Interkulturelles Lernen
Wird davon ausgegangen, dass Lernen eine Veränderung im Erleben und Verhalten darstellt, die durch die Interaktion zwischen Individuum und Umwelt hervorgerufen wird, so bezieht sich interkulturelles Lernen auf den Austausch mit einer anderen Kultur. Jedoch ist unklar, was mit Interkulturellem Lernen, Interkultureller Bildung oder Interkultureller Erziehung gemeint ist, referieren die Begriffe doch sowohl auf den Lernprozess als auch auf das Lernergebnis. Das zentrale Lernziel „Interkulturelle Kompetenz“ ist auf der Ergebnisebene zu verorten. Jedoch ist umstritten, über welche Teilkompetenzen für die Lernzielerreichung verfügt werden muss bzw. ob Interkulturelle Kompetenz überhaupt ein eigenständiges Konzept darstellt. Ungeachtet dieser Diskussion ist festzuhalten, dass Interkulturelle Kompetenz durch interkulturelles Lernen erreicht werden soll, wobei interkulturelles Lernen für den Prozess steht, der ausgehend von einer kulturellen Begegnungssituation oder von einem Lehr-Lern-Arrangement zu interkultureller Kompetenz führen soll. Somit schließt interkulturelles Lernen sowohl institutionalisierte als auch informelle Lernprozesse ein.
Institutionalisierte Momente des interkulturellen Lernens stellen vor allem interkulturelle Trainings bzw. Maßnahmen der interkulturellen Fort- und Weiterbildung dar. Zur Optimierung des interkulturellen Lernprozesses wurden zahlreiche Forschungen durchgeführt; ein allgemeingültiges interkulturelles Lernmodell existiert bislang aber nicht. Jedoch wurde herausgearbeitet, dass die Lernziele „Kulturbewusstheit“, „Perspektivübernahme“, „Fremd- und Differenzwahrnehmung“ usw. zentrale Momente darstellen, wobei interkulturelle Lernprozesse i.d.R. bei der „generellen Einsicht um die Kulturgebundenheit des menschlichen Verhaltens“ ansetzen und die Zielrichtung „Überwindung des ethnozentristischen Weltbildes“ anstreben.
Angesichts der wachsenden Bedeutung von interkulturellem Lernen in Schule und Beruf haben sich in den 1990er Jahren im Weiterbildungsbereich unterschiedliche Ansätze des institutionalisierten interkulturellen Lernens herausgebildet, mit denen z.B. auf Auslandseinsätze von Mitarbeitern vorbereitet werden soll. Sie können nach unterschiedlichen Gesichtspunkten typologisiert werden: Nach inhaltlichen Kriterien wird unterschieden zwischen kulturspezifischen und kulturallgemeinen Ansätzen, nach Lernzielen zwischen kognitiven, affektiven und verhaltensbezogenen (konativen) Trainingsmaßnahmen. Hinsichtlich der Methodik wird differenziert in didaktische (oder kontrastive, trainerorientierte) Trainings und in interaktive (oder handlungs- / erfahrungsorientierte) Trainings. Die Typologie nach den Kriterien „Trainings off the job“ und „Trainings on the Job“ schließt die o.g. Trainingstypen ein und erweitert sie um interkulturelles Coaching, Mediation und Teambuilding.