Räume der Grenze - Ein Modell zur Analyse von transnationalen Lebenswelten
Räume der Grenze bezeichnet ein Modell zur Untersuchung von territorial dezentrierten Sozialzusammenhängen, die sich im Zuge von grenzüberschreitenden Praktiken aufspannen, und auf die dahinter liegenden kulturellen und räumlichen Logiken. Es basiert auf zwei konvergenten Theorieentwicklungen: die Aufwertung von Sinn- und Bedeutungswelten sowie von Materialitäten im Rahmen des cultural und spatial turn.
Das Modell bietet einen heuristischen Bezugsrahmen für die subjektzentrierte kulturwissenschaftliche Raumforschung.
Räume der Grenze repräsentieren keine flüchtigen Übergangszonen, sondern Orte kreativer kultureller Produktion. Das Modell fokussiert auf Subjektpositionen mit ihren materialen und sinnhaften Rückbindungen in grenzüberschreitenden Bezügen. Es wendet sich ab von statischen kulturellen Wissensordnungen und absolut-substantialistischen Behälterräumen zugunsten der tatsächlichen sozialen und räumlich-materialen Lebenswelten. Diese werden in einem sozialgeographischen Zugriff auf Basis eines praxeologischen Handlungsverständnisses erschlossen.
Aussagen über Räume der Grenze sind immer Aussagen über ihre Konstitutionsprozesse. Zu den operativen Analysekategorien zählen soziale Praktiken, praktisches Wissen sowie sozial-strukturelle und physisch-materielle Bedingungen, wie sie vom Subjekt praxislogisch angeeignet werden.
Der Ansatz ist besonders geeignet für die kulturwissenschaftliche empirische Raumforschung in multilokalen und transnationalen Kontexten. Er ist übertragbar auf eine Reihe allgemeiner subjekt- und raumzentrierter Fragestellungen, die sich von Kultur als ‚ordentlich praktizierter' Werte- und Normenkomplex lösen und die Kontingenz sozialer Praktiken mit ihren räumlichen Bezügen in den Blick nehmen.