Die Untersuchung von Grenzziehungsprozessen erfährt in jüngster Zeit eine produktive Weiterentwicklung. Sie besteht in dem Anliegen, Grenzen in ihrer Vielschichtigkeit und Dynamik zu erfassen. Darauf geht das Konzept der Bordertexturen ein, das C. Wille am 28./29. Juni an der Université de Haute-Alsace vorstellt. Der Vortrag findet im Rahmen der Konferenz “Le Transfrontalier : pratiques et figurations” statt.
Grenzüberquerungen beinhalten nicht nur den Wechsel eines Ortes, sondern haben auch eine zeitliche Dimension. Darauf fokussiert der Vortrag von Carolin Leutloff-Grandits, die am 13. Juni im Atelier Bordertexturen zu Gast ist. Die Koordinatorin des Viadrina Centers B/ORDERS IN MOTION (Europa Universität Viadrina in Frankfurt (Oder)) fragt, wie durch Grenztemporalitäten Grenzen konstituiert werden. Die interregionale Vortragsreihe ist eine Initiative der deutsch-luxemburgischen Arbeitsgruppe “Bordertexturen”.
Jüngste Entwicklungen in den Border Studies zeigen, dass Phänomene der Grenze zunehmend in ihrer Vielschichtigkeit untersucht werden. Auf diese Tendenz reagiert der Ansatz der Bordertexturen, der in der neusten Ausgabe von Berliner Debatte Initial erstmals der Fachöffentlichkeit vorgestellt wird. Bordertexturen relativieren die verbreitete territoriale Perspektive auf Grenze und erweitern das Spektrum der Analyseperspektiven und Gegenstandsbereiche in den Border Studies.
Die KWG-Sektion “Kulturwissenschaftliche Border Studies” hat sich am 26. und 27. März an der Viadrina Universität Frankfurt (Oder) getroffen. Thema des Workshops waren Entwicklungslinien der noch jungen kulturwissenschaftlich orientierten Grenzforschung. Diskutiert wurde in diesem Zusammenhang das Verhältnis der angelsächsischen Cultural Studies zu den Kulturwissenschaften des deutschsprachigen Raums. Die Ergebnisse werden in einem Positionspapier veröffentlicht.
Im soeben erschienenen Artikel untersuchen Wille und Roos inwiefern grenzüberschreitende Alltagsmobilität auch grenzüberschreitende Lebenswelten befördert. Dafür beleuchten sie die Entwicklung von sozialen Kontakten und die räumliche Organisation von Alltagspraktiken bei Grenzpendlern und Wohnmigranten. Der Beitrag gibt Einblicke in das Leben an der luxemburgischen Grenze, für das nationalstaatliche Gliederungen nachrangig und zugleich konstitutiv sind.
Prostitution und Sexarbeit waren auch historisch betrachtet stets Gegenstand gesellschaftlicher Debatten. Heike Mauer hat die Regulierung von Prostitution zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Luxemburg untersucht. Im Gespräch über ihr Buch berichtet die Politische Theoretikerin über interdisziplinäres Arbeiten und erklärt, über welche Techniken versucht wurde die Prostitution im Großherzogtum zu unterbinden.