Aktuell

Grenzen werden zunehmend als komplexe Phänomene verstanden. Ungeklärt ist in der Grenzforschung aber noch, worin ihre Komplexität besteht. Das interdisziplinäre Buch greift den noch jungen Trend auf und zeigt, wie Grenzen als komplexe Gebilde gedacht und untersucht werden können. Mit konzeptionellen und empirischen Beiträgen fundieren die Autor:innen den aktuellen Complexity Shift in der Grenzforschung.

Der interdisziplinäre Band beschäftigt sich mit dem noch jungen Trend, Grenzen als komplexe Phänomene zu untersuchen. Die 13 internationalen Autor:innen entwickeln darin Perspektiven für eine komplexitätsorientierte Grenzforschung und zeigen, wie Grenzen als Un/Ordnungen entstehen und funktionieren. Christian Wille als Mitherausgeber gibt im Gespräch mit dem Nomos-Verlag erste Einblicke in das Buch.

In der Grenzforschung etabliert sich zunehmend die Auffassung, dass Grenzen komplexe Phänomene seien. Trotzdem erklären Grenzforschende kaum, was mit komplexen Grenzen oder Border Complexities gemeint ist. Die progressive Grenzforschung ist aber durchaus gut vereinbar mit dem Komplexitätsdenken. Der Text nähert sich diesem vielversprechenden Verhältnis und zeigt, was eine komplexitätsorientierte Grenzforschung sein kann.

Immer mehr Menschen in Europa pendeln täglich in ein Nachbarland an ihren Arbeitsplatz. Die wachsende Arbeitskräftemobilität lässt sich aber nicht nur ökonomisch erklären, sondern erfordert eine multiperspektivische Betrachtung. Diese wird in dem gerade erschienenen Buch anhand von Fallstudien in europäischen Grenzregionen umgesetzt. Deutlich wird, dass die Grenzgänger:innenbeschäftigung als Forschungsgegenstand ein großes Potential für grenzregionale Entwicklungsprozesse bietet.

Der nächste Vortrag in der Reihe Atelier Bordertextures beschäftigt sich mit solidarischen Initiativen nach dem langen Sommer der Migration mit Hilfe des Bordertexturen-Ansatzes. Auf Grundlage einer ethnographischen Untersuchung der Pariser Willkommenskultur rekonstruiert Lola Aubry den Zusammenhang zwischen Texturierungen von Grenzrealitäten und Willkommenspraktiken. Der öffentliche Vortrag am 16. November findet hybrid auf Englisch an der Universität Luxemburg und via Webex statt.

Wille, Christian (2024): Border Complexities. Outlines and Perspectives of a Complexity Shift in Border Studies. In: Wille/Leutloff-Grandits/Bretschneider/Grimm-Hamen/Wagner (Hg.): Border Complexities and Logics of Dis/Order. Baden-Baden, Nomos, 31-56. mehr Info
Wille/Leutloff-Grandits/Bretschneider/Grimm-Hamen/Wagner (Hg.) (2024): Border Complexities and Logics of Dis/Order. Baden-Baden, Nomos. mehr Info
Clément/Belkacem/Pigeron-Piroth/Wille (Hg.) (2023): Cross-border Work in Europe. Regional Practices and Realities | Le travail frontalier en Europe. Pratiques et réalités régionales. Bruxelles, Larcier. mehr Info
Wille (2023): Europäische Grenzraumforschung in Zeiten der Vergrenzung: Problemaufriss und Perspektiven. Brodowski/Nesselhauf/Weber (Hg.): Pandemisches Virus – nationales Handeln: Covid-19 und die europäische Idee. Springer VS, 25-43. mehr Info
Wille (2021): Vom processual shift zum complexity shift: aktuelle analytische Trends der Grenzforschung. In: Gerst/Klessmann/Krämer (Hg.): Grenzforschung. Handbuch für Wissenschaft und Studium. Nomos, 106-120. mehr Info
Wille/Gerst/Krämer (Hg.) (2021): Identities and Methodologies of Border Studies: Recent Empirical and Conceptual Approaches. Borders in Perspective 6. mehr Info