Räume der Grenze
‚Räume der Grenze’ bezeichnet ein interdisziplinäres Modell zur Untersuchung von stabilen Sozialzusammenhängen, die quer zu nationalen Grenzen liegen. Sie repräsentieren keine flüchtigen Übergangszonen, sondern Orte kreativer kultureller Produktion, wie sie ‚Grenzgänger’ hervorbringen.
Das Modell fokussiert auf die innovativen Prozesse der Aneignung von Grenzen und auf die dahinterliegenden sozialen und räumlichen Logiken. Damit wendet es sich ab von der Vorstellung statischer kultureller Symbolsysteme und apriorischer Behälterräume zugunsten der tatsächlich konstituierten sozialen und räumlichen Lebenswelten. Diese werden im vorgeschlagenen Modell über einen sozialgeographischen Zugriff auf Basis eines praxeologischen Handlungsverständnisses erschlossen. So bilden körperbasiertes Subjekthandeln und subjektive Sinnwelten die Schlüsselkategorien von ‚Räumen der Grenze’, über die handlungspraktische Subjektivierungen und / als Raumkonstitutionen zugänglich werden.
Raum wird hier nicht als ein absolut-substantialistischer bestimmt, sondern als ein begriffliches Mittel zur Ausleuchtung der gelebten und vielschichtigen Wirklichkeiten von ‚Grenzgängern’. Zu den operativen Analysekategorien zählen soziale Praktiken, praktisches Wissen, sozial-strukturelle Bedingungen und physisch-materielle Bedingungen, die im Subjekt aufgehen. Besonders durch seine Subjektzentrierung und Integration sozialer Kontingenz eignet sich das Modell zur Untersuchung transnationaler Lebenswelten.