Sozio-kulturelle Dimensionen und Raumkonstruktionen grenzüberschreitender Arbeitnehmermobilität
Angesichts fortschreitender Globalisierung gewinnen transnationale Sozialbeziehungen zunehmend an Bedeutung. Sie stehen immer stärker im Zentrum der Human- und Sozialwissenschaften und stellen auf Fragestellungen der Transformation von Gesellschaft, Raum und Kultur ab. Ausgehend von der Prämisse, dass sich solche Refigurationen der Spätmoderne besonders in Grenzregionen nachzeichnen lassen, soll die kleinräumige, zirkuläre und kulturwissenschaftlich kaum beachtete Mobilitätsform des Grenzgängerwesens untersucht werden. Damit werden Arbeitnehmer betrachtet, die in einem europäischen Mitgliedstaat arbeiten und in einem anderen wohnen, in den sie nahezu täglich zurückkehren. Ihre Zahl beläuft sich europaweit auf 780.000, wobei die Großregion SaarLorLux eine besondere Rolle spielt. Ausgehend von der Annahme, dass die mobilitätsbedingte Kopräsenz von Grenzgängern dies- und jenseits nationaler Grenze neue Handlungsräume und Lebenswelten hervorbringt, sollen die damit verbundenen Verschiebungen vertiefend betrachtet werden. Die entsprechenden Fragestellungen berühren im Zuge des cultural turn und spatial turn neu diskutierte Konzepte wie etwa Kultur, Raum, Gesellschaft, Differenz oder Identität. So werden aus einer handlungstheoretischen Perspektive heraus empirische Zugriffe auf Raum und Sozialität vorgenommen, wie sie sich im transnationalen Praxisvollzug von Grenzgängern manifestieren. Dies schließt sowohl Aspekte der Raumkonstitution im Sinne der handlungstheoretischen Sozialgeographie, des Sinnverstehens und -zuweisens im Sinne der Kulturwissenschaft sowie der sozialen Ordnung im Sinne der (Kultur-)Soziologie ein. Auf theorieorientierter Ebene soll es darum gehen, einen analytisch-konzeptionellen Rahmen für transnationale Sozialverflechtungen zu entwickeln, der über den Einbezug von disziplinär weitgehend getrennten Konzepten geographische, kulturwissenschaftliche und soziologische Kategorien miteinander in Beziehung setzt.
Die Doppelpromotion wird co-betreut von Prof. Dr. Christian Schulz (Universität Luxemburg) und Prof. Dr. Hans-Jürgen Lüsebrink (Universität des Saarlandes).