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Im Mai kommen Wissenschaftler:innen, Künstler:innen und Praktiker:innen in Athen zusammen, um Grenzen als symbolische Ordnungen in Literatur, Kunst und Gesellschaft zu diskutieren. Die internationale Konferenz will kritische Zugänge zu gesellschaftlichen Grenzziehungen stärken und deren politisches Potenzial reflektieren. Christian Wille beteiligt sich mit einem Vortrag zu Epistemologien der kulturwissenschaftlichen Grenzforschung.

Grenzen gelten oft als eindeutige Linien. Die Grenzforschung dagegen spricht immer häufiger von Komplexität. Der neue Artikel „Rethinking Complexity in Border Studies“ zeigt, dass der Begriff in der wissenschaftlichen Debatte aber noch vage bleibt. C. Wille und D. Gerst entwickeln daher einen komplexitätsorientierten Ansatz und unterscheiden zwischen einer komplexen Ordnung der Grenze und ihrer emergenten Gestalt. Außerdem schlagen sie methodologische Prinzipien vor, mit denen Grenzen tatsächlich komplex gelesen werden können.

In der jüngsten Ausgabe der Kulturwissenschaftlichen Zeitschrift bespricht Maria Klessmann den Sammelband „Border Complexities and Logics of Dis/Order“ (2024). Die kulturwissenschaftliche Grenzforscherin stellt die zentralen Argumente des Bandes vor und ordnet ihn in die aktuelle Debatte ein. Sie würdigt die Publikation als wichtigen Beitrag zur komplexitätsorientierten Grenzforschung und zugleich als überzeugende Kritik an politischen Diskursen, die Grenzen vereinfachen.

Die Jahreskonferenz der Association of Borderlands Studies steht in diesem Jahr im Zeichen eines Jubiläums. Unter dem Rahmenthema „Celebrating 50 Years of Border Studies“ kommen in Albuquerque (USA) Grenzforscher:innen aus aller Welt zusammen, um Bilanz zu ziehen und zukünftige Entwicklungen des Forschungsfeldes zu diskutieren. Christian Wille stellt auf der mehrtägigen Konferenz den Ansatz der Bordertexturen vor, der Grenzen als relationale und dynamische Gefüge kulturwissenschaftlich erschließt.

Die Rede von komplexen Grenzen ist in der Grenzforschung allgegenwärtig. Jedoch oft ohne zu klären, was damit analytisch gemeint ist. Im Podcast diskutieren D. Gerst und C. Wille, warum Grenzen nicht als stabile Linien verstanden werden können, sondern als relationale, emergente Ordnungen, deren Wirksamkeiten sich im dynamischen Zusammenspiel von Akteuren, Praktiken, Diskursen u. v. m. entfalten. Ein Podcast für Grenzforschende, die Komplexität nicht nur benennen, sondern ernst nehmen wollen.

Wille, Christian / Gerst, Dominik (2026): Rethinking Complexity in Border Studies. Journal of Borderlands Studies (online first). mehr Info
Wille (2025): Vom Schengen-Spirit zum Border-Spirit. Beobachtungen aus Sicht der Grenzforschung. In: Brodowski, D. / Dittel, J. / Weber, F. (Hg.): 40 Jahre Schengener Übereinkommen. Europa und seine inneren Grenzen. Baden-Baden, Nomos, 149-175. mehr Info
Wille (2025): On the Reintroduction of Temporary Controls at EU Internal Borders. Developments and Challenges 40 Years After the Schengen Agreement. UniGR-CBS Working Paper 24. mehr Info
Fellner, Astrid M. / Wille, Christian (2025): Cultural Border Studies. In: Nesselhauf, Jonas / Weber, Florian (Hg.): Handbuch Kulturwissenschaftliche "Studies". Berlin, de Gruyter, 47-67. mehr Info
Wille, Christian (2024): Border Complexities. Outlines and Perspectives of a Complexity Shift in Border Studies. In: Wille/Leutloff-Grandits/Bretschneider/Grimm-Hamen/Wagner (Hg.): Border Complexities and Logics of Dis/Order. Baden-Baden, Nomos, 31-56. mehr Info
Wille, Christian (2021): Vom processual shift zum complexity shift: aktuelle analytische Trends der Grenzforschung. In: Gerst/Klessmann/Krämer (Hg.): Grenzforschung. Handbuch für Wissenschaft und Studium. Nomos, 106-120. mehr Info