Fremdwahrnehmung

Fremdwahrnehmungen beeinflussen eigene Reaktionsweisen auf Fremdes sowie die des Fremden. Dies führt zu Phänomenen wie Neugierde, Faszination, Wissensdrang oder aber Gleichgültigkeit und Ablehnung. In der interkulturellen Forschung sind folgende Unterscheidungen im Arbeitsfeld Fremdwahrnehmung zentral: a) Die Unterscheidung zwischen Auto- und Heterostereotypen, die in Interaktionssituationen die Funktion der Fremd- und Selbstwahrnehmung bzw. -thematisierung übernehmen. b) Die Unterscheidung von Selbst- und Fremdwahrnehmung, die eng miteinander verzahnt sind, stellt die Selbstwahrnehmung doch das Produkt von interpersonaler und interkultureller Kommunikation dar und ist somit auf Fremdverstehen zurückzuführen. c) Die Unterscheidung zwischen verschiedenen Formen der Fremdwahrnehmung, die als Stereotype / Cliché von kultureller Komplexitätsreduktion über ideologische Formen stereotyper Wahrnehmung wie etwa Vorurteil bis hin zu einer differenzierten Fremdwahrnehmung reichen.

In Bezug auf interkulturelle Kommunikationssituationen ist der Einfluss von Selbst- und Fremdwahrnehmung auf den Verlauf der Interaktion hervorzuheben: Die Dynamik von Intergruppen- und interpersonalen Beziehungen im interkulturellen Kontext ist Gegenstand der interkulturellen Psychologie, die sich mit der Analyse psychischer Bedingungen, Verlaufsprozessen und Wirkungen menschlichen Erlebens und Verhaltens in Sondersituationen befasst. Erforscht und beeinflusst werden in diesem Zusammenhang vor allem verhaltenssteuernde und psychologisch relevante Prozesse wie Wahrnehmungsvorgänge, Informationsverarbeitungs-, Bewertungs- und Urteilsprozesse, Attributionen, Emotionen in ihrem jeweils kulturspezifischem Einfluss auf interpersonale Begegnungen und Erfahrungsbildung in interkulturellen Situationen.

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