetzung dieser Simulation ist die Schärfung des Bewusstseins für kulturelle Identität und damit verbunden die Sensibilisierung für zentrale Aspekte interkultureller Situationen. Spielerisch erfahren die Teilnehmer den „Kulturschock“, der entsteht, wenn allen Bemühungen zum Trotz die kulturellen Handlungsmuster des Gegenübers kognitiv nicht adäquat erfasst werden können. Die Stärke von „Bafa Bafa“ besteht darin, dass die Teilnehmer den Kontakt mit dem Fremden (in simulierter Form) erfahren.

Simulationen im ursprünglichen Sinne unterscheiden sich von Rollenspielen hinsichtlich des  Grads der Komplexität, der Anzahl der Teilnehmer sowie durch die Dauer der durchzuführenden Simulation. Für Simulationen werden i.d.R. 1-4 Stunden vorgesehen, in denen sich mehrere Teilnehmer als Mitglieder eines (kulturellen) Systems begreifen (entsprechend den schriftlich gereichten Instruktionen), um gemeinsam einen Prozess mit Zielorientierung unter Einhaltung der Vorgaben zu simulieren. Für die Auswertungs- bzw. Analysephase sollte mindestens der gleiche Zeitraum wie für die Simulation selbst anberaumt werden. Denn hier werden Interaktionsdynamiken unter Berücksichtigung von Kommunikationsprozessen, Kontextvariablen und spezifischen Handlungsmustern herausgearbeitet, die in einem weiteren Schritt auf reale kulturelle Überschneidungssituationen projiziert werden. Simulationen bedürfen seitens des Trainers eine sorgfältige Vorbereitung. Ähnlich wie bei Rollenspielen liegt auch hier der Schwerpunkt auf der Analysephase, in der in Abhängigkeit von Teilnehmern und Trainer verschiedenste Aspekte interkultureller Kompetenz expliziert werden können, was idealerweise mit dem Erreichen der Richtziele interkultureller Trainings auf den drei Ebenen interkultureller Kompetenz verbunden ist. 

Eine beliebte und häufig angewandte Übung ist „Markhall“ (Vgl. Fowler, M. Sandra / Mumford, G. Monica: Intercultural Sourcebook: Cross-Cultural Training Methods. Yarmouth, Intercultural Press, Inc, 1995, S. 109f.). Diese Simulation wurde ursprünglich 1983 als Übung im Rahmen eines Re-Integrationstraining konzipiert. Inzwischen erfuhr sie eine Vielzahl von Modifikationen. Die Zielsetzung blieb aber erhalten: Die Teilnehmer erfahren die Wirkung unterschiedlicher Organisations- und Managementkulturen, die anhand kulturspezifischer Standards je nach Zielkultur variabel ausgerichtet werden.

Soziale Bedeutung

Soziale Bedeutung bringt aus kognitionspsychologischer Sicht zum Ausdruck, dass mit Wörtern konventionalisierte soziale Repräsentationen verbunden sind, die der Sprecher transportiert bzw. beim Gegenüber evoziert. Solche Vorstellungsmuster werden als Begriffe bezeichnet und sind kulturspezifisch geprägt. Interagierende in interkulturellen Kommunikationssituationen müssen daher versuchen – besonders beim Lingua franca-Gebrauch – mögliche kognitiv-emotionale Repräsentationen von Worten / Lexik zu beachten und diese ggf. aus den Äußerungen der Interaktionspartner erschließen (kontextualisieren).

Weiterführend:
Müller-Jacquier, Bernd: Interkulturelle Kommunikation und Fremdsprachendidaktik. Studienbrief Kulturwissenschaft. (Studienbrief- und Materialienreihe: Fremdsprachen in Grund- und Hauptschulen), Universität Koblenz-Landau, Abt. Landau, 1999, S. 55-96 (nicht veröffentlicht). Und: Müller-Jacquier, Bernd: “Linguistic Awareness of Cultures. Grundlagen eines Trainingsmoduls“. In: Bolten, Jürgen (Hg.): Studien zur internationalen Unternehmenskommunikation. Mit Häufigkeitsvariablen des deutschen Unternehmenswortschatzes. Waldsteinberg, Heidrun Popp, 2000, S. 20-39.

Sozialisation

Sozialisation bezeichnet die Gesamtheit der Prozesse, durch die ein Mensch Teil einer Gesellschaft wird und deren Kultur mitträgt und mitbestimmt. Die Sozialisation eines Menschen kann einmal durch absichtliche Einwirkungen (wie z.B. Erziehung oder Bildung) unterstützt werden. Zum anderen finden Sozialisationsprozesse durch das gemeinsame Leben in der Gesellschaft statt. Der Einzelne ‚lernt’, welches Verhalten erfolgreich oder erwünscht ist und welches nicht. Die Normen und Werte einer Gesellschaft können vom Individuum so verinnerlicht (internalisiert) werden, dass es immer noch seine Persönlichkeit beibehält und als aktives Mitglied die Gesellschaft mitprägt. (vgl.: http://www.sociologicus.de [Stand: 28.05.02].)

Die Sozialisationsfunktionen von Schule sind […] vor allem darin zu sehen, der heranwachsenden Generationen diejenigen Werthaltungen, Gefühlsdispositionen und Verhaltensbereitschaften zu vermitteln, die jeweils von Berufswesen und Gesellschaft erwartet werden. (Pekrun, Reinhard: „Schule als Sozialisationsinstanz“. In: Schneewind, Klaus, A. (Hg.): Psychologie der Erziehung und Sozialisation. (Enzyklopädie der Psychologie, Bd. 1), Göttingen, Hogrefe, 1994, S. 465-485, hier S. 467)

Im Gegensatz zur Enkulturation, die Traditionen, Werte und Normen in den Blick rückt, stehen bei der Sozialisation die Interaktionsprozesse mit der sozialen Umwelt im Vordergrund. Enkulturation meint daher eher den Gegenstand der Verinnerlichung, also die grundlegenden Elemente von Kultur. Sozialisation hingegen bezeichnet die Prozesse selbst, in deren Rahmen das Individuum vergesellschaftlicht wird. Demzufolge benennt Sozialisation die formale Interaktion der Individuen in einem gesellschaftlichen System und Enkulturation die Kulturmuster, die diese Interaktion inhaltlich mitprägt. Beide Begriffe zeichnen sich durch semantische Nähe zueinander aus, wobei der eine vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Systems und der andere vor dem Hintergrund des kulturellen Systems zum Tragen kommt (Vgl.: Mintzel, Alf: „Kultur und Gesellschaft. Der Kulturbegriff der Soziologie“. In: Hansen, Klaus P. (Hg.): Kulturbegriff und Methode. Tübingen, Günther Narr, 1993, S. 171-199, hier S. 192.)

Sozialisatorisches Umfeld

In Bezug auf Kulturerwerb ist die Schnittmenge an gemeinsamen Erfahrungen von Bedeutung, die durch interaktive Austauschprozesse zwischen Individuum und gesellschaftlicher Umwelt erworben wird. Geulen und Hurrelmann (1989) operationalisieren dieses komplexe gesellschaftliche Sozialisationsfeld mit dem Strukturmodell der Sozialisationsbedingungen. Sie untergliedern das sozialisatorische Umfeld in vier Ebenen, die miteinander verknüpft sind und sich gegenseitig beeinflussen: Ebene der Gesamtgesellschaft, Ebene der Institutionen, Ebene der Interaktion und Tätigkeiten, Ebene des Individuums.

Weiterführend:
Tillmann, Klaus-Jürgen: Einführung in die Sozialisationstheorie – Über den Zusammenhang von Sozialstruktur und Persönlichkeit. Weinheim / Basel, Beltz, 1989, S. 17.

Stadien interkulturellen Lernens

Das Erreichen der Zielsetzung interkulturellen Lernens – „über die Fähigkeit zur konstruktiven Anpassung, zum sachgerechten Entscheiden und zum effektiven Handeln unter fremdkulturellen Bedingungen in kulturellen Überschneidungssituationen zu verfügen“ –,  realisiert sich laut Milton Bennett erst nach dem Durchlaufen vorangegangener Entwicklungsstadien. Er führt sechs Entwicklungsstufen zum sukzessiven Erwerb interkultureller Kompetenz in den Blick, die sich in ein ethnozentristisches Stadium (Stufe 1-3) und ein ethnorelatives Stadium (Stufe 4-6) untergliedern:

1 - Denial: Über dieses Niveau interkultureller Kompetenz verfügen im Allgemeinen Personen, die noch keinen bzw. kaum Kontakt mit fremden Kulturen aufweisen können. Sie leugnen kulturelle Unterschiede, da ihnen die Vorstellung über divergierende Wertesysteme und Kulturstandards fehlt. Folglich wird das eigene Wertesystem zur Interpretation fremdkultureller Phänomene zu Grunde gelegt.

2 - Defense: Auf dieser Stufe interkultureller Kompetenz wird Andersartigkeit erkannt. Mit dem Fremden wird sich aber in der Weise auseinandergesetzt, dass Abwehrstrategien entwickelt werden, da das Fremde hier als Bedrohung wahrgenommen wird.

3- Minimization: In diesem Stadium interkultureller Kompetenz werden kulturelle Unterschiede bagatellisiert. D.h., man geht der Annahme nach, dass kulturelle Unterschiede so geringfügig sind, dass sie vernachlässigt werden können.

4 - Acceptance: Hier werden kulturelle Unterschiede zur Kenntnis genommen und akzeptiert. Aber die Teilnehmer verfügen (noch) nicht über die Fähigkeit, im fremdkulturellen Handeln funktionale Äquivalente zu erkennen.

5 - Adaptation: Auf dieser Stufe interkultureller Kompetenz werden bereits erste Änderungen der eigenen Kommunikations- und Verhaltensweisen unter Fortbestehen der eigenen Identität vorgenommen. An dieser Stelle kommt die Fähigkeit zum Perspektivwechsel zum Tragen.

6 - Integration: Auf dieser höchsten Stufe interkultureller Kompetenz ist der Teilnehmer in der Lage, eigene kulturelle Prägungen zu reflektieren, in Frage zu stellen sowie Potentiale im Spannungsfeld kultureller Unterschiede zu erkennen und synergetisch nutzbar zu machen.

Weiterführend:
Bennett, Milton: A developmental approach to training for intercultural sensivity. In: International Journal for Intercultural Relations, Nr. 10, 1986, S. 184f. Und: Thomas/Hagemann: Training interkultureller Kompetenz. In: Interkulturelles Management. Heidelberg, Physica-Verlag, 1996, S. 174.

Standardisierte Werbung

Werden Werbemittel in mehreren Ländern eingesetzt, so wird unterschieden in differenzierte und standardisierte Werbung. Differenzierte Werbung für ein Produkt bezeichnet nationale Unterschiede in Text und Bild; standardisierte Werbung unterscheidet sich im Ländervergleich i.d.R. lediglich hinsichtlich der verwendeten Sprache.

Stereotype

Führt man sich die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Stereotyp vor Augen, so wird einem schnell bewusst, dass Stereotype mit Vorsicht zu begegnen ist. Denn ursprünglich stand der Stereotyp bei Druckereierzeugnissen für starr miteinander verbundene Buchstaben und Druckzeilen. Starr – also schematisch – bedeutet aber nicht, dass Stereotype im kognitiven Sinne nicht wandlungsfähig sind. Stereotype können wir folgt definiert werden:
 
Stereotype sind Schemata, mit denen wahrgenommene Eindrücke, Bilder etc. eingeordnet und kategorisiert werden.

Stereotype sind eingebürgerte Vorurteile innerhalb einer Gruppe (Fremdwörterbuch Duden 1993).

Stereotype sind vorgefasste Meinungen über eine bestimmte Gruppe oder Schicht (Wahrig 1997).

Die beiden letztgenannten Definitionen ergänzen sich. Denn einerseits wird die Gruppe erwähnt, in der ein „(Vor-) Urteil“ existiert und andererseits wird die Gruppe zur Sprache gebracht, von der eine „Meinung“ existiert. Dementsprechend können Stereotypen nur im Verhältnis zwischen zwei Gruppen entstehen. Wenn Personen feststellen, dass sich Menschen einer bestimmten Gruppe nicht entsprechend ihrer Erwartungen idealtypisch verhalten, dann sind diese Personen oftmals erstaunt, denn ihre vorgefertigten Bilder werden dann in Frage gestellt. Demzufolge sind Stereotype nicht exakt. Stereotype bilden eine vereinfachte Wirklichkeit ab und geben somit die Realität verzerrt wieder.

Stereotype beruhen auf Wahrnehmungen und Erfahrungen. Diesbezüglich wird unterschieden zwischen privaten und öffentlichen Stereotypen. Das heißt, zwischen Stereotypen, die aufgrund von eigenen Erfahrungen und Wahrnehmungen wie zum Beispiel im Urlaub oder bei der Arbeit entstanden sind und Stereotypen, die über Dritte – „also aus zweiter Hand“ – an uns herangetragen werden. Das können Erzählungen von Freunden oder Bekannten aber auch vor allem Bilder vom „Anderen“ sein, die wir täglich über die Medien wahrnehmen. Solche werden beispielsweise in der Werbung eingesetzt, um einem Produkt bestimmte „Eigenschaften“ zu verleihen. So werden Stereotype vom „Franzosen“ aufgegriffen, um Zigaretten, Käse oder gar Bier den Beigeschmack von Erotik oder Lebensfreude anzuheften. Der deutsche Stereotyp ist oft in der Werbung vorzufinden, wenn die Solidität, Qualität oder Ernsthaftigkeit eines Produkts unterstrichen werden soll. Ebenso finden sich Stereotypen in Form von Karikaturen und Artikeln in Tages- und Wochenzeitungen wieder. Das hat seinen Grund: Journalisten greifen häufig auf vereinfachte Modelle von Realität zurück, um die Komplexität des Geschehens so aufzubereiten, damit sie für den Leser leicht verständlich wird.

Vereinfachungen, wie sie beispielsweise von Journalisten absichtlich vorgenommen werden, werden eingesetzt, um Komplexität zu reduzieren, damit sie für unseren Denkapparat leichter zu verarbeiten ist. Auch Stereotype, die Realität und Komplexität vereinfachen, haben durchaus eine positive Funktion: Sie ermöglichen eine Orientierung in für uns unüberschaubaren Feldern. Somit dienen sie dazu, unbekannte und unvertraute Informationen unserem Denkapparat problemlos zugänglich zu machen und auch in komplexen Situationen Handlungsfähigkeit zu ermöglichen.

Verfügen die an einer interkulturellen Überschneidungssituation beteiligten Personen über wenige Erfahrungen im Umgang mit dem Gegenüber, so werden die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen dem „Ich“ und dem „Anderen“ oft überbetont. In diesem Moment kommt es zu einer verzerrten Wahrnehmung. Der Prozess des Überbetonens verläuft nach einem bestimmten Schema: die positiven Eigenschaften der eigenen Person/Gruppe werden immer positiver als die des Gegenübers gewertet. Negative Eigenschaften hingegen werden beim Gegenüber/Anderen stärker gewertet. Folglich kann Stereotypisierung ein weiterer positiver Aspekt zugeschrieben werden: Stereotypen sind Garanten für unsere Selbstachtung. Das heißt, sie sind als Schutzmechanismen für unseren Selbstwert sowie für unsere Identität zu betrachten.

Treten keine Probleme und Konflikte in der interkulturellen Zusammenarbeit auf, so stellen Unterschiede i.d.R. kein Problem dar. Zeigen sich Probleme oder unterschiedliche Interessenlagen, dann werden Stereotype schnell eingesetzt, um die eigene Position zu rechtfertigen und die Stärken und Schwächen des Partners vorschnell zu bewerten. Erst eine tiefer gehende Auseinandersetzung sowie die Betrachtung der Situation oder der kulturellen Prägung des Partners helfen, vorherrschende Stereotype zu hinterfragen und sich ein realistisches „Bild“ zu machen. Für die konstruktive Zusammenarbeit ist das Bewusstsein darüber hilfreich, dass sich in Interaktionssituationen, an denen mehrere Kulturen beteiligt sind, auch immer unterschiedliche Stereotype begegnen. Das heißt, auch der Partner bringt Stereotype über uns mit, die sein Handeln und Verhalten beeinflussen.

Weiterführend:
Barmeyer (2000): Mentalitätsunterschiede und Marktchancen im Frankreichgeschäft. Zur interkulturellen Kommunikation im Handwerk. Studie und Handbuch. St. Ingbert: Röhrig.
Krewer Consult GmbH / Kooperationsstelle Hamburg (2000): Management internationaler Projekte. Ein Arbeitsbuch. Saarbrücken/Hamburg, Selbstverlag.
Vis-à-vis: Deutschland-Frankreich; [Begleitbuch zur Ausstellung im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, 4. Juni 1998 bis 20. September 1998]. Köln: DuMont, 1998.
Bausinger (1988): Stereotypie und Wirklichkeit. In: Jahrbuch Deutsch als Fremdsprache 14. Indicium, München, S. 157-170.

Subkultur

Subkultur bezeichnet die Kultur einer „Teilgruppe“, die von einem kulturellen Zusammenhang mehr oder weniger abweicht und sich dabei durch Klassenlage, Schicht, Milieu oder Lebensstil, durch Ethnie oder Religion, durch Alter, Beruf oder Region von der Gesamtgesellschaft differenziert. Unterschieden werden kann zwischen verschiedenen Graden der Abweichung: Modifikationen oder explizite Gegenposition (Gegenbewegungen, Gegenmodernisierungen, neue soziale Bewegungen, etc.). Die Kategorie der „Subkultur“ impliziert ein hierarchisches Verständnis von Kultur, nach welchem bestimmte Subkulturen einer zwangsläufig übergeordneten Kultur untergeordnet sind. Moderne Sichtweisen innerhalb der Kulturwissenschaften distanzieren sich von diesem Verständnis und betrachten soziale Wirklichkeiten als Alltagskulturen, die sich einer Klassifizierung wie etwa nach Subkulturen entziehen.

Symbol

Symbol (lat. symbolum, von griech. Symbolon) bedeutet (Kenn)zeichen, eigentlich Zusammengefügtes, nach den zwischen verschiedenen Personen vereinbarten Erkennungszeichen, die, aus Bruchstücken bestehend, zusammengefügt ein Ganzes ergeben (z.B. Trikolore als Zeichen der Concorde). Ein Symbol ist ein wahrnehmbares Zeichen bzw. Sinnbild (Gegenstand, Handlung, Vorgang), das stellvertretend für etwas nicht Wahrnehmbares, auch Gedachtes bzw. Geglaubtes steht. Das Symbol ist also eine spezifische Art von Zeichen, das seine Bedeutung assoziativ zur Anschauung bringt. Es ist inhaltlich nicht eindeutig zu bestimmen, da es als prinzipiell unendlich interpretierbare Variable in Abhängigkeit vom jeweiligen Kontext mit seinen möglichen Inhalten und seinen möglichen Interpreten steht. Zeichen dienen der Verständigung und sind damit Grundvoraussetzung von Kulturen. (Vgl.: Röseberg, Dorothee: Kulturwissenschaft Frankreich. Klett, Stuttgart, 2001, S. 34.)

Synergiebewusstsein

Nicht an bestehenden Strukturen festhalten, sondern prozessorientiert handeln, Zufälligkeiten zulassen („kreatives Chaos“) und die Entstehung von qualitativ Neuem, das weder für die eine noch für die andere Kultur „typisch“ ist, fördern.

T

Technical Writing

Die Adaptation oder die Übersetzung von Werbeanzeigen wird aus übersetzungswissenschaftlicher Sicht als Technical Writing bezeichnet. „Technical Writing bezieht sich auf die zweck- und adressatengerechte Erstellung von jeder Art von fachbezogenen schriftlichen Texten, gleich welchen Faches“ (vgl. Göpferich/Schmitt 1996:369ff.). Dies beinhaltet auch Informationsträger nonverbaler Art wie z.B. Photographien, Zeichnungen, Diagramme etc. (vgl. Göpferich 1998:1). In vielen Fällen bearbeitet der Technical Writer fachbezogene Texte mit niedrigerem Fachsprachlichkeitsgrad für einen breiteren Adressatenkreis (vgl. Göpferich 1998:1). Von Interkulturellem Technical Writing wird dann gesprochen, wenn auch (Landes-)Sprach- und Kulturbarrieren zu überwinden sind (vgl. Göpferich 1995:150).

In der Praxis ist ein Technischer Redakteur für die Produktion von Texten zuständig, die zur Vermarktung von Produkten dienen. Sein Zuständigkeitsbereich endet jedoch dort, wo werbliche Aspekte über informierenden stehen. Ist dies der Fall, kommen Werbefachleute zum Einsatz. Technische Redakteure, die bei der Produktion von Texten neben Kommunikationsbarrieren auch (Landes-) Sprach- und Kulturbarrieren überwinden müssen, werden an anderer Stelle als Interkulturelle Technische Redakteure bezeichnet (vgl. Göpferich 1998:2-3).

Text

Erweiterter oder weiter Textbegriff: Der weite Begriff von Text umfasst sprachlich verfasste Texte und Texte mit nichtsprachlichen Symbolsystemen (Bilder/Musik). Hinsichtlich des weiten Textbegriffs wird unterschieden zwischen einer extensionalen und intensionalen Bedeutung.

Extensionale Bedeutung: der weite Textbegriff ist eingegrenzt auf Formen der öffentlichen und medial vermittelten Kommunikation, d.h. weder private Textsorten (Privatbriefe) noch Formen der mündlichen Alltagskommunikation werden eingeschlossen. Text beinhaltet also Formen der Kommunikation, die m.H. herkömmlicher Drucktechnik oder auf elektronischem Weg gespeichert sind und in herkömmlichen Printmedien oder in neuen elektronischen Medien öffentlich zirkulieren (bpsw.: traditionelle sprachlich verfasste Zeitungstexte, literarische Texte, Werbeanzeigen, Plakate, Karikaturen, Lieder).

Intensionale Bedeutung: Text bezeichnet hier keine begrenzte Folge von sprachlichen Zeichen, die in sich kohärent ist und als Ganzes eine erkennbare kommunikative Funktion signalisiert, sondern unter Einbezug kognitionswissenschaftlicher und konstruktivistischer Theorieansätze wird Text hier verstanden als Ausgangs- und Endpunkt komplexer und konstruktiver Prozesse auf Seiten des Textproduzenten und -rezipienten.

Weiterführend: Altmayer, Claus: Kulturelle Deutungsmuster in Texten. Prinzipien und Verfahren einer kulturwissenschaftlichen Textanalyse im Fach Deutsch als Fremdsprache. In: Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht. Jg. 6 (3), 2002.

Third culture

Siehe Interkulturalität

Tiefenstruktur/Oberflächenstruktur

Kulturen verfügen über eine sog. Oberflächenstruktur, die wahrnehmbar ist, wie etwa Gebäude, Riten oder auch die Sprache (Percepta). Die Tiefenstruktur liefert das Konzept bzw.  die in dieser Kultur bekannten Bedeutungen und Interpretationen des Wahrnehmbaren (Wertesystem/Concepta).

Toleranz

Verknüpft mit Empathie: Toleranz besteht z.B. darin, kulturelle Andersartigkeit nicht zu bewerten, sondern als solche zu akzeptieren und nach Möglichkeit des Verstehend zu suchen.

Trainingstypen

Eine Typologie von Trainings bzw. interkulturellen Trainings orientiert sich an bestimmten Kriterien. An dieser Stelle werden die Kriterien “Methodik”, “Didaktik” (bzw. inhaltliche Ausrichtung), “Lernzielbereiche” und “Ort des Trainings” zu Grunde gelegt. Die folgenden Klassifizierungen sind ein möglicher Beitrag zur Systematisierung interkultureller Trainings. Sie basieren auf theoretischen Überlegungen und es ist nicht ausgeschlossen, dass Trainings durchgeführt werden, die sich als Mischformen der o.g. Kategorien erweisen. Mischformen sind vor dem Hintergrund der Dreidimensionalität interkultureller Kompetenz, der Vielfältigkeit ihrer Teilkompetenzen sowie der Heterogenität der Trainingseilnehmer als durchaus wünschenswert zu erachten.

Methodik

Kontrastive Trainings: Bei Trainings mit kontrastiver Methode liegt der Schwerpunkt beim Aufzeigen von Unterschieden zwischen eigener und fremder Kultur. Eigene und fremde Werte, Normen und Kulturstandards bzw. Unterschiede im Bereich Politik und Administration werden gegenübergestellt ohne oder kaum die Dynamik und Implikationen kultureller Überschneidungssituationen zu thematisieren. Da hierbei i.d.R. die eigene Kultur als Orientierungssystem dient, besteht die Gefahr, dass ethnozentristischer Sichtweisen gefördert werden.

Interaktive Trainings: Bei Trainings mit interaktiver Methode steht der Prozesscharakter des interkulturellen Kontakts im Vordergrund. Dementsprechend basieren diese Trainingsformen entweder auf Interaktionssequenzen, an denen Teilnehmer aus mindestens zwei Kulturen teilnehmen oder auf entsprechenden Simulationen und Rollenspielen. Diese Methode integriert zu großen Teilen die verhaltensorientierte Komponente interkultureller Kompetenz, da den Teilnehmern hier das Testen von Hypothesen bzw. das Erproben von Strategien zur Bewältigung interkultureller (Problem-)Situationen ermöglicht wird.

Didaktik

Kulturspezifische Trainings: Unter kulturspezifischen Trainings werden solche zusammengefasst, die am Beispiel konkreter Verhaltens-, Denk- und Bewertungsweisen einer bestimmten Kultur Wissen um Kulturstandards vermitteln, um Kulturschocks präventiv vorzubeugen und die Fähigkeit zur isomorphen Attribution zu fördern. Das bedeutet, spezifische kulturelle Regeln stehen bei diesen Trainings im Vordergrund. Kulturspezifische Trainings laufen allerdings Gefahr, kulturelle Orientierungen überzubetonen, was zur Verfestigung von Stereotypen und zur Ausblendung des Individuums führen kann. Als empfehlenswert ist die Präsenz von Trainern aus der Herkunfts- und der Zielkultur zu erachten, um Übergeneralisierungen vorzubeugen und die Authentizität des Trainings sicherzustellen.

Kulturunspezifische Trainings: Kulturunspezifische Trainings rücken in einem ersten Schritt die eigene Person in den Blick, um über die Sensibilisierung für kulturspezifische und persönliche Merkmale im Wahrnehmen und Handeln den Teilnehmer mit der Existenz und Wirkung unterschiedlicher Persönlichkeitsmerkmale sowie mit verschiedenen handlungsleitenden kulturellen Prägungen zu konfrontieren. Als Lehrziel wird hier „die Vermittlung allgemeiner Kommunikations- und Handlungsfähigkeit in inter- sowie intrakulturellen Kontexten“ formuliert, ohne auf eine spezifische Kultur einzugehen bzw. unter Einbezug einer Vielzahl von Kulturen. Als nachteilig erweisen sich bei diesen Trainings einerseits die relativ abstrakten Themen (Stereotype, Selbst- und Fremdwahrnehmung etc.) und die oftmals praktizierten Simulationen von fiktiven Kontexten, was beim Teilnehmer ggf. das Interesse und die positive Einstellung zum Training mindern kann. 

Lernzielbereiche

Kognitive Trainings: Trainings mit kognitiven Lehrzielen konzentrieren sich hauptsächlich auf die Wissensvermittlung. Das Richtziel ist der „Zuwachs von Wissen“, das sich an Grobzielen wie „Wissen um Herkunft kultureller Prägung, Funktion(-sweise) von Stereotypen oder Wissen um interpersonale Interaktionsdynamiken“ bzw. „einen Überblick über gesellschaftliche Gegebenheiten der Zielkultur bekommen“ konkretisiert.

Affektive Trainings: Trainings mit affektiven Lernzielen rücken die generelle Sensibilisierung für Eigenes und Fremdes und vor allem die damit verbundene Modifikation von Einstellungen und Bewertungsweisen in den Mittelpunkt, die in Bezug auf das Fremde eine positive Ausprägung erfahren sollte. Als Grobziel dient „das Etablieren von Bereitschaft und positiver Einstellung zur fremdkulturellen Interaktionen“.

Verhaltensorientierte Trainings: Beim Training mit verhaltensorientierten Lehrzielen liegt der Schwerpunkt auf der Vermittlung von Strategien und Methoden, die dem Teilnehmer Handlungskompetenz in fremdkulturellen Situationen verleihen sollen bzw. zur Integration in fremdkultureller Umgebungen beitragen. Als Richtziel ist die „Erweiterung des eigenen Verhaltensrepertoires“ bzw. „das Erlernen von Strategien zur selbständigen Erweiterung des Verhaltensrepertoires“ zu berücksichtigen.

Ort des Trainings

Die Typologie nach dem Ort des Trainings unterscheidet in von der Arbeitssituation abgekoppelte Maßnahmen  („Trainings off the job“) und Maßnahmen am Arbeitsplatz („Trainings on the Job“). Sie schließt die o.g. Trainingstypen ein und erweitert sie um interkulturelles Coaching, Mediation und Teambuilding (Trainings on the job).

Transmissionsorientiert

Begriff aus der Kommunikationswissenschaft. Er wird oft in Opposition zu „interaktionsorientiert“ verwendet. Bei der Verwendung von Kommunikation als Transmissionsbegriff wird sich i.d.R. an der Botschaft orientiert, die von einem Sender A zu einem Sender B übermittelt werden soll. Demnach steht der Kommunikationsinhalt im Mittelpunkt, jedoch nicht die Interaktion bzw. die Kommunikationsbeziehung. (Vgl. Bolten, Jürgen: „Interkulturelle Wirtschaftskommunikation. Forschungsstand und Perspektiven eines neuen Fachgebietes“. In: Wirtschaftsdeutsch International 2002 (1999), S. 6.)

Transnationaler sozialer Raum

Das Konzept des transnationalen sozialen Raums entspringt der Migrationsforschung. Es versucht, die durch Wanderung und Kulturtransfer bedingte aufgebrochene Ortsgebundenheit soziokultureller Phänomene und ihrer Mischformen vor der Denkfigur einer nationalstaatlichen Weltordnung theoretisch zu erfassen. Das Konzept fügt also das zusammen, was als unvereinbar gilt: zugleich hier und dort leben und handeln. Dabei wird davon ausgegangen, dass transnationale soziale Räume etwas Neues, etwas Drittes generieren: Neue Lebens- und Handlungszusammenhänge entstehen, die für ein Hier-wie-Dort bzw. Sowohl-als-auch stehen. In der Migrationsforschung können somit soziale Räume beschrieben werden, die sich zwischen getrennten und geordneten Welten herausbilden. Unter transnationalen Räumen werden soziale Verflechtungszusammenhänge verstanden, die geographisch-räumlich diffus bzw. „de-lokalisiert“ sind und gleichzeitig einen nicht nur transitorisch sozialen Raum konstituieren, der sowohl eine wichtige Referenzstruktur sozialer Positionen und sozialer Positionierungen ist als auch die alltagsweltliche Lebenspraxis, (erwerbs-)biographischer Projekte und Identitäten der Menschen bestimmt und gleichzeitig über den Sozialzusammenhang von Nationalgesellschaften hinausweist. Solche Transnationale Soziale Räume entstehen in erster Linie im Kontext internationaler Migrationsprozesse, aber auch global operierende Konzerne, die internationale Massenkultur und Massenkommunikation sowie der Ferntourismus sind wichtige Stränge, entlang derer Transnationale Soziale Räume wachsen und sich verdichten. Pries definiert transnationale soziale Räume folgendermaßen: „Transnationale Sozialräume sind relativ dauerhafte, auf mehrere Orte verteilte bzw. zwischen mehreren Flächenräumen sich aufspannende verdichtete Konfigurationen von sozialen Alltagspraktiken, Symbolsystemen und Artefakten. Sie sind […] in verschiedenen Territorien bzw. locales verankert, die wiederum in andere sozial-räumliche Einheiten – z.B. von nationalen Container-Gesellschaften – eingewoben sind.“ (Pries 2008, S. 195)

Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Konzept des Transnationalen sozialen Raums erfolgt in: Wille, Christian: Zum Modell des transnationalen sozialen Raums im Kontext von Grenzregionen. Theoretisch-konzeptionelle Überlegungen am Beispiel des Grenzgängerwesens. In: Europa Regional. Zeitschrift des Leibniz-Institut für Länderkunde, Jg. 16, Heft 2, 2008, S. 74-84.

Weiterführend:
PRIES, L. (2008): Die Transnationalisierung der sozialen Welt. Frankfurt am Main.
PRIES, L. (2001): Internationale Migration. Soziologische Themen. Bielefeld.
PRIES, L. (1997): Neue Migration im transnationalen Raum. In: DERS. (Hrsg.): Transnationale Migration. Soziale Welt, Sonderband 12. Baden-Baden, S. 15 - 44.
HAN, P. (2006): Theorien zum Transnationalismus und zu Transmigranten. Stuttgart.

U

Universitätsmodell

Mit dieser Trainingstechnik soll die Kommunikations- und Integrationsfähigkeit von Trainingsteilnehmern hinsichtlich kultureller Überschneidungssituationen verbessert werden. In erster Linie werden Informationen zu Geschichte, Mentalität, Familienkonzept, Religion, Philosophie usw. des Ziellandes gegeben. Nach einem einführenden Vortrag ist es sinnvoll, die vorgestellten Aspekte des Ziellandes vor dem Hintergrund des Heimatlandes zu reflektieren bzw. zu kontrastieren. Aufgrund des Vortrags- bzw. informativen Charakters dieser Trainingstechnik wird das Universitätsmodell auch als „Landeskundliche Information“ bezeichnet (vgl. Dadder, Rita: Interkulturelle Orientierung. Saarbrücken, 1987.). „Landeskundliche Information“ kann mit landeskundlichen Seminaren im universitären Sinn verglichen werden. Zentrale Zielsetzung ist die Vermittlung von Fakten- und Hintergrundwissen hinsichtlich einer spezifischen Kultur. Dementsprechend werden über Referate, Videos, Seminarsitzungen und schriftlichem Selbstlernmaterial Informationen zu folgenden Bereichen vermittelt: Geographie, politische, wirtschaftliche und soziale Gegebenheiten, kulturspezifische Gepflogenheiten sowie praktische Informationen zu Einreisebedingungen, medizinische Vorsorge etc. „Landeskundliche Information“ wird aufgrund der kognitiven Schwerpunktsetzung und traditioneller Sozialform i.d.R. von den Teilnehmern problemlos angenommen, da ihnen diese Form des Lernens vertraut ist.

Unsicherheitsvermeidung

Der Umgang mit Unsicherheit als Grunddaseinsproblem der Menschheit wird von Hofstede in der Perspektive der Unsicherheitsvermeidung betrachtet. Unsicherheitsvermeidung beschreibt bei ihm das Ausmaß, in welchem Gesellschaftsmitglieder uneindeutige, unstrukturierte und ambivalente Situationen als bedrohlich erleben und versuchen, diese durch Regeln, Normen, Gesetze oder starke Führung zu reduzieren und zu vermeiden. Er unterscheidet in Kulturen mit starkem Streben nach Vorhersehbarkeit bzw. nach der Minimierung von Unsicherheit  und in Kulturen, in denen dieses Streben weniger stark ausgeprägt ist. Angehörige von Kulturen mit niedriger Unsicherheitsvermeidung nehmen Unsicherheit weniger als Bedrohung, denn vielmehr als anspornende Herausforderung wahr. Als Indikatoren für solche Orientierungen führt Hofstede Kulturen an, die sehr innovationsfreudig sind, was ein Abweichen von Regeln und Erproben eindeutigen Lösungen voraussetzt sowie die Quote der Versicherungsabschlüsse für Kulturen mit der Tendenz zur starken Unsicherheitsvermeidung.

Weiterführend: Hofstede, Geert: Interkulturelle Zusammenarbeit. Kulturen-Organisationen-Management. Wiesbaden, Gabler, 1993.

V

Verhalten

Verhalten steht für die allgemeine Bezeichnung jeder Aktivität oder Reaktion von Menschen, gleichgültig ob damit ein subjektiver Sinn, eine Absicht oder ein Zweck verbunden ist. Somit umfasst Verhalten neben körperlichen Reaktionen – beobachtbaren, verbalen und nonverbalen Verhaltensweisen – auch das Wahrnehmen, Denken und Fühlen als Aktivität des zentralen Nervensystems. (vgl. Peter, Carsten: Multikulturelles Projektmanagement. Bad Homburg, Novensis, 2002, S. 23.)

Verhaltensorientierte Ebene

siehe interkulturelle Kompetenz

Verkehrssprache

siehe Lingua franca

Verwaltungskultur

Verwaltungskultur ist ein vager Begriff, der an ein weites Kulturverständnis anknüpft und sich auf typische Einstellungen und die damit verbundenen Handlungs- und Verhaltensformen bezieht. Diese bilden einen spezifischen Verwaltungsstil, der sich durch interne und externe Handlungsmuster von Verwaltungsakteuren manifestiert. Bisher existiert keine durchgängige Theorie von Verwaltungskultur, vielmehr berühren Fragen der Verwaltungs- oder Behördenkultur je nach Erkenntnisinteresse immer auch Aspekte von politischer Kultur, Organisationskultur und gesamtgesellschaftlicher Kultur. Verwaltungskultur wird dieser Komplexität und dem Anliegen, verschiedene Voraussetzungen von Verwaltungshandeln systematisch zu beschreiben und zu erklären, erst dann gerecht, wenn vorliegende theoretische Konzepte der Organisationskulturforschung analytisch differenziert und ihre Bestandteile miteinander verbunden werden. Im Folgenden drei weiterführende Thesen, die an dieser Stelle nicht diskutiert werden können.

1) Verwaltungskultur leitet sich aus dem Konzept der Organisationskultur ab.
2) Verwaltungskultur bildet ein Subsystem der Landeskultur und ist von ihr geprägt.
3) Verwaltungskultur bildet ein Subsystem der politischen Kultur.

Vorurteil

Bezeichnet Einstellungen gegenüber Individuen oder sozialen Gruppen, die ähnlich wie Stereotype durch Fossilierung charakterisiert sind. Vorurteile sind zumeist negativ ausgeprägt, sie können jedoch auch positiv sein: Jemand ist gut, weil er immer schon gut gewesen ist.

Siehe auch Stereotyp

W

Werbung, internationale

Internationale Werbung ist eine Strategie des internationalen Marketings, die auf die Vereinheitlichung von Werbemitteln abzielt. Werden Werbemittel in mehreren Ländern eingesetzt, wird unterschieden in differenzierte Werbung (Werbemittel für ein Produkt unterscheiden sich in Text und Bild) und standardisierte Werbung (Werbemittel für ein Produkt unterscheiden sich nicht (lediglich in der Sprache (Text)).

Werte

„Ein Wert ist eine Auffassung von Wünschenswertem, die explizit oder implizit für einen einzelnen oder für eine Gruppe kennzeichnend ist und welche die Auswahl der zugänglichen Weisen, Mittel und Ziele des Handelns beeinflusst“ (vgl. Kluckhohn 1961, 395). Werte können bewusst oder unbewusst sein und sind generelle, dauerhafte Überzeugungen über das, was richtig / falsch, normal / anormal, etc. ist, und welcher Zustand oder welche Handlung anzustreben ist. „Normen hingegen sind verbindliche Forderungen eines bestimmten Verhaltens in spezifischen Situationen. Während Werte den Charakter innerer Orientierungspunkte haben, haben Normen den Charakter sozialer Konventionen“ (Stüdlein, Yvonne: Management von Kulturunterschieden: Phasenkonzept für internationale strategische Allianzen. Wiesbaden, 1997, S. 27.).

Z

Zeichen

siehe Symbol

Zeit

Langfristige vs. kurzfristige Zeitorientierung: Langfristige vs. kurzfristige Zeitorientierung bezeichnet das Ausmaß, in welchem sich Angehörige von Gesellschaften an zukunftsorientierten Perspektiven (langfristig) oder eher an gegenwarts- und vergangenheitsbezogenen Perspektiven (kurzfristig) orientieren. Diese „anthropologische Grundkonstante“ fügte Hofstede seinen Dimensionen später als fünfte Kulturdimension hinzu.

Monochrones – polychrones Zeitmanagement: In einigen Kulturen wird Zeit als ein wertvolles Gut betrachtet, das nicht verschwendet werden darf. Dementsprechend wird hier die Strukturierung von Zeit und Pünktlichkeit sehr hoch bewertet („Zeit ist Geld“). Menschen solcher Kulturen bevorzugen eine sequentielle Aufgabenerledigung („Eins nach dem anderen“). Verspätungen und nicht eingehaltene Fristen werden schell negativ bewertet. Diese Form des Umgangs mit Zeit wird als monochrone Zeitorientierung bezeichnet. In anderen Kulturen neigen Menschen dazu, Zeit als ein ausreichend verfügbares Gut zu betrachten. Pünktlichkeit genießt hier einen relativen Stellenwert und Menschen bzw. Mitarbeiter stören sich nicht daran, gleichzeitig in verschiedene Aktivitäten eingebunden zu sein. Dementsprechend sind sog. polychron orientierte Menschen sehr flexibel bei der Verwaltung ihrer Zeit.

Weiterführend
Hall, Edward T.: La danse de la vie. Temps culturel, temps vécu. Paris, Seuil, 1984.
Hofstede, Geert: Interkulturelle Zusammenarbeit. Kulturen-Organisationen-Management. Wiesbaden, Gabler, 1993.

Zivilisation

Es sind vor allem die deutschen Romantiker, die den Begriff Kultur – als Ausdruck der Seele eines Volkes – dem Begriff der Zivilisation gegenüberstellen. Zivilisation bezeichnet dabei den materiellen Fortschritt, das Resultat der ökonomischen und technischen Entwicklung. (vgl. Röseberg, Dorothee: Kulturwissenschaft Frankreich. Klett, Stuttgart, 2001, S. 27).

Zweitsprache

Eine Zweitsprache ist jede Sprache, die nach der Erstsprache erlernt wurde. Oft wird damit auch auf eine Alternativsprache (d.h. auf eine zweite Sprache) verwiesen, die zur praktischen Bewältigung des Alltags in einer fremden Gesellschaft (oder einer Majoritätsgesellschaft) notwendig ist und darum (z.B. von Angehörigen der Minoritäten) häufig fast so gut beherrscht wird wie die Erstsprache.

Zwiebelmodell

Kultur manifestiert sich auf unterschiedlichste Art und Weise. Hofstede stellt Kultur als  Symbole, Helden, Rituale und Werte modellhaft über die Schalen einer Zwiebel dar. Damit soll angedeutet werden, dass Symbole die oberflächlichen und Werte die tiefliegenden Manifestationen von Kultur darstellen. Helden und Rituale liegen dazwischen. Zusammengefasst werden Rituale, Helden und Symbole unter Praktiken. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie über das Verhalten von Personen direkt wahrnehmbar sind. Den Kern von Kultur bilden Werte, die auch als Einstellungen beschrieben werden können; sie sind jedoch im Gegensatz zu Praktiken nicht direkt wahrnehmbar.

Weiterführend: Hofstede, Geert: Interkulturelle Zusammenarbeit. Kulturen-Organisationen-Management. Wiesbaden, Gabler, 1993.