Transnationaler sozialer Raum

Die Vorstellung von transnationalen sozialen Räumen geht auf soziale Beziehungen zurück, die sich zwischen unterschiedlichen Orten in verschiedenen Nationalstaaten aufspannen. Analytisch können transnationale soziale Räume in ihrer flächenräumlichen Dimension betrachtet werden, die Kriterien wie etwa Entfernung, Ausdehnung oder Dichte betrifft. In ihrer sozialräumlichen Dimensionen können TSR anhand der Handlungen von Menschen bestimmt werden; die Zeitlichkeitsdimension schließlich betrifft die jeweilige soziale Konstellation in ihrer historischen Gewordenheit. Das Anliegen des Modells besteht darin, die flächen- und sozialräumliche Dimension nicht notwendigerweise zusammenzudenken, sondern diese theoretisch zu entflechten mit dem Ziel, Zugänge zu nationale Grenzen überschreitenden Sozialzusammenhängen zu eröffnen.

Ludger Pries (2008) definiert transnationale soziale Räume als „[…] relativ dauerhafte, auf mehrere Orte verteilte bzw. zwischen mehreren Flächenräumen sich aufspannende verdichtete Konfigurationen von sozialen Alltagspraktiken, Symbolsystemen und Artefakten. Sie sind […] in verschiedenen Territorien bzw. locales verankert, die wiederum in andere sozialräumliche Einheiten – z.B. von nationalen Container-Gesellschaften – eingewoben sind.“

Diese modellhafte Vorstellung von transnationalen Lebenswirklichkeiten ist mit verschiedenen Kritiken konfrontiert. So sehen einige Autoren im TSR die Gefahr einer Romantisierung von Wanderung, die Marginalisierung und wirtschaftliche Zwänge ausblendet. Ferner wird daran erinnert, dass TSR nicht zwangsläufig Globalisierungstendenzen widerspiegeln, sondern transnationale Phänomene bereits spätestens seit dem 18. Jh. existierten. Außerdem wird konzeptionelle Kritik geübt, wenn die Klärung von zentralen Begriffen (Raum, Kultur, Identität) reklamiert und das Anliegen des TSR infrage gestellt wird. Denn das Modell will helfen, das Denken in nationalstaatlichen Kategorien aufzubrechen, es setzt diese jedoch voraus und rekonstruiert eine transnationale Containervorstellung. Alternativen bieten prozess- und subjektzentrierte Konzepte der modernen Kulturwissenschaft, wie etwa Räume der Grenze.